Die Konstanzer Sektion des Alpenvereins nimmt jetzt gezielt den Kauf des Kletterwerks ins Visier. Die Mitgliederversammlung hat der Vereinsspitze mit einem Beschluss ausdrücklich Rückendeckung gegeben. Danach darf der Vorstand das Gebäude mitsamt Grundstück in zentraler Lage am Radolfzeller Tagungszentrum Milchwerk kaufen. Das Votum in der Jahresversammlung im Hotel Barbarossa in Konstanz fiel einmütig aus. Bereits seit einigen Jahren ist die DAV-Sektion mit dem Eigentümer der Immobilie, der Stadt Radolfzell, im Gespräch. Doch nun könnte es zu einer Einigung kommen, so informierte der bisherige Sektionsvorsitzende Rolf Wilke.

Wilke erläuterte die Position des Alpenvereins. Der DAV habe bisher als Mieter zwei Millionen Euro ins Kletterwerk investiert, nicht nur die Kletterhalle ausgestattet, sondern auch Sanitärräume und ein Bistro eingerichtet. Sollte irgendwann der Kletterboom abklingen, sei es von Vorteil, wenn der DAV Eigentümer des Kletterwerks sei. Dann ließe sich die Immobilie unter Umständen für eine andere Nutzung veräußern. Als Mieter hingegen müsse der Alpenverein in diesem Falle die Investitionen abschreiben. Die Stadt Radolfzell habe zuletzt ein attraktives Angebot gemacht. Danach müsse der Verein nur das Grundstück bezahlen, das Gebäude wäre kostenfrei zu haben. Von einem Kaufpreis um 100 000 Euro ist die Rede. Wilke: "Der Preis ist attraktiv, aber die Bedingungen müssen stimmen."

Die Berichte des Vorstands und der Fachreferenten spiegelten vor 54 Sitzungsteilnehmern das Bild eines sich bestens entwickelnden Vereins mit der Umsatzgröße eines Mittelstandsunternehmens. Das Kletterwerk boomt. Erstmals wurde 2017 die Zahl von 50 000 Eintritten überschritten. Georg Fleischmann, der die Anlage im Auftrag der Sektion betreibt, führte aus, dass das Kletterparadies zeitweise aus den Nähten platze. Fleischmann unterstrich die Bedeutung der Sportanlage. Hier werde gemeinnützige Arbeit geleistet. "Wir hätten niemals eine so große Jugendabteilung, wenn wir die Kletterhalle nicht hätten", so Fleischmann. Die Bilanz von Jugendreferent Arne Aerts: 50 Gruppenleiter betreuen rund 250 Mädchen und Jungen in 16 Gruppen. Damit spiele der DAV vom westlichen Bodensee im Vergleich mit anderen Sektionen im Land ganz vorne mit. Der Fachreferent kündigte an, dass die Strukturen diesen Dimensionen angepasst werden müssten.

Drei, die beim DAV-Treffen wichtig waren. Linkes Bild: Nils Weidmann (l.) löst Rolf Wilke als Vorsitzenden der Sektion Konstanz ab. Bild oben: Jugendleiterin Leonie Lindlar scheiterte bei der Kandiatur für einen Beisitzerposten.
Drei, die beim DAV-Treffen wichtig waren. Linkes Bild: Nils Weidmann (l.) löst Rolf Wilke als Vorsitzenden der Sektion Konstanz ab. Bild oben: Jugendleiterin Leonie Lindlar scheiterte bei der Kandiatur für einen Beisitzerposten.

Größte Investition des Vereins sind derzeit Modernisierung und Ausbau der Konstanzer Hütte im Verwall-Gebiet. Hierfür sind in den Jahren 2017/18 rund 1,1 Millionen Euro veranschlagt. Nach Angaben von Fachreferent Jürgen Pietsch, der das Projekt steuert, dürfte die Rechnung am Ende aber höher ausfallen. Der Radolfzeller Architekt verwies auf steigende Baukosten aufgrund der sehr guten Konjunktur und auf besondere Auflagen des Brandschutzes. Pietsch hofft, dass die Arbeiten an der Konstanzer Hütte nach dem Winter zügig wieder aufgenommen werden können. Rolf Wilke zog für den Vorstand am Ende eine mehr als zufriedenstellende Bilanz für das Jahr 2017: "Die Sektion steht prächtig da." Der Alpenverein habe mehr eingenommen als ausgegeben. Er biete attraktive Tourenprogramme und verfüge über attraktive Gruppen. Die Konstanzer Hütte werde modernem Standard angepasst und die Gauenhütte sei ausgebucht.

Die Mitgliederversammlung leitete einen Generationenwechsel im Vorstand ein. Sie wählte Nils Weidmann (41) zum neuen Vorsitzenden. Er löst Rolf Wilke (71) ab, der sich nicht mehr zur Wahl für den Chefposten stellte. Weidmann, der als Professor im Fachbereich Politik- und Verwaltungswissenschaften der Uni Konstanz tätig ist, kündigte an, für ihn sei es ein wichtiges Ziel, "die ehrenamtliche Arbeit am Laufen zu halten". Dass frische Kräfte Verantwortung übernehmen wollen, zeigte sich auch bei der Besetzung eines Beisitzerpostens. Hier trat Jugendleiterin Leonie Lindlar, die selbst noch Schülerin ist, gegen Ex-Vorstand Rolf Wilke an. Am Ende unterlag sie jedoch in geheimer Abstimmung.

Viele Mitglieder,wichtige Projekte

  • Der Alpenverein: Die DAV-Sektion Konstanz deckt den Landkreis Konstanz ab. Zu ihr zählen die Ortsgruppen Singen, Radolfzell und Konstanz. Laut Geschäftsbericht hat die Sektion derzeit 9134 Mitglieder, Tendenz steigend. Der DAV Konstanz ist der mitgliederstärkste Verein im Landkreis.
  • Die Finanzen: In der Bilanz für 2017 stehen sich Einnahmen von rund 953 000 Euro und Aufwendungen von 814 000 Euro gegenüber. Der Verein weist einen Gewinn von 17 000 Euro aus. Der Schuldenstand beträgt derzeit 126 000 Euro. Für den Ausbau der Konstanzer Hütte nimmt der DAV 500 000 Euro Fremdkapital auf. Die Erträge aus dem Betrieb der Konstanzer Hütte und der Gauenhütte (beide in Österreich) sind im vergangenen Jahr gesunken.
  • Die Investitionen: Ein wichtiges Vorhaben bleibt das Millionenprojekt Ausbau und Modernisierung der Konstanzer Hütte. Aber auch im Kletterwerk soll sich etwas tun. Betreiber Georg Fleischmann kündigte unter anderem die Sanierung von Kinderbereich, Jugendräumen und Böden an. Das Außengelände soll umgestaltet werden.
  • Der Vorstand: Die DAV-Sektion wird in den nächsten drei Jahren vom neu gewählten Nils Weidmann geführt. Im achtköpfigen Vorstandsteam gab es zusätzlich nur einen Beisitzerwechsel (Rolf Wilke übernimmt für Reinhard Schröter). Neue Pressereferentin der Sektion ist Julia Hanauer.