Es gibt zwei Facebook-Präsenzen von Andrea Zürcher, die eine (ihr Account als AfD-Politikerin) ist derzeit nicht erreichbar, die andere enthält nur wenige öffentliche Postings: Advents- und Neujahrsgrüße einer AfD-Politikerin aus der Region, die bis Dato kaum jemand kannte. Sie ist als Beisitzerin Teil des Vorstands des AfD-Kreisverbands Konstanz.

Ganz so unbekannt ist sie seit vergangenem Samstag nicht mehr. Der "Postillon" (2,8 Millionen Fans auf Facebook) machte in gewohnt bissiger Manier publik, das Zürcher einen Artikel des Satire-Magazins vom November, der die katholische Kirche kritisiert, auf ihrer Facebook-Seite als ihren eigenen ausgegeben hatte, wie das Schweizer Online-Portal Watson.ch berichtete. 

Zürchers Post wurde mittlerweile gelöscht.

In einer Stellungnahme weist Zürcher den Vorwurf des Beitragsklaus von sich

Am Sonntagmorgen schrieb Zürcher dann eine Stellungnahme, in der sie angibt, den Beitrag aus einer WhatsApp-Gruppe heraus gepostet zu haben. Diese Stellungnahme erschien zunächst auf ihrem offiziellen, inzwischen nicht mehr erreichbaren AfD-Account, am Montag dann auch kurzzeitig öffentlich auf ihrem persönlichen Account, von welchem sie jedoch auch bald wieder verschwand:

Die Stellungnahme von Andrea Zürcher bei Facebook.
Die Stellungnahme von Andrea Zürcher bei Facebook. | Bild: Screenshot Facebook

In der Version der Stellungnahme von Montag gibt Zürcher an, dass der Ersteller des Posts in der WhatsApp-Gruppe den Beitrag als "selbstgeschriebenen Text" deklariert habe. Diese Information fehlte noch in der urprünglichen Stellungnahme vom Tag zuvor.

In einem Kommentar auf das Posting mit der Stellungnahme schrieb Zürcher außerdem: "Hätte ich das vorher gewusst, dass der Text von Postillon stammt, hätte ich es selbstverständlich nicht veröffentlicht." Sie wisse bis heute nicht, was an dem Text Satire sein solle.

Einige Fragen des SÜDKURIER zur Sache beantwortet die Politikerin nicht

Im Kontakt mit dem SÜDKURIER am Montag erklärt Andrea Zürcher lediglich erneut, dass im Screenshot ihres Posts "die angegebene Quelle zum Inhalt nicht ersichtlich" sei. Im Fall der gelöschten Facebook-Präsenz und der Stellungnahme verweist sie auf unentwegte Kommentierung und persönliche Drohungen von AfD-Gegnern.

Auf Fragen dazu, ob der Fall Thema im AfD-Kreisverband war oder ist, ob es einen direkten Kontakt mit dem Postillon gegeben habe, und ob es Zürcher bewusst gewesen sei, dass das Kopieren des Beitrags (unabhängig von der Quelle) eine Urheberrechtsverletzung darstelle, antwortete Zürcher in ihrer Antwort an den SÜDKURIER hingegen nicht.

Der Sprecher des AfD-Kreisverbands, Walter Schwäbsch, hat auf Fragen des SÜDKURIER bislang nicht reagiert.