Kurz nach sieben am Mittwochmorgen. Berufsverkehrszeit am Autobahnkreuz Hegau. Autos und Lastwagen fahren mit reduziertem Tempo über eine Rampe. Exakt 106 Meter ist sie lang und sie ermöglicht, dass unten die Autobahn saniert werden kann, während oben der Verkehr rollt. Eingesetzt wird die Konstruktion seit zwei Wochen auf einer Brückenüberfahrt der A 81 zur A 98 Richtung Stockach.

Am Wochenende wird die Konstruktion abgebaut. Der Einsatz der sogenannten Fly-Over-Rampe, die bei bestimmten Sanierungsarbeiten Vollsperrungen verhindern kann, war ein Experiment und ein bundesweites Pilotprojekt.

Ist mit Staus zu rechnen?

Projektleiter Helmut Mayer zeigt die neu eingebauten Dehnungsfugen.
Projektleiter Helmut Mayer zeigt die neu eingebauten Dehnungsfugen. | Bild: Domgörgen, Franz

Nun geht die Erneuerung der Dehnfugen an den Brückenübergängen des Autobahnkreuzes Hegau an anderer Stelle und ohne Rampe weiter. Das hat für Verkehrsteilnehmer, die auf der A 81 aus Richtung Stuttgart kommen und auf die A 98 Richtung Stockach wechseln, eine zweiwöchige Vollsperrung zur Folge. Die Fahrzeuge werden über die Anschlussstelle Singen umgeleitet. Mit nennenswerten Staus während der Blockade bis Ende Oktober rechnet Helmut Mayer nicht.

Der Ingenieur ist im Baureferat des Regierungspräsidiums Freiburg Projektleiter für die Brückensanierung. Immerhin ist die ab kommenden Montag, 15. Oktober, eingerichtete Umleitung über die Anschlussstelle Singen bereits in einer früheren Phase des Bauvorhabens erprobt worden. Dennoch empfiehlt das Regierungspräsidium in einer Mitteilung ortskundigen Autofahrern, sich jeweils aktuell über die Lage zu informieren und gegebenenfalls alternative Wege zu benutzen.

Der nächste Woche beginnende Sanierungsabschnitt ist der vierte und letzte des Mitte August in Angriff genommenen Vorhabens. Die Kosten sind nach Angaben von Projektleiter Helmut Mayer mit rund 600.000 Euro veranschlagt. Der Einsatz der Überfahrrampe schlägt mit 280.000 Euro zu Buche.

Gute Erfahrungen mit der Rampe

Beim Test der Rampe ist das baden-württembergische Verkehrsministerium federführend. Als Ende September die Stahlkonstruktion für den Verkehr freigegeben wurde, war auch Verkehrsminister Winfried Hermann vor Ort. Zum Versuch mit der Überfahrrampe sagt Helmut Mayer: "Das gab es in Deutschland noch nie."

Geliefert hatte die Rampe das Schweizer Bundesamt für Straßen, gebaut wurde sie von einem österreichischen Stahlbauunternehmen. Das Projekt am Autobahnkreuz Hegau soll wissenschaftlich ausgewertet werden. Laut Helmut Mayer haben Bauarbeiter von einem gesteigerten Sicherheitsempfinden am Arbeitsplatz unter der Rampe gesprochen. Auf anderen Autobahnbaustellen arbeiten sie stets neben fließendem Verkehr.