Auf den ersten Blick sehen alle Modelle gleich aus: Mehrere Quader mit Flachdächern, ein bisschen Freiraum dazwischen, ein paar Bäume. Doch wer genauer hinsieht, erkennt deutliche Unterschiede zwischen den Beiträgen für den Architektenwettbewerb rund um das neue Konstanzer Berufsschulzentrum. Auf dem Gelände der Zeppelin-Gewerbeschule (ZGK) und einem Stück Erweiterungsfläche sollen künftig die Zeppelin- und die Wessenbergschule untergebracht werden. Dazu kommen Werkstätten und eine Sporthalle sowie das Kreismedienzentrum und das Kreisarchiv. Auf 90 Millionen Euro werden die Kosten geschätzt.

Über 70 Architekturbüros aus ganz Europa bewarben sich; 20 davon forderte das Preisgericht auf, einen Beitrag zu schicken, 18 folgten dieser Einladung. „Wir haben tolle Arbeiten völlig unterschiedlicher Art erhalten“, sagt Projektleiter Simon Mittner vom Planungsbüro Drees und Sommer, das den Prozess begleitet.

Simon Mittner steht in der Sporthalle der Zeppelin-Gewerbeschule, in der die Arbeiten noch bis Samstag, 1. Februar ausgestellt sind, und erläutert, wie das Preisgericht zu seinem Urteil kam. Die Entscheidung für die ersten drei Plätze fiel einstimmig. Geachtet wurde auf Kriterien wie das Einfügen der Gebäude in die Umgebung, Wirtschaftlichkeit, Funktionalität und Umweltstandards. Laut Simon Mittner löste das Wiener Büro Franz und Sue ZT GmbH die Aufgabe am besten und gewann den Architektenwettbewerb. Mittner stellt sich vor das Modell und erklärt: „Bei diesem Entwurf ist ein zentraler Haupteingang für beide Schulen vorgesehen, der Zugang erfolgt über die Z-Brücke am Bahnhof Petershausen und ist eindeutig erkennbar.“

So könnte das neue Konstanzer Berufsschulzentrum einmal aussehen: Dies ist eine grafische Darstellung des Siegerbüros Franz und Sue aus Wien.
So könnte das neue Konstanzer Berufsschulzentrum einmal aussehen: Dies ist eine grafische Darstellung des Siegerbüros Franz und Sue aus Wien. | Bild: Architekturbüro Franz und Sue

Wer durch den Eingang geht, landet zuerst im kaufmännischen Bereich, in dem auch die Verwaltung für beide Schulen untergebracht ist. Über eine Verbindung geht es weiter in den nächsten Quader, die Wessenbergschule, und von dort wiederum über das Kreisarchiv und das Kreismedienzentrum in die Sporthalle. Der vierte Gebäudewürfel enthalt die Werkstätten (Metall, Holz, Bau). Ein Platz in der Mitte zwischen den vier Quadern wird begrünt und gestaltet, dies ist der Schulhof. Lichthöfe sorgen für helle Räume.

Fassade passt sich optisch an die Umgebung an

„Vor allem die Verbindungswege waren ein wichtiges Kriterium, diesen Entwurf so gut zu bewerten“, erläutert Mittner. Schüler und Lehrer können sowohl innen als auch außen von einem Gebäude ins nächste kommen. Gepunktet hat auch das Material: Optisch passt sich dieser Entwurf mit seinem Betonsockel und einer Pfosten-Riegel-Fassade (Holz- und Glaselemente im Wechsel) an die gegenüberliegende Gemeinschaftsschule Gebhard an.

Projektleiterin Yvonne Allner vom Büro Drees und Sommer erläuterte zwei der drei Siegermodelle zum Bau des neuen Berufsschulzentrums in Konstanz.
Projektleiterin Yvonne Allner vom Büro Drees und Sommer erläuterte zwei der drei Siegermodelle zum Bau des neuen Berufsschulzentrums in Konstanz. | Bild: Kirsten Astor

Auf dem zweiten Platz landete das Büro Auer und Weber Assoziierte GmbH aus Stuttgart mit der Idee, für gemeinsam genutzte Bereiche wie Cafeteria, Mensa und Verwaltung ein eigenes Gebäude mit Foyer und großer Freitreppe anzulegen. „Bemängelt wurde hier der schwerer zu findende Zugang zum Schulkomplex“, erklärte Projektleiter Mittner. Schüler und Lehrer müssten durch einen schmalen Weg auf den Schulhof gelangen und von dort erst in die einzelnen Gebäude.

Sporthalle braucht keine Zuschauertribüne

Der Entwurf des Drittplatzierten, Sander Hofrichter Architekten aus Ludwigshafen, ist dem sehr ähnlich. Yvonne Allner, ebenfalls Projektleiterin von Drees und Sommer, erklärte: „Auch hier gibt es ein Gebäude für gemeinsam genutzte Bereiche mit Foyer und Freitreppe, die Erschließung zu Fuß und mit dem Auto ist ebenfalls fast identisch.“ Ein wesentlicher Unterschied, der negativ bewertete wurde, ist laut Allner die geringere Sportfläche. „Die Architekten haben eine nicht geforderte Zuschauertribüne eingeplant. Aber jeder Quadratmeter kostet Geld“, begründet sie die Entscheidung des Preisgerichts, diesen Entwurf auf Platz drei zu setzen. Eine Anerkennung für gute Arbeit wurde dem Viertplatzierten, einem Büro aus Reutlingen, zugesprochen.

Beide Schulleiter sind zufrieden

Die beiden Leiter der Zeppelin- und der Wessenbergschule durften im Preisgericht mitreden, aber nicht mit abstimmen. Dennoch sind sie sehr zufrieden mit dem Verfahren. „Wir wurden frühzeitig eingebunden und konnten eigene pädagogische Konzepte in den Auslobungstext einfließen lassen“, sagt ZGK-Leiter Karl Knapp.

Viele Kreisräte hörten bei der Präsentation zum Abschluss des Architektenwettbewerbs gespannt zu, wie das neue Berufsschulzentrum in Konstanz einmal aussehen könnte.
Viele Kreisräte hörten bei der Präsentation zum Abschluss des Architektenwettbewerbs gespannt zu, wie das neue Berufsschulzentrum in Konstanz einmal aussehen könnte. | Bild: Kirsten Astor

Sein Kollege Martin Pohlmann-Strakhof, Leiter der Wessenbergschule, bestätigt: „Unser Wort hatte immer Gewicht, wir wurden gefragt, ob wir uns aus Nutzerperspektive in den Entwürfen wiederfinden. Mit dem Ergebnis des Wettbewerbs sind wir mehr als zufrieden.“ Er spüre nun eine Vorfreude darauf, gestalten zu können. „Obwohl für uns der Umzug an einen neuen Standort auch einen Einschnitt bedeutet“, so Pohlmann-Strakhof.

Lange Phase ohne vollwertige Sporthalle

Auch Karl Knapp freut sich, muss wegen des schrittweisen Abbruchs und Umzugs einzelner Teile seiner Schule aber Lösungen für die Übergangszeiten finden. „Wir kritisieren auch die lange Interimszeit ohne Sporthalle„, sagen beide Rektoren. Denn die ZGK-Sporthalle soll als erstes abgerissen und die neue Halle als letzter Baustein errichtet werden. Allerdings gebe es hier schon erste Vorschläge wie eine Traglufthalle. Karl Knapp hat inzwischen Übung im Improvisieren: „Während der Flüchtlingswelle und als unsere Sporthalle einst 40 Zentimeter unter Wasser stand, haben wir auch Lösungen gefunden.“

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