Im Mai 1969 machten sich Anna und Fritz Martin zusammen mit Tochter Eda und Schwiegersohn Karl zu Fuß mit 15 Kühen auf den Weg von ihrem landwirtschaftlichen Betrieb in der Eduard-Presser-Straße in Riedheim zum neu erbauten Aussiedlerhof, dem Grenzhof. Die Nutzfläche der Martins betrug damals 13 Hektar. Heute, nach 50 Jahren, bewirtschaftet die Enkelin Renate Weiß zusammen mit ihrem Mann Christian 164 Hektar. In ihren Ställen stehen 140 Stück Großvieh und 230 Schweine.

Solche Zahlen und viele weitere interessante Details aus 50 Jahren Grenzhof erfahren die Besucher, die am Sonntag, 19. Mai, der Einladung zum Tag des offenen Hofes folgen. Der Grenzhof liegt zusammen mit dem Lindenhof und Waldhof zwei Kilometer westlich von Riedheim und 200 Meter von der Schweizer Grenze entfernt. Die Aussiedlerhöfe wurden im Zuge der Flurbereinigung von der Landsiedlung Baden-Württemberg geplant und gebaut. Durch das Verlassen der räumlichen Enge in den Dörfern sollte es den Landwirten ermöglicht werden, ihre Betriebe zu erweitern. Die zeitgleich laufende Flurbereinigung führte zu größeren Nutzflächen. Der Flickenteppich an Grundstücken verschwand.

Töchter beeinflussen die Geschicke des Grenzhofs

Es war für die Eheleute Martin keine einfache Entscheidung, den Grenzhof mit der Landsiedlung zu bauen, zumal das Aussiedeln von vielen Berufskollegen im Dorf verurteilt wurde. Zweimal in den 50 Jahren waren es Töchter, die mit ihren Ehemännern die Zukunft des Grenzhofes beeinflussten. Karl Ritzi, der Ehemann von Tochter Eda, beendete nach dem Bezug der neuen Hofstelle seine Arbeit als Werkzeugbauer bei der Firma Fahr. Er übernahm 1973 zusammen mit seiner Frau den Grenzhof. In den 80er Jahren war es Renate, eine der zwei Töchter der Eheleute Ritzi, die sich für die Landwirtschaft entschied. An sie und ihren Ehemann Christian, der als gelernter Schreiner noch vor der Hochzeit eine Landwirtschaftslehre begann und auch die Meisterprüfung ablegte, ging der Hof 1998 über.

„Die Vorgaben der Landsiedlung mussten beim Bau strikt eingehalten werden, aus zwei Typen von Häusern konnte man aussuchen“, weiß Karl Ritzi von den Anfängen zu berichten. Während der 50 Jahre mussten die Betriebsgebäude erweitert und umgebaut werden. Eine Vergrößerung der Nutzfläche war auch aufgrund der Weiterentwicklung der Technik möglich.

Vereinsarbeit als Ausgleich zum Zwölf-Stunden-Tag

Trotz ihres Zwölf-Stunden-Tages sind die Eheleute Weiß, die den Hof als Mischbetrieb mit Ackerbau, Milcherzeugung, Schweinemast und Brennerei führen, in den Riedheimer Vereinen aktiv. „Vereinsarbeit ist unser Ausgleich und möglich, weil bis auf einige wenige Ausnahmen bei uns um 19 Uhr Feierabend ist“, erzählt Renate Weiß. Am Sonntagvormittag ist Büroarbeit angesagt. Dies erfordert die zunehmende Bürokratie in der Landwirtschaft.

Renate Weiß:Bis auf einige Ausnahmen ist bei uns um 19.00 Uhr Feierabend
Renate Weiß: "Bis auf einige Ausnahmen ist bei uns um 19.00 Uhr Feierabend."

Kritisch äußert sich Christian Weiß zur Bedeutung der Landwirtschaft in der heutigen Zeit: „Sie wird vom Verbraucher verkannt. In den Augen vieler sind wir Tierquäler, Giftspritzer und Umweltsünder. Aber nicht wir machen die Lebensmittel ungesund, sondern die Nahrungsmittelindustrie. Um den Ansprüchen der Verbraucher gerecht zu werden, mischt man allerlei Zusatzstoffe unter.“ Die Eheleute Weiß hatten den Plan, eine Milchtankstelle auf dem Hof einzurichten. Um diese allerdings rentabel zu betreiben, wäre die Abgabe von täglich 40 Litern erforderlich gewesen. Dies war nicht vorstellbar und so wurde der Plan fallen gelassen.

Christian Weiß:In den Augen der Verbraucher sind wir Tierquäler, Giftspritzer und Umweltsünder.
Christian Weiß: "In den Augen der Verbraucher sind wir Tierquäler, Giftspritzer und Umweltsünder."

Das Selbstverständnis vom Begriff „aus der Region“

Die Beschreibung „aus der Region“ wird nach Meinung von Weiß auch oft zu großzügig ausgelegt. „Unsere Ferkel kommen in Gottmadingen auf die Welt, werden bei uns gemästet, in Singen geschlachtet und das Fleisch in Singen und Rielasingen-Worblingen verkauft. Das ist ein Produkt aus der Region“, erklärt Weiß seine Arbeit der kurzen Wege. Wie geht es weiter mit dem Grenzhof? Was kommt nach Martin, Ritzi, Weiß? Das ist offen, die Eheleute Weiß haben ebenfalls zwei Töchter.