Es liegt Streit in der Luft: Dem Krankenhaus Stockach wird vorgeworfen, an 34 Tagen im Jahr 2019 die Notarztdienste für den Bereich Stockach nicht besetzt zu haben. Das geht aus einem Antwortschreiben des Landratsamtes Konstanz (der SÜDKURIER berichtete) hervor, das in der Sitzung des Sozialausschusses Ende September vorgestellt wurde. Nun wehrt sich das Krankenhaus Stockach gegen diese Darstellung. „Das ist unwahr und schadet dem Ruf des Krankenhauses Stockach„, schreibt Michael Hanke, Geschäftsführer des Krankenhauses.

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Die Notarztdienste:

Im Rettungsdienstgesetz ist festgelegt, dass an 365 Tagen im Jahr für alle Bereiche ein Notarzt zur Verfügung stehen muss. Im Landkreis Konstanz teilt sich das in die Bereiche Konstanz, Singen, Radolfzell und Stockach auf. Die Dienstpläne erstellt in der Regel die Rettungsleitstelle, zurzeit hat die Planung das Deutsche Rote Kreuz (DRK) inne. Den Dienst absolvieren können Ärzte mit der Zusatzqualifikation für Notarzteinsätze – das können sowohl Ärzte aus Klinken als auch niedergelassene Ärzte sein.

Die aktuelle Situation im Bereich Stockach:

Ein einzelner niedergelassener Arzt in Stockach hat bisher einen Großteil der Notarztdienste nach Einteilung des DRK übernommen. Drei Donnerstage im Monat und ein paar zusätzliche Dienste hat das Krankenhaus Stockach belegt. Jedoch lässt sich der niedergelassene Arzt in Stockach altersbedingt nicht mehr für so viele Dienste einteilen. Dadurch entsteht eine Lücke.

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Das sagt das DRK:

Diese Lücke hat das DRK dokumentiert. An 34 Tagen ist der Dienst im Bereich Stockach weder von dem niedergelassenen Arzt noch dem Krankenhaus Stockach geleistet worden. Eingesprungen seien andere Krankenhäuser aus dem Landkreis oder eine andere Einrichtung, die weiter weg sei. Das erklärt Patrik Lauinger, vom DRK-Rettungsdienst, auf SÜDKURIER-Nachfrage. „Es ist aber nicht die Aufgabe des DRK diese Lücke im Dienstplan zu füllen“, sagt Lauinger. Bisher habe man die Planung eher aus Kulanz übernommen.

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Was das Krankenhaus Stockach sagt:

Michael Hanke vom Krankenhaus Stockach widerspricht dem Bericht aus dem Sozialausschuss. Sein Haus sei zu 100 Prozent seiner Verpflichtung im Bereich Stockach nachgekommen. Laut einer Vereinbarung aus den 2000er-Jahren müsse das Krankenhaus Stockach die Notarztdienste nur an den ersten drei Donnerstagen im Monat übernehmen. Das tue das Krankenhaus.

Darüber hinaus übernehme freiwillig zusätzliche Dienste. Zudem hatte das Krankenhaus dem Bereichsausschuss Rettungsdienst in den 2000er-Jahren angeboten, die Planung der Dienste für den Bereich Stockach selbst zu übernehmen. Der Bereichsausschuss habe das ablehnt, sagte Hanke. „Das stimmt“, sagt Lauinger. Die Begründung sei damals gewesen, dass das Krankenhaus Stockach nicht alle Dienste hätte belegen können.

Hier liegt der Knackpunkt:

Laut Hanke gibt es keine vertragliche Verpflichtung für das Krankenhaus Stockach, mehr Dienste als die vereinbarten zu übernehmen. Deshalb sei seine Klinik nicht schuld, dass 34 Dienste offen blieben. „Wenn der Bereichsausschuss möchte, dass das Krankenhaus mehr Dienste übernimmt, dann können sie uns in die Verpflichtung über das Rettungsdienstgesetz nehmen. Aber das muss beschlossen werden. Wir übernehmen die Dienste dann gerne“, sagt Hanke, räumt aber ein, dass das nur ginge, wenn die Kostenträger (AOK und Ersatzkrankenkassen) dies bezahlten.