Ob sie sich selbst etwas Gutes tut mit dieser Impfung gegen das Coronavirus, dessen ist sich Aya Basiss nicht sicher. Lange hat sie gezögert, jetzt nutzt sie den letzten Tag, an dem das Kreisimpfzentrum in Singen geöffnet hat. Sie sitzt im Wartebereich zur Impfung. „Ich weiß nicht, ob die Impfung gut ist, ich habe ein bisschen Angst“, räumt die 20-Jährige freimütig ein. Ihre Tante studiere in Ägypten und erzähle von einem Professor, der von der Impfung abrate.

Aya Basiss ringt sich durch

Aber es hilft ja nichts: Aya Basiss will nicht ausgeschlossen werden. Sie fürchtet, dass sie bald bei einem Besuch im Krankenhaus ein Impfzertifikat benötigen werde – vielleicht auch auf dem Spielplatz? Dann lässt sie sich lieber gleich impfen.

Aya Basiss ist von der Impfung zwar nicht richtig überzeugt, lässt sich aber trotzdem impfen
Aya Basiss ist von der Impfung zwar nicht richtig überzeugt, lässt sich aber trotzdem impfen | Bild: Wagner, Claudia

Auch eine 18-Jährige ist nicht begeistert

Ähnlich klingt Laura Cerkazovics Motivation: Die Radolfzellerin wollte sich eigentlich nicht impfen lassen. „Ich fand es bisher unnötig, mir scheint die Krankheit nicht so dramatisch“, sagt sie ganz offen. Jetzt aber drohen durch die neue Landesverordnung kostenpflichtige Tests oder gar der Ausschluss aus bestimmten Bereichen des öffentlichen Lebens. Deshalb sitzt sie nun doch hier. „Die Impfung stört mich aber auch nicht“, sagt die 18-Jährige gelassen.

Noch immer – oder wieder – kommen viele

Die Personen, die sich jetzt impfen lassen, sind nicht mehr die begeisterten, drängelnden, ungeduldigen Impfwilligen der ersten Monate nach Zulassung der Impfstoffe. Sie sind gelassen – gegenüber Covid-19 – ängstlich oder unwillig, skeptisch oder desinteressiert – aber sie kommen ins KIZ, an diesem Mittwoch sogar in hoher Frequenz. Auch zuvor war die Nachfrage hoch: Am Wochenende vom 17. bis 19. September erfolgten jeweils zwischen 500 und 670 Impfungen, einige davon bei mobilen Aktionen.

Hassan Hijazi aus Singen lässt sich am letzten Impftag im KIZ von Arzthelferin Stefanie Winterhalder impfen
Hassan Hijazi aus Singen lässt sich am letzten Impftag im KIZ von Arzthelferin Stefanie Winterhalder impfen | Bild: Wagner, Claudia

Gemäß dem Willen der Landesregierung ist jetzt Schluss mit der staatlich organisierten Impferei – teuer genug ist sie schließlich. Jens Bittermann, Leiter des KIZ, verrät das monatliche Budget des Sozialministeriums: 175.000 Euro darf ein KIZ nicht überschreiten. Vor Ort bedauern die Verantwortlichen die Entscheidung. „Im Moment gibt es einen Anstieg der Impfwilligen“, sagt Landrat Zeno Danner, „es wäre geschickt, das KIZ noch einen Monat offen zu halten.“ Die neue baden-württembergische Verordnung macht einigen, oft auch jungen Menschen Druck, sich doch noch zur Impfung durchzuringen.

Gerade die mobilen Aktionen seien in jüngster Zeit sehr erfolgreich gewesen, sagt Danner. „Es gibt etliche, die keinen Hausarzt haben, und die für die niederschwelligen Angebote dankbar waren“, ergänzt KIZ-Leiter Jens Bittermann.

Am Empfang des KIZ: Security Carolin SchuhwerkSchichtleiterin Gabriele Eckert, Leiter Jens Bittermann, Security Heidrun Fürst und die ImpfwilligeEdita Muharemi (rechts), die von Schwester Melinda begleitet wird.
Am Empfang des KIZ: Security Carolin SchuhwerkSchichtleiterin Gabriele Eckert, Leiter Jens Bittermann, Security Heidrun Fürst und die ImpfwilligeEdita Muharemi (rechts), die von Schwester Melinda begleitet wird. | Bild: Wagner, Claudia

Was die Sicherheit betrifft, kann sich der KIZ-Leiter nicht beklagen. Organisatorische Hürden und Terminschwierigkeiten, die gab es zu Beginn. Das war im Winter, die Covid-19-Welle damals beeindruckend, der Impfstoff extrem knapp. Im Sommer drehte sich die Lage, die Zahl der Infizierten war wenig furchteinflößend, viele waren geimpft – und endlich genügend Impfstoff da. Seither lief es am KIZ. Probleme mit Impfgegnern habe es kaum gegeben, sagt Bittermann. Vereinzelt hätten sie Impfwillige vor dem KIZ in Gespräche verwickelt. Einmal gab es eine Demo bei einer mobilen Impfaktion in Engen. „Aggressiv waren die Demonstranten nicht“, sagt Bittermann.

Einige Schwächeanfälle gab es auch

Hannah Gorre, Ärztin am KIZ, bestätigt die gute Atmosphäre. 99 Prozent der Impfwilligen hätten dankbar reagiert. „Selbst wenn jemand skeptisch war, ließ er sich überzeugen.“ Einige hätten vor der Impfung Angst gehabt, dagegen half Überzeugungskraft. Mehrfach erlitten Personen einen Schwächeanfall, vor allem in den Sommermonaten, ergänzt Bittermann. Zu gravierenden Problemen wie allergischen Reaktionen sei es allerdings nie gekommen.

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Der Landrat zieht eine positive Bilanz. Am stärksten Impftag im Juni „haben wir 1322 Personen hier durchgeschleust“, insgesamt gab es am KIZ 126.075 Impfungen. Der Kreis habe aufgeholt im Vergleich. „Jetzt liegen wir gut im Schnitt“, sagt Danner. Vielleicht sei dies mit ein Grund, dass die vierte Krankheitswelle im Moment stagniert. Diese Hoffnung zumindest teilen die Mitarbeiter des KIZ, die sich nun wieder ihren regulären Berufen widmen.