Der Stolz der Zeppelin-Gewerbeschule Konstanz (ZGK) sind die Werkstätten. Rektor Karl Knapp zeigt im Bereich Sanitär – Heizung – Klima (SHK) auf eine hohe Wand mit durchsichtigen Rohren und vier angeschlossenen Toiletten, den sogenannten Abwasserstand. „Der hat über 100.000 Euro gekostet“, sagt Knapp und erklärt: „Hier können Auszubildende anschaulich und auf dem neuen Stand der Technik ihr Handwerk lernen.“ So lassen sich die Toiletten per Tablet (einem flachen Computer) einzeln spülen, farbige Leuchten zeigen an, ob Anschlüsse richtig oder falsch installiert wurden.

Die Anlagenmechaniker-Auszubildenden Alexander Fuchs und Marlene Aberle können mit ihren Tablets am so genannten Abwasserstand (Anlage im Hintergrund) der Zeppelin-Gewerbeschule Konstanz unter anderem einstellen, welche Toiletten gespült werden sollen.
Die Anlagenmechaniker-Auszubildenden Alexander Fuchs und Marlene Aberle können mit ihren Tablets am so genannten Abwasserstand (Anlage im Hintergrund) der Zeppelin-Gewerbeschule Konstanz unter anderem einstellen, welche Toiletten gespült werden sollen. | Bild: Kirsten Astor

Nur wenige Meter weiter, in der Metallwerkstatt, präsentiert Lehrer Walter Veit die beeindruckende Plasmaschneidemaschine. „Sie kann alles vollautomatisch schneiden, was wir vorher mit einem Programm am Computer gezeichnet haben“, schwärmt Veit. „Sie bearbeitet Stahl millimetergenau bis zu einer Dicke von zwei Zentimetern.“

Die Zeppelin-Gewerbeschule feiert in diesem Schuljahr ihr 185-jähriges Bestehen, ist somit eine der ältesten Gewerbeschulen Südbadens und die älteste berufliche Schule im Landkreis Konstanz. Dennoch muss sie immer am Puls der Zeit bleiben. „Oberstes Ziel ist es, die Schüler für die Zukunft auszubilden“, sagt Karl Knapp. Das gelingt zum einen durch den Kauf immer neuer Maschinen, zum anderen aber auch durch das Kollegium: „Viele unserer Lehrer kommen aus der Praxis oder sind Prüfer bei den Kammern, sie kennen die Anforderungen“, so der Rektor.

Was Andrei Astefanesei (links) am Computer eingibt, schneidet die Plasmaschneidemaschine der Zeppelin-Gewerbeschule Konstanz millimetergenau aus. Otar Sadoev bedient sie. Beide sind Anlagenmechaniker-Azubis.
Was Andrei Astefanesei (links) am Computer eingibt, schneidet die Plasmaschneidemaschine der Zeppelin-Gewerbeschule Konstanz millimetergenau aus. Otar Sadoev bedient sie. Beide sind Anlagenmechaniker-Azubis. | Bild: Kirsten Astor

Im Lauf der Jahrzehnte verschiebe sich der Schwerpunkt der Schule von der Bautechnik immer mehr in Richtung Informationstechnologie – das verlange der Arbeitsmarkt. Bildungspartnerschaften sowie Kooperationen mit der Universität Konstanz, der Hochschule Konstanz Technik, Wirtschaft und Gestaltung (HTWG) und mit vielen Unternehmen sorgen dafür, dass die ZGK-Schüler über den Tellerrand blicken können.

Kooperation mit der Hochschule HTWG

Auch der Einsatz von Tablets im Unterricht mancher Klassen sowie die 2019 eröffnete Lernfabrik 4.0 sind zukunftsweisende Projekte. Bei der Lernfabrik vernetzt sich die Gewerbeschule mit der HTWG. Die Schüler lernen zunächst im Klassenzimmer grundlegende Kenntnisse und Programmiersprachen, lassen Modellautos per Smartphone einen Hindernisparcours bewältigen. Im Anschluss können sie das Gelernte in einem größeren Zusammenhang in der Modellfabrik der HTWG Konstanz verstehen und umsetzen.

Die Gewerbeschule Konstanz war von 1834 bis 1846 im Kornhaus auf der heutigen Marktstätte untergebracht.
Die Gewerbeschule Konstanz war von 1834 bis 1846 im Kornhaus auf der heutigen Marktstätte untergebracht. | Bild: Zeppelin-Gewerbeschule

Beim Blick auf die lange Historie seiner Einrichtung bleibt Karl Knapp immer wieder an einem Thema hängen: Nachhaltigkeit. „Sie zieht sich wie ein roter Faden durch unsere Geschichte“, sagt der Schulleiter und nennt Beispiele: „Schon 1995 hatten wir ein Projekt zu regenerativen Energien, zusammen mit einer technischen Schule in Rom.“ Tatsächlich tauchen immer wieder Stichworte wie Solarmobil, Energie-Wettbewerb, Nachhaltigkeitsparcours, Mobilitätsprojekt oder Solarbootrennen auf der Liste der Schulprojekte auf.

Außerdem ist die ZGK als Fair-Trade-Schule, fahrradfreundliche Schule und – als einzige in Baden-Württemberg – als Ressourcen-Schule ausgezeichnet. Bei Letzterem müssen die geehrten Einrichtungen nachweisen, dass sie schonend mit Ressourcen umgehen und zahlreiche Projekte und Aktivitäten umsetzen, zum Beispiel bei Abfallvermeidung, Biodiversität, Energie und Wasser, Mobilität und Schulverpflegung.

Fachbereiche wurden nach Radolfzell verlegt

Während der Alltag an einer Schule auf vielen Konstanten aufbaut, muss sich anderes doch ändern. So auch der Zuschnitt der ZGK, die im Jahr 1984 noch 2121 Schüler hatte. Heute ist die Schule auf 1001 Schüler geschrumpft; eine Folge von Neustrukturierungen aller beruflichen Schulen im Landkreis Konstanz. „Die Ausbildung der Friseure und Maler wurde nach Radolfzell verlagert. Das war schon ein großer Einschnitt für uns“, sagt Karl Knapp. „Das Bildungsangebot am Standort Konstanz ist nicht mehr so groß wie zuvor.“ Doch die Überlegung, auch andere Gewerbeschulen im Landkreis zu stärken, findet er gerecht.

„Oberstes Ziel ist es, die Schüler für die Zukunft auszubilden.“Karl Knapp, Leiter der Zeppelin-Gewerbeschule
„Oberstes Ziel ist es, die Schüler für die Zukunft auszubilden.“Karl Knapp, Leiter der Zeppelin-Gewerbeschule | Bild: Zeppelin-Gewerbeschule

Eines hält Karl Knapp auch nach 185 Jahren für unverzichtbar: Das duale System im Zusammenspiel von Berufsschule und vielen kleinen und großen Ausbildungsbetrieben. „Das ist ein Erfolgsmodell, auf das auch das Ausland neidisch blickt“, so der Schulleiter.

Er selbst legte vor 42 Jahren sein Abitur an einem Technischen Gymnasium ab und interessierte sich immer für diesen Bereich, auch familiär bedingt: Sein Vater war Schreiner. „Mir liegt das Haptische, und auch neuen Technologien gegenüber bin ich sehr aufgeschlossen“, erzählt Karl Knapp.

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Deshalb freut er sich umso mehr, dass er bei den Planungen für ein neues Berufsschulzentrum in Konstanz selbst viel lernen darf. Die Vorarbeiten laufen, 2022 bis 2027 soll gebaut werden. „Mit dem Neubau, vor allem mit neuen Werkstätten, sind wir dann bestens für die Zukunft gerüstet“, freut sich der Schulleiter.