Das Mehr an Ausfuhrscheinen sowie die Bagatellgrenze boten im deutsch-schweizerischen Grenzgebiet besonders in den vergangenen Monaten Diskussionsstoff. Die Bagatellgrenze könnte möglicherweise eine Interimslösung sein. „Wenn wir eine IT-Lösung haben, dann stellt sich die Frage, ob man an der Bagatellgrenze festhält“, äußerte Colette Hercher, Präsidentin der Generalzolldirektion, beim Tags des Zoll im Konstanzer Stadtgarten auf Nachfrage gegenüber dem SÜDKURIER.

Digitaler Ausfuhrschein noch in weiter Ferne

„Die IT-Lösung wird eine echte Erleichterung“, ist sie überzeugt. Andere Länder hätten eine solche bereits erfolgreich im Einsatz. Wann der digitale Ausfuhrschein eingeführt wird, das steht noch in den Sternen. „Wir sind noch in der Vorbereitungsphase. Ein Zeitfenster gibt es noch nicht“, so Hercher. Es werde nicht billig, „aber aus unserer Sicht ist es eine IT-Lösung wichtig, die wir mittelfristig haben müssen.“

Dieser Aspekt der Zollarbeit lässt sich an einem internationalen Gewässer wie dem Bodensee besonders gut darstellen: Beim Tag des Zolls konnten die Besucher im Konstanzer Hafen auch die Einsatzboote besichtigen.
Dieser Aspekt der Zollarbeit lässt sich an einem internationalen Gewässer wie dem Bodensee besonders gut darstellen: Beim Tag des Zolls konnten die Besucher im Konstanzer Hafen auch die Einsatzboote besichtigen. | Bild: Scherrer, Aurelia

Allerdings war Colette Hercher nicht vorrangig wegen dieses Themas nach Konstanz gekommen. Vielmehr freute sie sich, dass nach Hamburg und Köln nun am Bodensee der Tag des Zolls stattfand – „und zwar an einer echten Grenze, wo wir präsent sind“. Die deutsch-schweizerische Grenze sei beispielgebend. Im Zuge der Brexit-Diskussionen seien viele EU-Kollegen hergekommen, um zu sehen, wie man sowas machen kann, berichtete Colette Hercher.

Wertschätzung des Oberbürgermeisters

Diese Besonderheit einer Grenze, die nicht offenkundig als solche wahrnehmbar ist, hob der Konstanzer Oberbürgermeister Uli Burchardt hervor. Konstanz und die Schweizer Nachbarstadt Kreuzlingen muteten aus der Vogelperspektive wie eine große Stadt an. Gleichwohl sei sie durchzogen von einer EU-Außengrenze, so Burchardt, der anfügte: „Mit einem Augenzwinkern spreche ich auch gerne von der Nato-Außengrenze. Ich bin froh, „dass wir eine offene Grenze haben und uns Dank der Zöllner trotzdem sicher fühlen können. Diese Arbeit können wir als Bürger und als Stadt nicht genug Wert schätzen.“

Zollkontrolle im Stadtgarten: Beim Tag des Zolls demonstrierten die Zollbeamten, wie effektiv Zollhunde gegen gewaltige Personen vorgehen.
Zollkontrolle im Stadtgarten: Beim Tag des Zolls demonstrierten die Zollbeamten, wie effektiv Zollhunde gegen gewaltige Personen vorgehen. | Bild: Scherrer, Aurelia

Sicherheit ist ein wesentlicher Aspekt der vielfältigen Tätigkeit der rund 40 000 deutschen Zollbeamtinnen und –beamten. Wie vielfältig und facettenreich die Aufgaben sind, zeigten etwa 200 Zöllnerinnen und Zöllner am Sonntag auf anschauliche und informative Weise im Konstanzer Stadtgarten. Spektakulär waren die Vorführungen, die von Jürgen Hörig (SWR) moderiert wurden.

Kinder und Erwachsene staunten, als Drogen- und Bargeldspürhunde ihr Können zeigten. Ein Drogenspürhund kann auf 15 verschiedene Stoffe geschult werden, war da zu erfahren. Ebenso beeindruckt waren die Zuschauer von den ausgebildeten Schutzhunden, welche beim Stellen von aggressiven, gewaltbereiten Personen ihre Reaktionsschnelligkeit unter Beweis stellten. In Deutschland sind aktuell 340 Zollhunde im Einsatz.

Auf den richtigen Riecher kommt es an: Drogenspürhunde können auf 15 verschiedene Stoffe geschult werden.
Auf den richtigen Riecher kommt es an: Drogenspürhunde können auf 15 verschiedene Stoffe geschult werden. | Bild: Scherrer, Aurelia

Einblick gewährte der Zoll auch in das Einsatztraining, schließlich kann es auch bei normalen Kontrollen zu gefährlichen Situationen kommen. Was viele aber nicht wissen: Der Zoll verfügt selbst über Spezialeinheiten, die Observationseinheit und die Zentrale Unterstützungsgruppe Zoll (ZUZ). Die ZUZ wurde 1994 eingerichtet und ist vergleichbar mit den Spezialeinsatzkommandos (SEK) der Polizei. Die Einsatzbeamten sind darauf spezialisiert, in gefährlichen Situationen verdächtige Personen festzunehmen. Diese Spezialeinheit kommt beispielsweise zum Einsatz beim Vollstrecken von Haftbefehlen oder bei Durchsuchungen. Beim Amoklauf in München im Jahr 2016 wurde zum Beispiel der Waffenhändler, der dem Amokläufer die Waffen lieferte, vom ZUZ festgenommen.

Die Zollbeamten gaben bei Vorführungen auch einen Einblick in das Training für kritische Situationen bei Einsätzen.
Die Zollbeamten gaben bei Vorführungen auch einen Einblick in das Training für kritische Situationen bei Einsätzen. | Bild: Scherrer, Aurelia

Zollsprecher Michael Hauck freute sich nach der Veranstaltung über 17 000 Besucher über den ganzen Tag hinweg. Zum Vergleich: In Hamburg seien 11 000 gezählt worden.