Wie dem Ehepaar Arlt ging es am gestrigen Montag noch mehreren Besuchern: Sie konnten nicht auf die Mainau. „Wir haben nicht daran gedacht, dass Corona ist“, sagt Wolfgang Arlt, nachdem er den Eingangsbereich zur Insel verlassen hat. „Wir sind arg enttäuscht. Bei dem herrlichen Sonnenschein wollten wir gucken, was noch für Blumen da sind.“

Bis mindestens Ende Novemeber geschlossen

Bis zu ihrem nächsten Besuch müssen sich die Konstanzer Jahreskarteninhaber noch eine Weile gedulden. Ganz sicher aber bis zum Dezember, denn die Corona-Verordnung sieht vor, dass Freizeiteinrichtungen bis Ende November geschlossen bleiben – und so darf auch die Blumeninsel Mainau nicht öffnen.

Diese Vorgabe trifft die Mainau wie bereits im Frühjahr sehr hart. Mit einem wesentlichen Unterschied, wie Geschäftsführerin Bettina Gräfin Bernadotte anmerkt. Der Monat November sei ja nicht so besucherstark. „Das tut nicht so weh wie im April“, sagt sie.

Das könnte Sie auch interessieren

Damit seien auch die finanziellen Einbußen nicht so groß wie im Frühling. Trotzdem müssen vor allem die Mitarbeiter aus der Gastronomie wieder in Kurzarbeit. „Unternehmensweit fällt Arbeit weg“, erläutert Gräfin Bettina.

Der Eingangsbereich zur Insel Mainau wird den ganzen November über verwaist bleiben.
Der Eingangsbereich zur Insel Mainau wird den ganzen November über verwaist bleiben. | Bild: Nikolaj Schutzbach

Den Gastro-Mitarbeitern wird auch wie bereits im Frühling die Mitarbeit in den Parkanlagen angeboten. „Die haben heute schon Gummistiefel an“, berichtet die Geschäftsführerin. Derzeit stehe viel Arbeit an, da beispielsweise die Beete abgeräumt und für den Frühling vorbereitet werden müssen.

Auf der Blumeninsel gibt es genug zu tun

„Das ist eine der Arbeitsspitzen“, ergänzt Gräfin Bettina. Die Mitarbeiter seien froh, wenn sie diese Arbeit angeboten bekommen und dass sie Arbeitsleistung erbringen können. Natürlich sei dies auch finanziell attraktiver als der Bezug des Kurzarbeitergeldes. Genug Arbeit gebe es im Bereich Park, Garten und Forst immer. So müssten etwa die Gärtnereimitarbeiter keine Überstunden leisten.

Das könnte Sie auch interessieren

„Wirklich überraschen tun uns die Maßnahmen nicht, auch wenn wir gehofft hatten, dass es ohne geht“, sagt Gräfin Bettina. Bereits vorher sei bekannt gewesen, dass es keinen Gastronomiebetrieb im Inneren geben werde, sondern nur Essen und Trinken zum Mitnehmen.

Auch der Winterzauber sei nicht wie üblich als Markt angelegt worden, wo die Menschen dicht gedrängt stehen würden. Stattdessen sollten die Buden über die Insel verstreut aufgestellt werden. „Wir hoffen, dass wir im Dezember wieder öffnen dürfen“, erklärt die Geschäftsführerin.

Herbststimmung ohne Besucher: Auf der Insel Mainau ist das Abstandsgebot derzeit einfach einzuhalten.
Herbststimmung ohne Besucher: Auf der Insel Mainau ist das Abstandsgebot derzeit einfach einzuhalten. | Bild: Nikolaj Schutzbach

Dabei reicht ihr organisatorischer Blick weit schon ins kommende Jahr. Das Programm steht bereits im Wesentlichen – und zwar so, wie es ohne die Corona-Pandemie ablaufen könnte. Aber die Mainauer wissen, dass sie nach wie vor sehr flexibel sein müssen. Die Gesundheit von Mitarbeitern und Besuchern nimmt einen hohen Stellenwert ein. Und die gesetzlichen Rahmenbedingungen gilt es einzuhalten.

Gräfin Bettina: „Das erfordert Kreativität“

Gräfin Bettina weiß, dass sich diese jederzeit ändern können – sowohl zum Guten als auch zum Schlechten. Einigermaßen sicher sein können sie sich immer erst etwa ein oder zwei Wochen vor einer geplanten Veranstaltung. „Das erfordert Kreativität“, betont sie. Daran hat es offensichtlich in den vergangenen Jahren und insbesondere in den schwierigen Monaten der Pandemie nie gefehlt.

Blick in die herbstliche Frühlingsallee auf der Insel Mainau.
Blick in die herbstliche Frühlingsallee auf der Insel Mainau. | Bild: Nikolaj Schutzbach

Das Musicalkonzert zu ABBA und Udo Jürgens ist so ein Beispiel. Eigentlich hätte es schon im Juni stattfinden sollen. Aber es konnte erst im September mit einer deutlich verringerten Besucherzahl veranstaltet werden. Für alle Beteiligten sei von vornherein klar gewesen, dass dies ein Verlustgeschäft werden würde, erläutert Gräfin Bettina. „Aber alle wollten es machen“, bekräftigt sie.

Das könnte Sie auch interessieren

Die Begeisterung, die im Publikum zu spüren war, gibt den Verantwortlichen recht. Daher sei auch im kommenden Jahr mit dem Veranstalter Musicalpeople ein weiteres Projekt geplant.

Nach dem Abschluss des Blumenjahres kann Gräfin Bettina schon eine vorsichtige Bilanz ziehen. „Ab Juli war die Besucherzahl wieder annähernd normal“, berichtet sie. Aber das Publikum habe eine ganz andere Zusammensetzung gehabt. Der wichtige Bereich der Gruppenreisen sei so gut wie gar nicht existent gewesen.

Die Blumeninsel Mainau erstrahlt in herbstlichen Farben.
Die Blumeninsel Mainau erstrahlt in herbstlichen Farben. | Bild: Nikolaj Schutzbach

Dafür seien viel mehr Menschen aus Deutschland auf die Blumeninsel gekommen. Einen heftigen Einbruch mussten neben der Gastronomie – dort konnte nur etwa die Hälfte aller Plätze angeboten werden – auch die Veranstaltungen verzeichnen, von denen die meisten gar nicht stattfinden durften.

Das könnte Sie auch interessieren

„Das Ergebnis in Zahlen wird kein schönes sein“, kündigt die Geschäftsführerin an. In den vergangenen Jahren habe die Mainau gut gewirtschaftet, „so dass wir das verkraften, verbunden mit den Hilfsmöglichkeiten, die wir gerne in Anspruch nehmen“, sagt Gräfin Bettina.