Karla, Liva, Jakob und Liam verschwinden für ein paar Minuten in einem Zelt. Es ist nach 18 Uhr, die Acht- und Neunjährigen einer Fördergruppe des Schwimmklubs Sparta wollen gleich im Freibad der Therme trainieren. Dafür mussten sie zuletzt einiges in Kauf nehmen: Umziehen unter freiem Himmel (seit einer Woche immerhin in einem Zelt), dann unter die kalte Außendusche und ab ins Becken.

Brrr, ganz schön kalt! Bislang mussten sich Kinder wie Liva, Jakob, Liam und Karla (von links) vor dem Schwimmtraining im Freibad der Therme draußen oder in diesem Zelt umziehen.
Brrr, ganz schön kalt! Bislang mussten sich Kinder wie Liva, Jakob, Liam und Karla (von links) vor dem Schwimmtraining im Freibad der Therme draußen oder in diesem Zelt umziehen. | Bild: Kirsten Astor

Denn der Schwimmklub durfte bislang weder die Umkleiden noch die warmen Duschen des Freibads nutzen. „Beim Schwimmen geht es, aber sobald ein Körperteil aus dem Wasser ragt, ist es schon kalt“, sagt die neunjährige Karla. Liva hat ihre Lösung gefunden: Sie zieht zwei Neoprenanzüge übereinander an.

Dass der Schwimmklub nach Beendigung des Lockdowns das Training im Freibad aufnehmen durfte, fand Karlas Mutter Irene Wolke gut. „Aber es war von Anfang an unverständlich, warum die Spartaner dort die Umkleiden und Duschen nicht benutzen dürfen“, sagte sie dem SÜDKURIER. „Im Sommer war das von den Temperaturen her noch machbar, danach eine Zumutung.“

Umziehen und Bibbern in kalten und nassen Zelten

Die kürzlich von der DLRG aufgebauten Zelte zum Umkleiden sind laut Andreas Stockburger, Technischer Leiter des Schwimmklubs Sparta, zwar gut gemeint, aber wenig hilfreich: „Sie stehen auf der nassen Wiese und sind abends stockdunkel.“ Und dann auch noch die Nachricht, dass die Traglufthalle über dem Therme-Schwimmerbecken dieses Jahr nicht aufgebaut wird und somit wahrscheinlich Trainingseinheiten entfallen.

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Es staute sich Ärger in den Reihen des Schwimmklubs und unter den Eltern an. Sie fragten sich zudem, warum die Kinder die warmen Duschen des Freibads nicht nutzen dürfen, obwohl alle Familien zusätzlich zum Vereinsbeitrag für jede Trainingseinheit einen Eintritt von je 3,50 Euro bezahlen müssen. Die Bädergesellschaft Konstanz habe dies abgelehnt mit der Begründung, dass die Duschen für die Badegäste der Therme benötigt würden.

Schwimmkurse: Status Quo

Josef Siebler, Pressesprecher der Stadtwerke, ergänzte: „Den Nutzergruppen müssen wegen Corona feste Bereiche zur alleinigen Nutzung zugewiesen werden.“ Doch Andreas Stockburger wunderte sich: „Wir haben fast noch nie Badegäste gesehen, die aus der Therme in die Duschen des Freibades ausgewichen sind.“

Eltern wandten sich an den SÜDKURIER. Zeitgleich diskutierte die Bädergesellschaft erneut die Anliegen des Schwimmklubs. Und siehe da, kurz darauf erreichte die Betroffenen eine frohe Botschaft: Spartamitglieder dürfen künftig bis 20.45 Uhr die warmen Freibadduschen nutzen und sich in der Sammelumkleide umziehen.

Endlich eine warme Dusche vor und nach dem Training: Karla und Liva (von links) freuen sich, dass dies nun möglich ist.
Endlich eine warme Dusche vor und nach dem Training: Karla und Liva (von links) freuen sich, dass dies nun möglich ist. | Bild: Kirsten Astor

„Ab 20.45 Uhr ist größerer Andrang auf die Duschen, sodass es keinen Spielraum mehr gibt“, schreibt Josef Siebler. Die Entscheidung beruht auf einer erneuten Prüfung des Therme-Besucheraufkommens. Und die Bädergesellschaft räumt ein: „Die Witterung war in der Tat deutlich ungünstiger als gedacht.“

Wie kann der Trainingsbetrieb weitergehen?

Dennoch sind aus Schwimmersicht längst nicht alle Hürden beseitigt. Denn das Freibadbecken schließt am 25. Oktober, und das Schwaketenbad wird noch gebaut. Martin Müller, Referent für Öffentlichkeitsarbeit beim Stadtsportverband, appelliert an die Verantwortlichen: „Die Konstanzer Schwimmvereine und die Schulen benötigen den überwiegenden Teil der Belegungszeiten im Hallenbad am Seerhein. Bevor ein Kind nicht schwimmt, sollen lieber die Erwachsenen in ein Kreuzlinger Bad ausweichen.“

Martin Müller, Referent für Öffentlichkeitsarbeit des Stadtsportverbands Konstanz, im Oktober 2020.
Martin Müller, Referent für Öffentlichkeitsarbeit des Stadtsportverbands Konstanz, im Oktober 2020. | Bild: Kirsten Astor

Es gehe für die Vereine auch um die wirtschaftliche Existenz. Die Bädergesellschaft erarbeitet demnächst in Abstimmung mit dem städtischen Sportamt sowie Schulen und Vereinen einen Belegungsplan. Allein für den Schwimmklub Sparta rechnet Stockburger vor: „Wir haben 122 Aktive in den Wettkampfgruppen, rund 250 Aktive im Nachwuchs und 60 in den Breitensportgruppen und im Wasserball.“

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Sparta-Vorsitzende Ursula Klaußner ergänzt: „Um unseren Trainingsbetrieb für das nächste halbe Jahr einigermaßen aufrecht zu erhalten, bräuchten wir von Montag bis Freitag ab etwa 16 Uhr das ganze Bad und am Samstag und Sonntag vormittags, aber das wird sicher schwierig.“

Ursula Klaußner, Vorsitzende des Schwimmklubs Sparta Konstanz, im Oktober 2020.
Ursula Klaußner, Vorsitzende des Schwimmklubs Sparta Konstanz, im Oktober 2020. | Bild: Kirsten Astor

Sportamtsleiter Frank Schädler sieht es so: „Die Corona-Vorgaben zwingen uns seit Monaten, regelmäßig auf geänderte Belegungsmöglichkeiten einzugehen. Wir werden nach akzeptablen Lösungen suchen, aber alle werden Einschränkungen in Kauf nehmen müssen.“

Fehlende Schwimmzeiten der Schulen müssten mit anderen Sportmöglichkeiten kompensiert werden, so der Amtsleiter. Dies ist angesichts der ebenfalls sehr knappen Sporthallenkapazitäten aber wohl ein schwieriges Unterfangen.

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