„Wir sind müde und ausgelaugt.“ Der Auszubildende in der Gesundheits- und Krankenpflege Noel Matausch brachte bei der Kundgebung im Konstanzer Stadtgarten zum 1. Mai auf den Punkt, was viele Beschäftigte empfinden, die durch die Corona-Pandemie besonders gefordert sind.

Der 21-Jährige sprach für die Menschen, die etwa im Einzelhandel arbeiten, in Krankenhäusern, in Schulen und in Kindergärten. Er sagte weiter, dass die Arbeitenden wütend und enttäuscht seien von der Politik. Er gehörte zu den rund 100 Teilnehmern in Konstanz, die sich der Demonstration des Deutschen Gewerkschaftsbundes von der Seestraße in den Stadtgarten anschlossen, und bessere Arbeitsbedingungen für Beschäftigte forderten.

„Gerechtere Steuerpolitik“

Der Gewerkschaftssekretär Thomas Weisz beklagte die Sparpolitik der vergangenen Jahre und die Verteilung der Gewinne. All dies sei auf Kosten der einfachen Beschäftigten gegangen. Er forderte eine gerechtere Steuerpolitik und ein „passables Auskommen“ für alle Arbeitenden. Zudem solle der Staat mehr ins Gemeinwesen investieren. Doch das habe sich die neue Landesregierung nicht auf die Fahne geschrien.

Gabriel Henkes
Gabriel Henkes | Bild: SK

„Gesundheit ist keine Ware“. Gabriel Henkes, Vorsitzender des Personalrats des Zentrums für Psychiatrie Reichenau, zeigte ein Plakat, das schon vor 20 Jahren geschrieben worden war, das aber noch immer auf die heutige Situation passe. „Die Probleme wiederholen sich.“

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Die soziale Infrastruktur lasse sich nicht nach wirtschaftlichen Gesichtspunkten bemessen. Doch genau dies werde getan, kritisierte Henkes. Er forderte eine krisenfeste Infrastruktur und faire Arbeitsbedingungen, gerade in den Berufen, die durch die Probleme mit dem Coronavirus besonders belastet seien. „Wir sind diejenigen, die die Krise stemmen.“

Hans-Geog Pannwitz
Hans-Geog Pannwitz | Bild: Russ

„Corona legt offen, was in der Gesellschaft alles falsch läuft“, sagte der Konstanzer Kreisvorsitzende der Gewerkschaft für Erziehung und Bildung Hans-Georg Pannwitz. Der Lehrer und vierfache Vater kritisierte, dass die Schulen wegen der Corona-Pandemie zeitweise geschlossen waren und sich keiner um Kinder aus sozial schwachen Familien kümmerte.

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Vielen habe es daheim an Lernunterstützung und Versorgung mit Essen gemangelt. Er fragte, wie es sein könne, dass in einer Gesellschaft, in der Kinder angeblich das Kapital für die Zukunft seien, Kinder verloren gehen könnten. Um das soziale Miteinander einzuüben, brauche es offene Schulen.

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„In den Kitas läuft nichts mehr wie vor Corona“, stellte Manuela Hettich für die Erzieher fest. Diese seien in der Corona-Pandemie besonders belastetet. Eine Prämie sei für sie längst fällig. „Erzieher sind unverzichtbar.“ In der Kinderbetreuung sei es nicht möglich, einfach die Rufumleitung einzuschalten, wenn es einem zu viel werde.