Wer möchte, darf jetzt gleich das Smartphone zücken, die Kamera einschalten und sich selbst beim Liegestütze machen filmen. Sollten Sie weniger als 60 am Stück schaffen, können Sie nicht mit Laki Dobridis mithalten, der dieses Fitnessprogramm heute, am Tag seines 100. Geburtstags, bereits absolviert haben wird.

Bis vor wenigen Jahren kamen noch einige Dutzend Kniebeugen dazu, aber „wegen der Arthrose muss ich die inzwischen weg lassen“, erklärt der Jubilar – und lacht. „Und einige Zentimeter ist er geschrumpft“, ruft Schwiegersohn Gerd Schmitz beim Telefonat dazwischen. Ein kleine Neckerei, ein verbaler Schlagabtausch. „Ich bin geistig noch fit“, sagt Dobridis, was der Schwiegersohn nur bestätigen kann.

An diesem Sonntag hat die Stadt Konstanz einen 100 Jahre alten Mitbürger mehr. Vier weitere dürfen im Dezember diesen besonderen Geburtstag feiern, hoffentlich bei bester Gesundheit, hoffentlich so lebensfroh wie Laki Dobridis.

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Im Zweiten Weltkrieg: Von Köln nach Konstanz

100 Jahre. Als Laki Dobridis geboren wurde, hatte die Menschheit einen schrecklichen Weltkrieg gerade erlebt und einen weiteren noch vor sich. Die Familie Dobridis hat ihre Wurzeln in Griechenland, aufgewachsen ist der In-wenigen-Stunden-Hunderter aber in Köln. Und zwar dreisprachig, zu Hause wurde Griechisch geredet, in der Schule Deutsch und auf der Straße Kölsch.

Laki lacht bei diesen Ausführungen. Er ist einer dieser Menschen, deren Gesichtsfalten glücklichen Momenten geschuldet sind und nicht der Sorgen wegen existieren. Die gab es freilich auch, sie bekommen bis heute aber nur wenig Raum zugeteilt.

Bild: Gerd Schmitz

In einem Buch über das Seniorenfechten schrieb Dobridis einst fast schon beiläufig: „Als die englischen Bomber Köln in Schutt und Asche legten, unser Geschäft in Flammen aufging und eine Luftmine unsere Wohnung zerstörte, zog unsere Familie an den Bodensee und wählte Konstanz als neues Domizil.“ Wie es sich angefühlt hat, noch mal neu anfangen zu müssen? Zu verarbeiten, was man in den Trümmern der Domstadt am Rhein erlebt und gesehen hat? Die Schicksale dieser Generation sind heute kaum noch vorstellbar.

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In Konstanz will Dobridis in seiner Freizeit Tennis spielen, aber weil die Plätze rar sind und die Nachfrage groß ist, schlagen andere die Asse. Ein Glück für den Fechtclub, dessen damaliger Präsident den „jungen“ Laki im elterlichen Kürschner-Geschäft in dessen Mitdreißigern zum Probetraining überreden kann. Der Beginn einer wundervollen Beziehung, der Sport mit dem Florett prägt sein Leben bis heute – und wäre diese verdammte Pandemie nicht, würden am Sonntag mehr Fechter bei Laki vorstellig werden, als Kardinal Richelieu jemals auf D‘Artagnan gehetzt hat.

Vor 20 Jahren stellte sich unser Autor Dirk Salzmann (rechts) im Rahmen der damaligen Regionalsport-Serie „Redaktion im ...
Vor 20 Jahren stellte sich unser Autor Dirk Salzmann (rechts) im Rahmen der damaligen Regionalsport-Serie „Redaktion im Training“ dem Fechtduell mit Laki Dobridis. | Bild: Peter Pisa/SK-Archiv

35 Jahre lang war er der Präsident des Konstanzer Fechtclubs. Auf seine Initiative hin organisierten sich zunächst in Deutschland, später weltweit die Seniorenfechter, er selbst durfte ungezählte mit dem Florett erkämpfte Medaillen und Urkunden entgegennehmen und überreichen.

Die wichtigste Person seines Lebens ist leider schon seit 2013 nicht mehr da. Anna Maria und Laki waren die Verkörperung dessen, was Hollywood-Schreiber als große Liebe bezeichnen würden. Selbst als Laki die 90er-Marke schon hinter sich hatte, wirkte er noch immer wie ein frisch verliebter Teenager, wenn er mit seiner Frau unterwegs war. Sie starb viel zu früh, kurz vor ihrem Tod brachte sie ihrem Mann noch das Kochen bei und nahm ihm das Versprechen ab, seine morgendlichen Fitnessübungen fortzusetzen. Nicht hängen lassen, Sportler bleiben, glücklich sein, dankbar sein.

Laki Dobridis: „Ich kann doch nichts dafür“

Wird man so 100 Jahre alt? „Ich kann doch nichts dafür“, sagt Laki fast schon entschuldigend vor wenigen Tagen am Telefon. Kann er doch, schließlich hat er bis heute keine Zigarette geraucht, keinen Alkohol getrunken. Angestoßen wurde heute um Mitternacht entsprechend mit Saft.

Mein Vater sagte bei runden Geburtstagen stets, dass Sie/Er mit dem heutigen Tage ein Drittel ihrer/seiner Lebenserwartung erreicht habe. Mit dem Satz erntet man stets einige Lacher. Das mag im Fall von Laki Dobridis übertrieben sein, manch ein Konstanzer wurde aber auch schon 107 Jahre alt, wie aus dem Rathaus zu erfahren war.

Vor zehn Jahren: Laki Dobridis, der zu seinem 90. Geburtstag diese Büste von sich selbst geschenkt bekam.
Vor zehn Jahren: Laki Dobridis, der zu seinem 90. Geburtstag diese Büste von sich selbst geschenkt bekam. | Bild: Dirk Salzmann

Es könnten auch noch einige Jahre mehr werden. An einem 5. Dezember wurde schließlich nicht nur Laki Dobridis geboren, sondern einige Jahre früher auch ein gewisser Jopi Heesters, der immerhin 108 Jahre alt wurde – und bei Weitem angeblich nicht so gesund wie Laki lebte.

In diesem Sinne, lieber Laki Dobridis, alles Gute zum Geburtstag!
Dirk Salzmann & die Mitarbeiter der SÜDKURIER-Redaktion