Die Diskussion über ein mögliches Böllerverbot zu Silvester beschäftigt Politiker sowohl auf Bundes- als auch auf Landesebene.

Nicht nur, weil jedes Jahr in den Krankenhäusern Menschen versorgt werden müssen, die sich durch den falschen Gebrauch eines Feuerwerkskörpers verletzt haben, was es besonders in diesem Jahr zu verhindern gilt.

Sondern auch, weil Menschenansammlungen vermieden werden müssen. Das fordern laut Tagesspiegel beispielsweise die Grünen im Bundestag. Dennoch ist das mögliche Verbot unter Politikern umstritten. Der SÜDKURIER hat deshalb bei den Fraktionen im Konstanzer Gemeinderat nachgefragt.

Roger Tscheulin, CDU

Roger Tscheulin: „Ich halte nicht viel davon, den Leuten die Silvesterraketen auch noch zu verbieten.“
Roger Tscheulin: „Ich halte nicht viel davon, den Leuten die Silvesterraketen auch noch zu verbieten.“ | Bild: SK

„Ich halte nicht viel davon, den Leuten die Silvesterraketen auch noch zu verbieten“, sagt Roger Tscheulin von der CDU. Er selbst böllere zwar nicht, sehe es aber als eine Tradition an, mit der viele das Jahr beenden.

Sein Ansatz: An die Bürger appellieren, sich an die Regeln zu halten und vernünftig mit Feuerwerk umzugehen, sowie auf exzessiven Alkoholkonsum zu verzichten.

Auch er sagt im Hinblick auf sein letztes Silvester im Bregenzerwald: „Wir standen oben auf dem Berg und haben auf das Feuerwerk heruntergeschaut. Ohne Feuerwerk hätte etwas gefehlt.“

Heinrich Everke, FDP

Dr. Heinrich Everke: „Normalerweise sind wir dafür, dass die Menschen ihrem Vergnügen nachgehen können, aber jetzt geht die Sicherheit eines jeden einzelnen vor.“
Dr. Heinrich Everke: „Normalerweise sind wir dafür, dass die Menschen ihrem Vergnügen nachgehen können, aber jetzt geht die Sicherheit eines jeden einzelnen vor.“ | Bild: SK

Für ein Böllerverbot ist Heinrich Everke, Vorsitzender der FDP-Fraktion. „Normalerweise sind wir dafür, dass die Menschen ihrem Vergnügen nachgehen können, aber jetzt geht die Sicherheit eines jeden einzelnen vor“, so der Allgemeinmediziner.

„Das ist in diesem Jahr eine besondere Situation, denn es gilt Menschenmassen zu vermeiden“, führt er weiter aus. In der Fraktion wurde über das Böllerverbot noch nicht gesprochen. Everke geht dennoch davon aus, dass die Fraktionsmitglieder ihn in seiner Meinung unterstützen.

Gisela Kusche, FreieGrüne Liste

Gisela Kusche: „Aus ökologischen Gesichtspunkten sind wir schon für ein Verbot von Silvesterfeuerwerk.“
Gisela Kusche: „Aus ökologischen Gesichtspunkten sind wir schon für ein Verbot von Silvesterfeuerwerk.“ | Bild: SK

Noch zu keinem klaren Standpunkt durchringen kann sich die Freie Grüne Liste. Die Vorsitzende Gisela Kusche sagt: „Aus ökologischen Gesichtspunkten sind wir schon für ein Verbot von Silvesterfeuerwerk.“ Doch hinsichtlich der aktuellen Lage sei die Meinung zum Böllerverbot innerhalb der Fraktion derzeit gespalten.

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Viele könnten den Vorstoß verstehen, denn es gelte Kontakte zu vermeiden. Andere aus der Fraktion würden aber auch den Aspekt sehen, dass ein weiteres Verbot den Menschen die Freude nehmen könnte. „Die Jugend ist ja sowieso schon frustriert, dann kann man ihnen doch das Böllern lassen“, so Kusche.

Holger Reile, Linke

Holger Reile: „Wie wäre es, dieses Geld, statt es zu verfeuern, Künstlern und Pflegekräften zur Verfügung zu stellen?“
Holger Reile: „Wie wäre es, dieses Geld, statt es zu verfeuern, Künstlern und Pflegekräften zur Verfügung zu stellen?“ | Bild: SK

Mit einem Vorschlag geht Holger Reile von den Linken das Thema an. Er sagt: „Bundesweit werden im Jahr rund 140 Millionen Euro für Feuerwerkskörper ausgegeben. Heruntergebrochen auf Konstanz sind das etwa 130 000 Euro. Wie wäre es, dieses Geld, statt es zu verfeuern, Künstlern und Pflegekräften zur Verfügung zu stellen?“

Zwar halte er das Böllerverbot in der Altstadt wegen des Brandschutzes für sinnvoll, findet aber: „Mit Verboten kommt man nicht weit.“

Matthias Schäfer, Junges Forum

Dr. Matthias Schäfer: „Für ein generelles Verbot ist es der falsche Zeitpunkt.“
Dr. Matthias Schäfer: „Für ein generelles Verbot ist es der falsche Zeitpunkt.“ | Bild: SK

Dass ein Böllerverbot zu Silvester der falsche Weg ist, findet auch Matthias Schäfer, Vorsitzender des Jungen Forums Konstanz. Er sagt: „Für ein generelles Verbot ist es der falsche Zeitpunkt.“ Er glaubt, dass das nur zu einer noch stärkeren Ablehnung der Bevölkerung gegenüber den Pandemie-Maßnahmen führen wird.

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Schwierig sei auch die Nähe zur Schweiz. Denn gelte dort kein Verbot, sei die Gefahr groß, dass Konstanzer dort Feuerwerk kaufen und trotzdem böllern. Das sei zusätzliche Arbeit für die Polizei, die an Silvester genug gefordert sei.

Jürgen Ruff, SPD

Jürgen Ruff: „Das führt doch nur dazu, dass sich mehr Menschen den Querdenkern anschließen.“
Jürgen Ruff: „Das führt doch nur dazu, dass sich mehr Menschen den Querdenkern anschließen.“ | Bild: Patrick Pfeiffer

Gegen ein generelles Böllerverbot ist auch Jürgen Ruff von der SPD. Er glaubt, dass das nur dazu führt, dass sich mehr Menschen den Querdenkern anschließen.

Er hält es allerdings für denkbar, das bereits geltende Böllerverbot in Konstanz zu erweitern, um Menschenansammlungen zu verhindern. Beispielsweise auf die Seestraße, den Seerhein und den Uferbereich. Überall dorthin, wo Menschen sonst gerne zusammen kommen.

Ewald Weisschedel, Freie Wähler

Dr. Ewald Weisschedel: „Ich bin zu alt, um Freude am Böllern zu haben, aber vielen anderen macht das Spaß. Deswegen bin ich gegen ein generelles Böllerverbot.“
Dr. Ewald Weisschedel: „Ich bin zu alt, um Freude am Böllern zu haben, aber vielen anderen macht das Spaß. Deswegen bin ich gegen ein generelles Böllerverbot.“ | Bild: SK

„Ich bin zu alt, um Freude am Böllern zu haben, aber vielen anderen macht das Spaß. Deswegen bin ich gegen ein generelles Böllerverbot“, sagt Ewald Weisschedel, Vorsitzender der Freien Wähler.

Klar müsse es dennoch sein, dass sich keine Horden treffen und gemeinsam Raketen in die Luft schießen könnten. Dafür bedürfe es klarer Richtlinien, an die sich alle halten müssen.