Als Uli Burchardt 2012 die Wahl zum Konstanzer Oberbürgermeister gewann, zählte ihre Meinung noch nicht: Die Bürger der Stadt, die heute zwischen 16 und 24 Jahren alt sind. Am kommenden Sonntag steht für sie eine Premiere an. Zum ersten Mal dürfen sie ihre Stimme für einen Konstanzer OB-Kandidaten abgeben.

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Wir haben mit fünf OB-Erstwählern gesprochen

Einer davon ist Philipp Klaiber. Der 24-Jährige hat gerade seine Ausbildung zum Kaufmann für Büromanagement abgeschlossen und wurde jetzt vom Betrieb übernommen. Der SÜDKURIER traf ihn erstmals am Wahlkampfstand von Andreas Matt, wo er fast eine Stunde mit dem Kandidaten diskutierte.

Die Oberbürgermeisterkandidaten stellen sich am Markt den Bürgern
Die Oberbürgermeisterkandidaten stellen sich am Markt den Bürgern | Bild: Eva Marie Stegmann

Ähnlich intensiv hat Klaiber, wie er berichtete, sich auch mit anderen Bewerbern unterhalten. Grund genug also, länger mit ihm zu sprechen.

Alles begann mit dem Müllsammeln

„Ich habe in diesem Jahr angefangen, mich für Lokalpolitik zu interessieren. Eigentlich begann alles mit dem Müllsammeln. Ich habe mir angewöhnt, morgens zum Sonnenaufgang am Hörnle zu schwimmen. Als ich den Müll überall sah, regte mich das richtig auf. Also nahm ich am nächsten Tag zwei Jutebeutel mit und sammelte an der Promenade. Die Beutel haben nicht gereicht.

Philipp Klaiber ist fast sicher, wen er wählt.
Philipp Klaiber ist fast sicher, wen er wählt. | Bild: Eva Marie Stegmann

Ich finde, wenn wir fürs Klima demonstrieren, können wir auch direkt was tun. Ich war nie bei einer Fridays for Future-Demo, weil ich in dieser Zeit als Azubi arbeiten musste.

Ich glaube, ich bin eher untypisch für mein Alter.

Ich hinterfrage Dinge gerne und mache mir mein eigenes Bild. Ich war zum Beispiel auch auf einer Anti-Corona-Demo, nur, um mir deren Argumente anzuhören. Ich habe jetzt im Vorfeld der Wahl mit allen Kandidaten außer Burchardt intensiv diskutiert. Ihn habe ich leider nie persönlich angetroffen.

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Wichtig bei einem OB ist mir, dass er unabhängig ist, also keine Partei im Rücken hat. Außerdem Transparenz. ich will genau verstehen, wie welche Entscheidungen zusammenkommen.

Philipp Klaiber ist fast sicher, wen er wählt.
Philipp Klaiber ist fast sicher, wen er wählt. | Bild: Eva Marie Stegmann

Mein persönliches Interesse ist, dass ich hier weiter zu einem fairen Preis wohnen kann. Ich wohne wie fast alle meine ehemaligen Mitauszubildenden noch zu Hause. Keiner kann sich mit einem Azubi-Gehalt eine Wohnung in Konstanz leisten. Zum Glück verstehe ich mir sehr gut mit meiner Mutter. In meinem Bekanntenkreis gehen viele nicht wählen. Ich versuche sie dann immer zu motivieren. Ein Oberbürgermeister kann einiges verändern und einen Kurs vorgeben. Deshalb finde ich es besonders wichtig, jetzt wählen zu gehen.“

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Philipp Klaiber informierte sich also vor allem im persönlichen Gespräch mit den Bewerbern um das höchste Amt der Stadt. Auch eine Podiumsdiskussion, in der die Belange der Jugend Thema waren, sah er sich im Livestream an. Vor Ort im Publikum saßen Leonie Warzecha, Rawan Rihawi, Nour Al Fadel und Christina Kohl.

Chance auf Jobs

Rawan Rinawi, 16, aus Wollmatingen wählt zum ersten Mal den Oberbürgermeister.
Rawan Rinawi, 16, aus Wollmatingen wählt zum ersten Mal den Oberbürgermeister. | Bild: Eva Marie Stegmann

Rawan Rihawi, Wollmatingen, 16 Jahre alt: „Wenn ich einen Wunsch hätte an den Oberbürgermeister, dann wäre es, dass er sich um Schülerjobs kümmert. Es ist sehr schwierig, einen zu bekommen. Wir stehen oft in Konkurrenz zu den Studierenden. Die Stadt soll Schülerjobs besser organisieren, so, dass es leichter ist, die Arbeitserfahrung machen zu können. Gerade, wenn man sich später für einen Job oder ein Praktikum bewirbt, ist Arbeitserfahrung wichtig.“

Bessere Busverbindungen

Leonie Warzecha (rechts) und Nour Al Fadel
Leonie Warzecha (rechts) und Nour Al Fadel | Bild: Eva Marie Stegmann

Nour Al Fadel, Paradies: „In Konstanz fällt mir auf, dass man oft lange an den Haltestellen auf den Bus warten muss. Die Busse fahren zu selten und die Verbindungen könnte man auch verbessern. Am Wochenende ist immer Stau, Samstags und Sonntags, dann muss ich noch länger warten. Dass der neue Oberbürgermeister daran etwas ändert, ist mir persönlich am wichtigsten. Außerdem sorge ich mich um das Klima und bezahlbaren Wohnraum.“

Mehr an die Jugend denken

Leonie Warzecha, 16 Jahre alt: „Ich wünsche mir, dass generell in der Politik mehr an die Jugend gedacht wird. Aktuell wird über uns geredet, aber nur negativ. Dass Jugendliche zu laut am Herosé wären. Wer denkt daran, dass wir auch Plätze zum Zusammensein oder Feiern brauchen? Und der neue Oberbürgermeister soll die Radwege verbessern und mehr Fahrradstraßen einrichten.“

Klima hat Priorität

Christina Kohl, 18, wählt zum ersten Mal einen Oberbürgermeister. Ihr ist das Klima besonders wichtig.
Christina Kohl, 18, wählt zum ersten Mal einen Oberbürgermeister. Ihr ist das Klima besonders wichtig. | Bild: Eva Marie Stegmann

Christina Kohl, 18 Jahre alt: „Mir geht es generell um das Stadtbild und das Klima. Der Oberbürgermeister hat da vergleichsweise viel zu sagen, er nimmt auch eine Vorbildfunktion ein. Ich wünsche mir, dass sich Konstanz Richtung Nachhaltigkeit entwickelt und einen Oberbürgermeister, der das mit trägt. Ich weiß schon ganz genau, wen ich wähle, für mich gibt es gerade in Sachen Klima nur eine wirkliche Option.“

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