Es ist ein guter Tag für Ausflüge. Es weht ein kühler Wind, nur schwach, aber ausreichend, um die meisten Wolken des Tiefausläufers zügig weiterzutreiben. Regen ist an diesem Tag nicht mehr zu erwarten.

Von Meersburg soll‘s nach Friedrichshafen gehen

Carolin Bohn und Marius Hezel haben sich eine Radtour vorgenommen. In Konstanz gehen sie mit ihren Rädern auf die Fähre, von Meersburg aus möchten sie nach Friedrichshafen radeln. Dort habe sie ohnehin noch etwas abzugeben, sagt Carolin Bohn, daher passe das Ziel gut. Kurz bevor sie auf die Fähre fährt, legt Bohn ihren Mundschutz an, Marius Hezel zieht die Jacke über den Mund, das muss für heute reichen.

Carolin Bohn und Marius Hezel fahren ihre Räder auf die Fähre.
Carolin Bohn und Marius Hezel fahren ihre Räder auf die Fähre. | Bild: Wagner, Claudia

„Bisher habe ich den Mundschutz nur zum Einkaufen gebraucht“, erklärt Carolin Bohn, im öffentlichen Verkehr sei es neu für sie. „Ich denke aber, das wird heute entspannt sein.“

Tafel weist auf Regeln hin

Am späten Vormittag und bei noch kühlem Wetter ist die Anzahl der Fährengäste begrenzt. Doch das ist nicht immer so. Gleich zur Ankunft weist die digitale Tafel die Fahrgäste auf die Regeln während der Pandemie-Zeit hin: Die Passagiere mögen auf ausreichenden Abstand zu den anderen Fahrgästen achten. Ein Mund-Nasen-Schutz ist Pflicht bei der Überfahrt. EC-Karten-Zahlung ist weiterhin nicht möglich. Eine Umstellung dieser Praxis ist offensichtlich auch während der Corona-Krise nicht erfolgt.

Autofahrer bleiben in den Fahrzeugen

Eine neue Regel gibt es auch: Die Autofahrer werden aufgefordert, während der Fahrt ihre Fahrzeuge nicht zu verlassen. Vor einer Woche gab es diese Aufforderung noch nicht, auch die Maskenpflicht im öffentlichen Verkehr bestand nicht.

Bild: Wagner, Claudia

An sonnigen Tagen, an denen viele Menschen die Fähre nutzen wollten, war es so kaum möglich, die nötigen Abstandsregeln einzuhalten – weder auf dem Deck, noch bei den Radabstellplätzen.

Marc und Margit Kößler gehen mit der Maskenpflicht ebenfalls entspannt um. „Ich bin nicht panisch, wenn mir mal jemand einen Schritt zu nahe kommt“, sagt Marc Kößler. Die Maskenpflicht an Deck des Schiffes hält er genau deswegen für sinnvoll. Aus seiner Sicht brauchen die Menschen klare Regeln, das mache es einfacher, sie einzuhalten. Margit Kößler hat es sich ohnehin zum Freizeitvergnügen gemacht, die verschiedenen Mundschutz-Modelle ihrer Mitmenschen zu betrachten.

Marc und Margit Kößler finden den Mundschutz auf der Fähre sinnvoll
Marc und Margit Kößler finden den Mundschutz auf der Fähre sinnvoll | Bild: -Claudia Wagner

Unterdessen haben sich Carolin Bohn und Marius Hezel in den Aufenthaltsraum zurückgezogen – er ist leer, es ist also kein Problem, Abstand zu halten. „Wir fühlen uns hier sicher und keinen Risiken ausgesetzt“, sagt Carolin Bohn. Inzwischen seien viele der Corona-Regeln gut eingeübt und die meisten Menschen beachteten sie.

Carolin Bohn und Marius Hezel fühlen sich wohl auf der Fähre
Carolin Bohn und Marius Hezel fühlen sich wohl auf der Fähre | Bild: Wagner, Claudia

Sobald das Fährpersonal, jeweils mit Mundschutz ausgestattet, vorbeikommt, ist offensichtlich: Eine Fähre ist ebenso wenig wie ein Zug für große Abstände geeignet. In den Gängen zwischen den Sitzbänken, die relativ große Abstände zueinander haben, wird es schnell eng. Und auf der Treppe, die zum Fahrzeugdeck führt, hat ohnehin nur jeweils eine Person Platz.

Bei den Radabstellplätzen wird es dann doch wuselig

Als sich die Fahrgäste kurz vor dem Anlegen bei ihren Rädern sammeln, geht es entsprechend wild durcheinander. Familien, die mit Freunden Rasdfahren plaudern fröhlich und vergessen dabei die Abstandsregeln. Das Personal sorgt dafür, dass der Ausstieg reibungslos verläuft, ordnet Radfahrer und Fußgänger – das sind Regeln, die jenseits der Pandemie immer gelten.

Bild: Wagner, Claudia

Josef Siebler, Pressesprecher der Stadtwerke, weist auf Anfrage darauf hin, dass inzwischen auf den Fähren zusätzliche Stellflächen ausgewiesen wurden, damit für Radfahrer bei großem Andrang genügend Platz vorhanden sei. „Vor jeder Abfahrt und vor jeder Ankunft weist der Schiffsführer per Durchsage die Radfahrer darauf hin, dass sie auf den Mindestabstand achten, auch bei der Abfahrt vom Schiff„, ergänzt Siebler.

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„Regeln sind keine Einschränkung“

Bei der Rückfahrt von Meersburg nach Konstanz ist die Zahl der Fahrgäste und transportierten Fahrzeuge ebenso überschaubar. Einige haben sichtlich Spaß an der Überfahrt. „Generell empfinde ich die Regeln nicht als Einschränkung“, erläutert Thorsten Kruse. Er und seine Lebensgefährtin Yvonne Gehweiler sind aus Friedrichshafen und haben eine 30-Kilometer-Radtour von Konstanz aus geplant.

Yvonne Gehweiler und Thorsten Kruse genießen die Überfahrt und sehen sich trotz Mund-Nasen-Schutz nicht eingeschränkt.
Yvonne Gehweiler und Thorsten Kruse genießen die Überfahrt und sehen sich trotz Mund-Nasen-Schutz nicht eingeschränkt. | Bild: Wagner, Claudia

Die Mundschutzmaske störe ihn nicht, sagt Kruse, „außerdem ist das Personal auf der Fähre sehr freundlich und es klappt alles.“ Die Lage erfordere es, dass man auf andere Rücksicht nehme.

Die Fähre legt in Konstanz-Staad an, Fahrräder, Fußgänger und Autofahrer sortieren sich an der Auffahrtrampe. Die nächsten Passagiere warten bereits, dieses Mal sind es mehr. Mancher von ihnen wird froh sein, einen Mundschutz zu tragen.

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