Es wird ja immer wieder gern geschimpft über die verweichlichte Jugend von heute. Dass sie alles vorn und hinten reingeschoben bekomme, nichts bis zum Ende durchziehe und ohne Hilfe des Smartphones nicht mal den Ausgang aus dem eigenen Kinderzimmer finde. Früher, ha, da sei man noch stundenlang durch den Schnee gestapft, mit Holzpantinen an den nackten Füßen und zum Frühstück an einem unterwegs abgebrochenen Eiszapfen lutschend, um in die zwölf Kilometer entfernte Schule zu gelangen. Und hat es einem geschadet? Nein, natürlich nicht!

Corona, dieses im doppelten Sinne gesellschaftsfeindliche Virus mit den oft verblüffenden Nebenwirkungen, wird auch das verändern. Nach diesem Winter dürfte eine eigenbrötlerische Generation unerschütterlicher, wetterfester Hochleistungskopfrechner entstanden sein, die es nicht mehr erträgt, wenn jemand die Heizung aufdreht. Das Gebot zur regelmäßigen Aerosole-Vertreibung an den Schulen macht es möglich. Wenn im Ellenrieder Gymnasium das periodisch ertönende Lüftungssignal die Siebtklässler aus ihren Tüfteleien über die Gaußsche Normalverteilung oder den Raketenantrieb künftiger Marsmissionen reißt, dann ist Frischluft in den eiskalt kalkulierenden Köpfen, und die Handy-Akkus fallen auf drei Prozent.

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Einen kleinen Nachteil bringt allerdings der typische Bodensee-Nebel dieser Jahreszeit mit sich – und der macht auch mögliche Energieeinsparungseffekte zunichte. Phasenweise sind bei offenem Fenster weder die Tafel noch die Lehrkraft zu erkennen und müssen deshalb teuer beleuchtet werden.

Was sonst noch passierte

Die Themen der Woche illustriert von Samira Matschinsky und kommentiert von Sven Frommhold.
Die Themen der Woche illustriert von Samira Matschinsky und kommentiert von Sven Frommhold. | Bild: Samira Matschinsky
  • All you need is love, muuuh: Die (bisher wenig) amourösen Abenteuer des Rinderzüchters Patrick Romer bei „Bauer sucht Frau„ sorgen weiter für Aufmerksamkeit. Das zeigt auch die immer wieder gut gelesene TV-Kritik des SÜDKURIER zur montäglichen Ausstrahlung. Bei der jüngsten Folge erfuhr der interessierte Zusehende dank langer Werbepausen und ungerechter Sendezeit-Verteilung zwischen den ehewilligen Landmännern allerdings mehr über die neuesten Damenhygieneerzeugnisse als über unseren Oberdorfer. Auch dass die Tiere auf der Weide ihrem Chef nacheifern, wie auf dem Bild deutlich zu sehen, blieb skandalöserweise unerwähnt.
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  • Falscher Vogel: Hochfliegende Pläne gibt es mit dem Büdingen-Park, einem echten Filet-Stück am Seeufer, um mal beim Rinderbraten zu bleiben und das Ganze aus rein finanzieller Sicht zu sehen. Entstehen soll dort ein Luxus-Gesundheitshotel unter weitgehendem Ausschluss der weniger zahlungskräftigen Öffentlichkeit. Seit einiger Zeit sind Bagger auf dem Areal aktiv. Fast so aktiv wie die Kritiker, die das Vorhaben verhindern und das Gelände mit den alten Bäumen für alle erhalten wollen. Seit dieser Woche ist bekannt: Der Schwarzmilan, der dort im Frühjahr nistet, ist nicht wichtig genug, um ihnen dabei zu helfen. Gut möglich, dass er sich 2021 was anderes sucht.
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  • Allerlei Verrenkungen: So mancher Stadtrat hat sich dieser Tage derart gewunden, dass er sich an den Physiotherapeuten seines Vertrauens wenden musste, um sich wieder einrenken zu lassen. Auslöser war der offene Brief einiger Konstanzer Kommunalpolitiker an Kanzlerin Angela Merkel und Ministerpräsident Winfried Kretschmann gegen den Lockdown im Kulturbetrieb. Mitunterzeichnen oder nicht, lautete die Frage, die sich auch den anderen Räten stellte. Die riss es bei dem Thema teilweise so hin und her – sogar der Schweizer Erdbebendienst soll die Erschütterungen registriert haben. Zwei Seelen wohnen halt bei diesem Thema, ach! in vielen Brüsten.
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