„Kopf bitte etwas nach hinten. Ja, so ist es gut. Danke. Gleich fertig. Ganz kurz noch. So, wunderbar, danke. Das war doch jetzt nicht schlimm, oder?“

Isolde Fürst kneift ihre Augen noch ein paar Augenblicke fest zu. Sie hält ihre Hände wie beim Gebet, schüttelt kurz den Kopf und räuspert sich schließlich. „Des war‘s etzt scho?“, fragt die 89-Jährige lachend. „Danke, Herr Doktor. I gong jetzt aber davon aus, dass i negativ bin.“

Rechts neben dem kleinen Fenster wird die abgestrichene Flüssigkeit in die kleine Vorrichtung gegeben.
Rechts neben dem kleinen Fenster wird die abgestrichene Flüssigkeit in die kleine Vorrichtung gegeben. | Bild: Schuler, Andreas

Wie oft er dieses Prozedere in den vergangenen Monaten durchgeführt hat, weiß Christoph Venedey nicht. Nur so viel: „Bestimmt ein paar tausend Mal“, antwortet er schließlich.

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An diesem Vormittag geht es ruhig zu im Corona-Testzentrum im Gebäude der Klinik. Hier, wo dereinst Notfälle, die noch einigermaßen gut zu Fuß kommen konnten, erst-behandelt wurden, lassen sich seit März 2020 Menschen auf das Virus testen.

Sandra Merkel und Anthoula Amanatidou nehmen die Testwilligen vor der Schiebetür herzlich in Empfang. „Ich arbeite eigentlich bei der Bädergesellschaft“, erzählt Sandra Merkel. „Doch seit November sind wir in Kurzarbeit zu 100 Prozent, da ja alle Bäder geschlossen sind.“

Sandra Merkel und Anthoula Amanatidou im Testzentrum.
Sandra Merkel und Anthoula Amanatidou im Testzentrum. | Bild: Schuler, Andreas

Seit April ist sie im Testzentrum als unterstützende Aushilfe tätig. „Das macht richtig Spaß“, sagt sie. „Wir haben mit Menschen zu tun und können helfen.“

Ihre heutige Schichtkollegin, Anthaoula Amanatidou, ist als ausgebildete Fachkrankenschwester im Bereich der Heimbeatmung von Patienten tätig.

Christoph Venedey und Anthoula Amanatidou besprechen die Vorgehensweise.
Christoph Venedey und Anthoula Amanatidou besprechen die Vorgehensweise. | Bild: Schuler, Andreas

Im August 2020 entdeckte sie im SÜDKURIER eine Anzeige, mit der Kräfte für das Zentrum gesucht wurden. „Seitdem habe ich hier einen Mini-Job und bin zweimal pro Woche jeweils sechs Stunden im Einsatz“, sagt Anthoula Amanatidou.

Auch ihr sieht man die Freude bei der Arbeit an. Mit den Menschen werden auch mal ein paar private Sätze gewechselt, hier und wird gewitzelt und über das Wetter geschimpft. „Es gibt immer etwas zu erzählen“, sagten die beiden Frauen, die ihrer Aufgabe mit viel Empathie nachgehen.

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Christoph Venedey übernimmt die Testwilligen in dem recht steril daher kommenden Arztraum und führt die Tests durch. Er erinnert sich an den Beginn im März 2020, als er selbst noch seine Praxis in Allmannsdorf führte – mittlerweile ist er im Ruhestand. Anders könnte er die Arbeit hier auch nicht stemmen.

Bild: Schuler, Andreas

„Damals waren die Praxen ausgestattet mit Schutzkleidung, Masken oder Handschuhen“, erzählt er. „Die Testwilligen sind dann alle in die Klinik gestürmt, bis die dann überlastet war.“ Ihm war klar: Es musste etwas geschehen. Grundsätzlich sagt er: „Jeder Test ist gut. Ein positiver bedeutet ja, dass die Infektionskette unterbrochen wird.“

Wenn der Balken nur beim C erscheint, ist der Test negativ. Das C steht für „Control“, das T für „Test“. Ist auch beim T ein Balken, war der Test positiv.
Wenn der Balken nur beim C erscheint, ist der Test negativ. Das C steht für „Control“, das T für „Test“. Ist auch beim T ein Balken, war der Test positiv. | Bild: Schuler, Andreas

Mehrere Ärzte trafen sich mit der Klinikleitung und besprachen die Situation. „Wir mussten schnell handeln. Klasse, wie die Klinik dann über Nacht diesen Raum hier gestrichen und eingerichtet hat“, so Christoph Venedey. „Ich habe gleich bei meinem Freund und Kollegen Ewald Weisschedel angerufen und gefragt: ‚Ewald, bist Du morgen früh bereit?‘“

Und wie er das war. „In der ersten Woche haben wir ohne Computer gearbeitet: Einer hat getestet, einer hat dokumentiert.“ Waren es am ersten Tag noch zehn Tests, so wuchs die Zahl steil an. Damals waren es noch ausschließlich PCR-Tests, also die zuverlässigen, dessen Ergebnis am nächsten Tag feststeht.

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Als im Juni 2020 die Inzidenzzahl auf drei abrutschte, wurde das Zentrum geschlossen. Vorübergehend, wie sich herausstellen sollte. Als in den Sommerferien erste Menschen aus Risikogebieten zurückkehrten und getestet werden mussten, wurden die Pforten wieder geöffnet.

Hier geht‘s zum Testzentrum – vor der Tür warten die Testwilligen.
Hier geht‘s zum Testzentrum – vor der Tür warten die Testwilligen. | Bild: Schuler, Andreas

„Am ersten Tag haben wir 190 PCR-Tests gemacht“, erinnert sich Christoph Venedey. Ewald rief mich damals an und sagte: Bitte komm‘ sofort, die Leute stehen bis zum Parkplatz.“ Erst gegen Oktober ebbte es wieder ab.

„Die Nachfrage stieg wieder stark an, als im Februar Lehrer und Erzieher getestet wurden. Als der Bürgertest kam, mussten wir zwei Schichten á sechs Stunden einführen“, erklärt der Mediziner. Acht Ärzte sind seither im Einsatz.

Auch Nicolas Flöß lässt sich von Christoph Venedey testen.
Auch Nicolas Flöß lässt sich von Christoph Venedey testen. | Bild: Schuler, Andreas

Wie lange das Testzentrum noch geöffnet hat? Christoph Venedey zuckt mit den Schultern. „Solange wir gebraucht werden“, antwortet er. „Wenn die Inzidenz runter geht und der Großteil der Bevölkerung geimpft ist. Wahrscheinlich irgendwann im Juni.“

Achja, Isolde Fürst. Die rüstige, ältere Dame war negativ. „Hajo, natürlich. Wo sot i es auch herghabt habe?“

Über die App gibt‘s das Ergebnis des Tests auf digitalem Wege – oder analog direkt vom Arzt, wenn man rund 15 Minuten warten möchte.
Über die App gibt‘s das Ergebnis des Tests auf digitalem Wege – oder analog direkt vom Arzt, wenn man rund 15 Minuten warten möchte. | Bild: Schuler, Andreas
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