Ein Leben ohne Tiere können sich Noemi Salwey (30) und Christa Müller-Fehrenbach (77) nicht vorstellen. Doch beide Frauen eint noch viel mehr: Sie sind sich nicht nur der Verantwortung für ihre eigenen Tiere mehr als bewusst, sondern kümmern sich darüber hinaus um viele andere Tiere, päppeln sie auf, suchen ein neues Zuhause und vertreten deren Interessen.

Als Vorsitzende des Tierschutzvereins Konstanz und Umgebung, der das Tierschutzheim Konstanz führt, hat sich Christa Müller-Fehrenbach 31 Jahre lang aus Überzeugung und mit Leidenschaft für das Tierwohl eingesetzt. Sie gilt als Koryphäe, als Anwältin der Tiere.

Die beiden Tierschützerinnen kennen sich schon lange

Ihr Name war Synonym für den Konstanzer Tierschutzverein und das Tierschutzheim. Jetzt zieht sich Christa Müller-Fehrenbach aus dem operativen Geschäft zurück und legt die Verantwortung in die Hände von Noemi Salwey.

Die beiden Tierschützerinnen kennen sich schon seit Jahren und sind sehr vertraut miteinander. Tierliebe hat Noemi Salwey wohl schon in die Wiege gelegt bekommen. Ihr großer Wunsch war immer, mit Tieren zu arbeiten. Im Tierschutzheim Konstanz hat sie ihre Ausbildung zur Tierpflegerin gemacht und später dort eine Anstellung gefunden.

Noemi Salwey packte auch als Ehrenamtliche zu

Auch wenn sie zwischenzeitlich zudem eine Ausbildung als Personaldienstleistungskauffrau absolviert hat und nun in diesem Beruf arbeitet, so war sie – wie sie sagt – „nie weg“, sondern hielt dem Tierschutzheim die Treue.

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Als Ehrenamtliche packte sie zu, wo sie gebraucht wurde. „Man hilft an Festen, übernimmt den Notdienst oder geht mit den Hunden Gassi. Was halt so anfällt“, skizziert Noemi Salwey, die jetzt in die großen Fußstapfen von Christa Müller-Fehrenbach tritt, wohlwissend, wie viel Arbeit die Funktion der Vorsitzenden mit sich bringt.

Immer präsent und erreichbar

„Ich werde in die Aufgabe hineinwachsen“, ist Noemi Salwey überzeugt, zumal Christa Müller-Fehrenbach und Tierschutzheimleiterin Heidi Schätzle ihr dabei helfen.

„Man muss immer präsent und erreichbar sein“, stellt Christa Müller-Fehrenbach fest, die sich ferner mehr als 20 Jahre lang im Vorstand des Landesverbands des Tierschutzbundes Baden-Württemberg engagierte. Präsent und erreichbar war sie 31 Jahre lang. Wo immer Not am Mann war, wo immer es der Hilfe bedurfte – Christa Müller-Fehrenbach war sofort zur Stelle.

Finanziell werden die Zeiten schwieriger

Wenn sie auf die vergangenen drei Jahrzehnte zurückblick, dann denkt sie unter anderem an „die ständige Sorge um Bestand, Sanierung, modernere Ausstattung, hygienische Sicherheit und die Sicherheit der Arbeitsplätze der festangestellten Mitarbeiter und die Ausbildungsplätze“. Damit verbunden war auch immer der „ständige Kampf um Spenden, Zuschüsse und Zuwendungen“, um all dies leisten zu können.

Einfacher ist es nicht geworden. „Finanziell sieht es nicht gut aus“, muss Christa Müller-Fehrenbach feststellen. „Wir bekommen keine Erbschaften mehr.“ Diese Finanzspritzen waren stets sehr wertvoll für den Erhalt und den Betrieb des Tierschutzheimes. Auch hat das Tierschutzheim in den vergangenen Jahren deutlich weniger Tiere und damit verbunden auch „weniger Einnahmen durch die Vermittlung“, so Müller-Fehrenbach.

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Auf die Art und Weise der Tiervermittlung legte Christa Müller-Fehrenbach immer größten Wert. Keinesfalls wollte sie Tiere einfach nur schnell in neue Hände geben, sondern das passende Zuhause bei Menschen finden, die gewillt sind, Verantwortung für das neue Familienmitglied zu übernehmen. Hatte sie Zweifel, dann konnte Christa Müller-Fehrenbach durchaus auch einmal Nein sagen.

„Man muss Courage haben und das Tier vertreten“, sagt sie schlicht. Das hat sie immer getan. Mehr noch: Die Frau, deren Herz vor allem alten und kranken Tieren gehört, hat im Laufe der vergangenen 31 Jahren mit Joe mittlerweile den sechsten Tierschutzheim-Hund bei sich aufgenommen. Erstaunlich sei immer wieder, wie sich Tiere in der richtigen Umgebung positiv entwickeln würden.

„Die Leute haben durch Homeoffice mehr Zeit für ihre Tiere“

Aktuell sind nicht viele Tiere im Tierschutzheim Konstanz. „Corona-bedingt“, wie Tierschutzheim-Leiterin Heidi Schätzle sagt. „Die Leute haben durch Homeoffice mehr Zeit für ihre Tiere“, meint sie, gibt aber zu bedenken: „Wenn Homeoffice zu Ende geht, könnte sich das rasch ändern.“ Aktuell leben lediglich sechs Kaninchen, drei Katzen und drei Hunde, davon zwei zu vermittelnde, im Heim.

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Was mit dem Dritten ist? „Es ist ein Listenhund“, sagt Heidi Schätzle. Man sieht dem Vierbeiner die Kampfhunderasse an, aber er macht einen sehr aufgeweckten, sympathischen Eindruck. Das Problem sei nicht der Hund, sondern die Hundesteuer. „Der Gemeinderat hat die Hundesteuer für Listenhunde auf knapp 1000 Euro angehoben; das schließt eine Vermittlung in Konstanz quasi aus“, so Schätzle, die annimmt, dass keiner diese hohen Kosten tragen wolle.

Andere Städte und Gemeinden seien wesentlich kulanter. „Ich finde, das ist eine Diskriminierung von Listenhunden“, so Schätzle. Im Tierheim Konstanz aber wird auch diese Minderheit aufgenommen, gehegt und gepflegt.