Ein Eintrag im Guinness-Buch der Rekorde: Das ist das Ziel für die Menschenkette, die Gerry Mayr von der Initiative „Querdenken 753 Konstanz„ Anfang September angekündigt hat. Sie soll am 3. Oktober durch vier Länder entlang des Bodensees führen – einen Tag vor der Großdemonstration der Stuttgarter Initiative Querdenken 711 gegen die Corona-Maßnahmen in Konstanz. Diese sollte ursprünglich ebenfalls am Tag der Deutschen Einheit stattfinden, wurde jedoch verschoben.

Am Wochenende sah es aber so aus, als würde die von Gerry Mayr angekündigte „Friedenskette„ zumindest teilweise ins Wasser fallen. Denn in den Sozialen Netzwerken kursierte ein gemeinsames Statement des „OK Friedenskette Schweiz„ und der Initiative „Querdenken 8000 Zürich„, in dem diese ankündigten, aus dem Projekt „auszusteigen und uns gleichzeitig in aller Form davon zu distanzieren“.

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Gegenwind aus Schweizer Querdenker-Szene: „Unrealisierbare Luftblase“

Einer der beiden Mitunterzeichner des Schreibens, Markus Holzer, bestätigte dies auf SÜDKURIER-Anfrage, will sich aber nicht weiter dazu äußern. „Als heute Unbeteiligte erachten wir es als unangemessen, weitere Angaben zu machen“, schreibt Holzer, der laut seinem Facebook-Profil Präsident von „Reaktion“ ist, einer „Bewegung für den Erhalt von Schweizer Volksrechten und der direkten Demokratie“.

Laut Statement habe sich „das vom Initiator Gerry Mayr großspurig angekündigte Mega-Event“ immer mehr „zur unrealisierbaren Luftblase“ entwickelt. Ein weiterer Abschnitt des Schreibens ist mit „Chaos Pur“ überschrieben. Auf deutscher Seite sei es zu einem Zerwürfnis gekommen, nachdem mit Ausnahme der Friedenskette alle Programmpunkte auf den 4. Oktober verschoben worden seien, heißt es.

Gerry Mayr sei sogar „aus dem Verein abgewählt“ worden, dann aber doch „zur Wahrung des Scheins“ das Gesicht der Menschenkette geblieben, ohne jedoch weiter in die Organisation eingebunden zu sein.

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Gerry Mayr wehrt sich und wird beim Thema Menschenkette konkreter

Gerry Mayr wehrt die Angriffe von Schweizer Seite ab. Es stimme zwar, dass er „nicht mehr so aktiv im Tagesgeschäft“ sei. „Aber ich habe als Ideengeber noch immer Einblick in alles.“ Auch von dem im Statement monierten Chaos bei der Organisation will Mayr nichts wissen: „Über 200 Leute arbeiten intensiv an der Kette, Tendenz steigend.“ Es seien auch nach wie vor Schweizer am Projekt beteiligt.

Doch wird die Menschenkette, wie einst angekündigt, von Liechtenstein aus über Österreich und die Schweiz dem Bodensee entlang nach Deutschland führen? Sie hätten sich nun kleinere Ziele gesetzt, erklärt Mayr. Ziel Nummer eins sei, dass die Kette von Liechtenstein aus nach St. Margrethen im Kanton St. Gallen führe und dann weiter über die schweizerisch-österreichische Grenze nach Bregenz und schließlich Lindau.

Bild: SK

„Dann kommen wir ins Guinness-Buch mit der ersten Menschenkette, die durch vier Länder führt“, so Mayr. Wenn sie es dann noch schaffen würden, die Kette von Lindau aus weiter nach Meersburg und Konstanz sowie entlang des Untersees zu führen, gäbe das einen weiteren Eintrag ins Guinness-Buch. „Das wäre dann die längste Friedenskette, die es in Deutschland je gab. Es wäre natürlich wünschenswert, wenn sie um den ganzen Bodensee herumgehen würde.“

Auch in Bezug auf die für Sonntag, 4. Oktober, angekündigte Großdemonstration in Konstanz wurde Gerry Mayr konkreter. Er nennt die Veranstaltung „Erntedank-Demo“. Bei der Stadt habe er bereits drei Anmeldungen eingereicht.

Ziel bleibt der Eintrag ins Guinness-Buch der Weltrekorde

Gerry Mayr ist auf jeden Fall zuversichtlich, dass zumindest das erste Ziel erreicht wird. Auf der Internetseite der Aktion hätten sich nach seinem letzten Stand bereits 8000 Menschen angemeldet. „Aber das wird jeden Tag verdoppelt. Über unsere Busse können bis jetzt 12.000 Menschen herkommen.“ Die Teilnehmer kämen von überall her, auch aus Italien oder Frankreich.

Geplant sei, dass sich die Menschen am Samstag ab 6 Uhr morgens an verschiedenen Stellen entlang der geplanten Strecke versammeln, erklärt Mayr: „Zwischen 7 und 9 Uhr wird sich dann der innere Kreis bilden und später dann weitere Leute den äußeren Kreis.“ Wie bereits zuvor angekündigt, sollen sich die Menschen nicht an den Händen halten, sondern etwa durch Schals oder Tücher miteinander verbunden sein, wie es auf der Internetseite der Aktion heißt. Dort steht weiter, dass während der Veranstaltung „keine politischen Statements in jedweder Art erwünscht“ seien.

Gerry Mayr.
Gerry Mayr. | Bild: Wagner, Claudia

Entlang der Menschenkette sollen kleinere Veranstaltungen stattfinden

Gerry Mayr hat keine Angst davor, dass einzelne Kommunen in Liechtenstein, der Schweiz, Österreich oder Deutschland dem Traum vom Guinness-Buch-Eintrag ein Ende setzen könnten, denn: „Wer sollte es uns verbieten, auf der Erde zu stehen?“ Anmeldungen wird es aber zumindest für die kleineren Veranstaltungen brauchen, die laut Mayr dezentral von verschiedenen Gruppen entlang der Menschenkette organisiert werden. Ihren Abschluss solle die Aktion auf Klein Venedig finden, in Form einer Abschiedskundgebung.

Die genaue Route der Menschenkette ist jedoch noch nicht klar, so Mayr: „Ziel ist es, so nahe wie möglich am See zu sein, aber wir werden die Leute nicht durch einen Wald schicken: Die Sicherheit geht vor.“

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