Noch im November sah es zappenduster aus für den Dorfladen in Wallhausen. Der Genossenschaftsverband hatte die Schließung empfohlen. Diesem Ansinnen gab der damals erst seit einem Vierteljahr amtierende Vorstand allerdings nicht nach – eine goldrichtige Entscheidung, wie sich im Nachhinein erweisen sollte.

Das können die beiden Vorstände Dörte Röhm und Peter Binninger mit Resultaten belegen: Es sei gelungen, die Umsätze im Monatsvergleich zu den Vorjahren um rund 20 Prozent zu steigern. „Das Jahr 2019 konnte mit dem Ergebnis im Plus abgeschlossen werden, mit dem wir es im Minus übernommen haben“, berichtet Röhm.

Dazu bedurfte es aber eines Kraftakts

Zum einen hätten sie versucht, mehr Ehrenamtliche für die Mitarbeit zu finden, und wo das nicht gelang, mit Hilfe von Spenden die Finanzierung sicherzustellen. „Da hat Dörte viel eingetrieben“, sagt Binninger mit dankbarem Blick auf seine Vorstandskollegin. Die hat eine einfache Erklärung, wenn es um die Motivation für ihr ehrenamtliches Engagement geht: „Ich bin gerne am Kunden.“

Wie es auf dem Bodanrück generell mit der Nahversorgung weitergehen soll, das soll in einem Konzept der Stadtverwaltung niedergelegt werden. Die Freien Wähler aus Litzelstetten fordern dies so rasch wie möglich. Sie sehen dringenden Handlungsbedarf.

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In Wallhausen läuft es derzeit gut. Auch Ortsvorsteher Roger Tscheulin, der die Genossenschaft von Anfang an intensiv begleitet und Mitglied im Aufsichtsrat ist, lobt die Arbeit: „Das ist bemerkenswert“.

Bis vor kurzem gehörte er zu den ehrenamtlichen Helfern, die unter sich den Sonntagsverkauf ausmachen. Da er sich zu einer Risikogruppe zähle, habe er diese Unterstützung ausgesetzt. Ehefrau Sonja sei jedoch nach wie vor regelmäßig hinter dem Tresen anzutreffen.

Das Ziel: Die Neukunden halten

Die durch die Corona-Pandemie ausgelöste Krise brachte dem Dorfladen eine weitere Umsatzsteigerung. „Die macht etwa 20 Prozent bis 30 Prozent aus“, erläutert Peter Binninger. „Viele Einheimische sind im Home Office“, benennt er einen denkbaren Grund. „Und in einem Laden wie unserem lässt sich der Abstand besser einhalten“, glaubt er. „Wir werden sehen, ob uns die Neukunden erhalten bleiben.“

Hinter dem derzeitigen Erfolg stecken viele Stunden Arbeit, die Röhm und Binninger freiwillig leisten. Aufmerksamkeit in der Bevölkerung erreichen sie unter anderem mit einem von Gloria Rinke betreuten Facebook-Auftritt.

„Wir haben T-Shirts und Stofftaschen bedrucken lassen“, sagt sie. „Zu Ostern habe ich die T-Shirts an die Angestellten und die Ehrenamtlichen verschenkt. Die Taschen werden sehr gut angenommen. Viele junge Leute sind bereit, fünf Euro zu spenden.“

Die Trockenhefe ist noch aus

Mit der Corona-Pandemie kamen weitere Herausforderungen. Während des Klopapiermangels führte der Dorfladen eine Warteliste. „Unser Singener Lieferant hat uns angerufen, wenn wieder welches angekommen war“, berichtet Binninger.

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„Wir haben sie dann ausgefahren“, ergänzt Röhm. Übers Internet seien auch mal Zweierpackungen gekauft worden, wenn es keine Großpackungen gab. „Es gab wochenlang keine Hefe. Trockenhefe bekommen wir immer noch nicht geliefert.“

Ausgesetzt bleibt vorerst das Freitagsfrühstück

„So lässt sich der Personalbedarf besser planen. Dafür gibt es Marmelade und Brötchen zum Mitnehmen“, erläutert Röhm. „Wir werden das übers restliche Jahr so lassen.“ Auch die Angestellten und Ehrenamtlichen hatten Angst vor Corona.

„Zum Glück ist nichts passiert“, bekräftigt Binninger. Beim Ausgleich des personellen Engpasses hatten sie Glück. „Es sind zwei Kurzarbeiter eingesprungen, die über Freizeit verfügten und etwas fürs Dorf tun wollten.“

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