Null Grad, mal Regen, mal Schnee: Das bedeutet für die Mitarbeiter des Winterdienstes Dauereinsätze rund um die Uhr. Denn bei diesen Verhältnissen wird es auf Konstanz Straßen besonders tückisch – für Verkehrsteilnehmer und Straßendienst.

So auch in der Nacht auf Mittwoch, als Eis und Schnee für einige Unfälle im Landkreis sorgten und den Winterdienst auf Hochbetrieb hielten. Auf der L205 bei Stockach gab es einen Auffahrunfall mit 10.000 Euro Schaden, in Radolfzell verlor ein Fahrer auf glatter Fahrbahn die Kontrolle und rutschte in eine Hausecke. Doch wie kämpft der Winterdienst in Konstanz gegen die Glätte an? Und wo müssen Autofahrer und Fußgänger am meisten aufpassen?

Wie der Winterdienst reagiert

Am Dienstag sagte der Wetterdienst Schnee und Eis voraus. Henry Rinklin, der Leiter des Winterdienstes der Technischen Betriebe Konstanz (TBK), weiß, worauf es dann ankommt. Über Schnee und drohende Kälte werden die TBK ständig durch ihren Wetterdienst informiert. Jederzeit steht ein Einsatzteam bereit, falls es zu Eisbildung kommt.

Konstanzer Räumdienste sind nun im Dauereinsatz.
Konstanzer Räumdienste sind nun im Dauereinsatz. | Bild: Jennifer Moog

Als am Nachmittag der erste Niederschlag einsetzte, begann für die TBK der Ernst. Das heißt: Räum- und Streufahrzeuge fuhren besonders wichtige und gefährliche Straßen ab. Sogenannte Handtrupps sicherten öffentliche Plätze. Welche das sind, ist im Räum- und Streuplan der Stadt geregelt.

In diesem sind drei Hauptrouten festgelegt, die den Verkehr durch die Stadt auch im tiefsten Winter am Leben halten sollen. Dazu gehören unter anderem die wichtigsten Busstrecken, die Hauptfahrradwege, Bushaltestellen sowie die Gehwege vor Rathaus und Amtsgericht.

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Gegen Abend wurde klar, dass das Wetter nicht besser wird. Das bedeutete für den Leiter des Einsatzes, alle Wege erneut zu kontrollieren und an besonders exponierten Stellen nochmals zu streuen. Zum Beispiel auf Brückenspindeln oder in Hochlagen wie bei der Universität, weil es dort schnell neu gefrieren könne, erläutert Rinklin.

Wegen der wechselhaften Wetterlage war in den Morgenstunden unklar, ob und wann ein weiterer Einsatz notwendig sei. „Solche Einsätze sind äußerst komplex, weil sich Lage jederzeit ändern kann“, ergänzt er. Am Ende dauerte der Einsatz bis 10 Uhr morgens – dann waren die Konstanzer Straßen wieder sicher.

Zuständig für 280 Kilometer

Die TBK verfügen über zehn Einsatzfahrzeuge, die bei einem Volleinsatz auf den Straßen von Konstanz unterwegs sind. Hinzu kommen die Handtrupps. Insgesamt sind deshalb mehr als 70 Mitarbeiter im Einsatz. Sie reinigen und streuen 180 Bushaltestellen und Fußgängerüberwege sowie alle wichtigen Straßen – insgesamt 280 Kilometer in Konstanz. Dazu verwenden sie normales Streusalz und Sole – insgesamt etwa 30 Tonnen.

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Das ist den TBK erlaubt, da ansonsten noch größere Mengen an Splitt und Sand nötig wären. Deshalb sei das Salz effizienter, billiger und bei diesen Mengen an Split auch umweltverträglicher, erklärt Rinklin. „Zudem werden die Einsätze mit GPS kontrolliert und sorgfältig dokumentiert, um den verrichteten Dienst hinterher belegen zu können“, so der Leiter des Winterdienstes weiter.

Wo‘s gefährlich wird

In Konstanz gibt es einige gefährliche Stellen im Winter. Vor allem Brückenspindeln, Kurven und Senken, in denen sich Wasser sammelt, sind jetzt gefährlich. „Mit dem Rad ist es auf dem Weg entlang der Reichenaustraße deutlich weniger riskant als in einer Brückenspindel„, so Rinklin. Diese Stellen sind aber alle im Streu- und Räumplan enthalten.

Das Problem: Je nach Verkehrsaufkommen dauert ein Volleinsatz mehr als drei Stunden. Selbst wenn der Winterdienst frühzeitig auf Wettervorhersagen reagiert, wird es daher schwierig, alle wichtigen Stellen rechtzeitig abzufahren. Insbesondere wechselhaftes Wetter um null Grad macht die Eisbildung unvorhersehbar.

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Doch auch wenn bereits gestreut wurde, gilt weiterhin Vorsicht. Streusalz braucht bis zu 30 Minuten, um das Eis zu schmelzen. Einfach einem Streufahrzeug nachzufahren, muss also nicht unbedingt sicher sein. Und für Radfahrer und Fußgänger können kleine Stellen am Rand der Fahrbahn, die nicht vom Salz erreicht wurden, ebenso gefährlich werden wie nicht geräumte private Gehwege.

Da die Temperaturen in den nächsten Tagen weiterhin um null Grad pendeln und weitere Niederschläge drohen, haben Henry Rinklin und seine Mitarbeiter beim Winterdienst wohl weitere Dauereinsätze vor sich. Und auch für Bürger empfiehlt es sich, die Bestände an Splitt und Sand aufzufüllen.

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