13. August 1955: Ein bedeutender Tag für die christliche Gemeinschaft in Konstanz. So erhob Papst Pius XII. das Konstanzer Münster oder auch das Münster Unserer Lieben Frau zur „basilica minor“. Das dazugehörige päpstliche Dokument zur Erhebung hängt in der Sakristei des Münsters.

Woher kommt der Ehrentitel?

Doch warum sprach der Papst diesen besonderen Ehrentitel aus, dessen Verleihung lediglich bestimmten bedeutsamen Kirchengebäuden vorenthalten ist? Harald Derschka von der Universität Konstanz vermutet: „Vielleicht handelt es sich um einen Akt der Wiedergutmachung.“

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So sei das Konstanzer Münster bis ins Jahr 1821 Kathedrale des Bistums Konstanz gewesen. Dann habe Papst Pius VII. das Bistum aufgelöst, weil es den modernen Verwaltungsgrenzen nicht mehr entsprach.

Bischofssitz über mehrere Jahrhunderte

Dabei handelte es sich laut Derschka um einen eher unfreundlichen Akt, wenn man bedenke, dass am Ort des Konstanzer Münsters eine christliche Kulttradition seit der Spätantike bestand. Das gebe es in Baden-Württemberg sonst nirgends. Das Münster war für mehrere Jahrhunderte die Kathedrale der Bischöfe von Konstanz.

Harald Derschkas Vermutung bestätigt der Dekan des Dekanats Konstanz Mathias Trennert-Helwig. Er sagt: „Mit der Auflösung des Bistums verlor die Kathedrale ihre Rolle, die ging zusammen mit dem Bischof nach Freiburg. Als Trostpflaster erhob der Papst später das Münster dann zur ‚basilica minor‘“.

Freiburger Münster oder Kathedrale?

Durch die Verlagerung des Bischofssitzes wurde daraufhin Freiburg zur Kathedrale. Doch warum spricht man auch hier bis heute vom Freiburger Münster? Harald Derschka sagt: „Das deutsche Wort Münster„ ist abgeleitet vom lateinischen „monasterium“, was eigentlich Kloster bedeutet.“ Im weiteren Sinne bezeichne man damit geistliche Gemeinschaften.

Im deutschen Sprachgebrauch sei „Münster„ vielfach ein undifferenzierter Begriff für eine große, bedeutende Kirche, wie eben das Konstanzer oder Freiburger Münster. Harald Derschka führt aus: „Aus kirchenrechtlicher Sicht wäre es korrekt, von der Freiburger Kathedrale zu sprechen, aber diese Bezeichnung hat sich weder auf Deutsch, noch auf Latein gegen den traditionellen Namen durchsetzen können.“

Örtliche Tradition bestimmt Begriffe

Laut Dekan Mathias Trennert-Helwig sjnd die Begriffe Dom oder Münster nicht richtig definiert, sondern werden nach der örtlichen Tradition gebraucht. So spreche man in St. Blasien im Landkreis Waldshut vom Dom St. Blasius, dabei müsste die Klosterkirche eigentlich Münster heißen. Ähnlich verhalte es sich in Köln, so sei der Kölner Dom dort eigentlich eine Kathedrale, aus Tradition heraus sagen die Kölner allerdings Dom.

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Eine „basilica minor“ erkenne man übrigens daran, dass über dem Eingang der Kirche das Wappen des jeweils amtierenden Papstes eingelassen ist: über dem Hauptportal des Münsters prangt das Wappen von Papst Franziskus. Weitere Kennzeichen beziehungsweise traditionelle Insignien einer Basilika seien das Tintinnabulum, ein kleines Glöckchen und das Conopeum, ein gelb-rot gestreifter, kegelförmiger Seidenschirm. Beide Insignien können Besucher im Konstanzer Münster am Hochaltar finden.

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