Ganz Deutschland ist in diesem Jahr eine Weihnachtsmarkt-freie Zone. Ganz Deutschland? Von wegen! Im südlichsten Zipfel der Republik, im Konstanzer Stadtteil Wollmatingen, findet doch ein Weihnachtsmarkt statt. Vielleicht der kleinste überhaupt. Mit Sicherheit einer der stimmungsvollsten.

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„Das hier ist mein Leben“, sagt Organisatorin, Verkäuferin, Handwerkerin, Bäckerin und Gastgeberin Ursel Weih. Bei diesen Worten lacht sie herzlich. Wenn man sie so beobachtet, wie sie Adventskränze bindet, Krippenfiguren sortiert oder Kerzen verpackt, geht auch dem Besucher das christliche Herz auf.

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Gisela Schroff, Helga Knopp und Renate Minge beim Bummel durch den Markt in der Garage.
Gisela Schroff, Helga Knopp und Renate Minge beim Bummel durch den Markt in der Garage. | Bild: Oliver Hanser

„Wenn ich hier stehe und meine Kunden beraten und mit ihnen ein Schwätzchen halten darf, dann bin ich glücklich und freue mich wie ein Kind.“ Frau Weih rettet Weihnachten.

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Nun ist es keinesfalls so, dass die 71-Jährige Corona leugnen oder sich gegen Hygienemaßnahmen wehren würde – ganz im Gegenteil: Bis ins kleinste Detail hält sie sich mit ihrem geheimnisvollen Weihnachtslädele, wie sie zu dem weihnachtlichen Markt in der heimischen Doppelgarage in der Berchenstraße 37 sagt, an sämtliche Regeln und Vorschriften.

Ursel Weih verbringt in ihrer Werkstatt die Abende mit der Produktion von Adventskränzen.
Ursel Weih verbringt in ihrer Werkstatt die Abende mit der Produktion von Adventskränzen. | Bild: Oliver Hanser

Maximal drei Personen dürfen gleichzeitig hinein, das Tragen einer Atemschutzmaske ist obligatorisch, vor dem Eingang weisen Aufkleber auf den nötigen Abstand beim Anstehen hin.

Ampel als Einlasskontrolle

Eine Ampel am Eingang zeigt an, ob man eintreten darf oder die maximale Anzahl erreicht ist. Rot – bitte warten, grün – hereinspaziert in die gute Stube. „Ab nächster Woche darf sogar nur ein Mensch rein“, blickt Ursel Weih voraus.

Linzertorten im Lager warten auf neue Besitzer.
Linzertorten im Lager warten auf neue Besitzer. | Bild: Schuler, Andreas

Sie kann aber jetzt schon berichten: „Meine Kunden sind sehr diszipliniert und halten sich an die Vorgaben. Ohne würde es nicht gehen.“

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Sie hat bei der Stadt offiziell ein Gewerbe angemeldet – so wie in den vergangenen 14 Jahren auch schon. Ausschank von Getränken oder Verkauf von Speisen zum Vorort-Verzehr ist nicht erlaubt – dafür besitzt sie keine Lizenz, und das würde womöglich zu Problemen führen. „Doch Bummeln durch die Gänge bei der Suche nach weihnachtlichen Artikeln ist doch auch was“, sagt sie und lacht.

Eva Hämmerle.
Eva Hämmerle. | Bild: Schuler, Andreas

„Ich bin jedes Jahr hier“, sagt Eva Hämmerle, die ihren Adventskranz bei Ursel Weih gekauft hat. „Hier steckt so viel Liebe drin. Wo findet man denn noch Menschen, die mit so viel Hingabe und Leidenschaft für andere Menschen arbeiten?“

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Viel Geld verdient Ursel Weih nicht während der vier Wochen. „Es bleibt schon etwas übrig“, erzählt sie. „Aber mir geht es nicht ums Geld.“

Paletten mit Plätzchen im Lager.
Paletten mit Plätzchen im Lager. | Bild: Schuler, Andreas

Gisela Schroff, Helga Knopp und Renate Minge erscheinen. „Das ist so heimelig und stimmungsvoll“, sagt Gisela Schroff. „Wir kommen jedes Jahr“, sagen die beiden anderen und fügen mit Blick auf die Gastgeberin hinzu: „Frau Weih ist ein ganz lieber Mensch.“

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Anja Messner-Kopp.
Anja Messner-Kopp. | Bild: Oliver Hanser

Anja Messner-Hoppe ist aus Litzelstetten gekommen, um sich nach Weihnachtsartikeln und Dekoration umzusehen. Sie hat von einer Arbeitskollegin von dem Markt erfahren. „Was für eine tolle Sache“, sprudelt es aus ihr heraus. „Super, dass es das gibt – vor allem in diesem Jahr.“ Der liebevoll gestaltete Weihnachtsmarkt dauert noch bis 18. Dezember, täglich von 14 bis 18 Uhr findet man hier allerlei Festliches und Stimmungsvolles für den Advent.