Schullian war ein Aushängeschild der Fürstenbergler Narrenbühne, auf der er ein halbes Jahrhundert aktiv war. 24 Jahre lang (1989 bis 2013) lenkte er zudem als Präsident die Geschicke des Vereins. Jetzt nehmen die Fürstenbergler Abschied von dem hoch geschätzten Ehrenpräsidenten, der nach schwerer Krankheit am 8. September im Alter von 81 Jahren gestorben ist.

„Er war ein Schaffer, ein Macher, ein Komödiant, der immer positiv nach vorne geschaut hat“, beschreibt Joachim Heinzel, Betriebsleiter der Fürstenbergler, und: „Geht nicht, gibt‘s nicht, war sein Motto.“ In vielerlei Hinsicht war Sigi Schullian als Mann der Tat ein Vorbild. Sommerfeste beispielsweise hat er selber organisiert, von Überdachung bis Einkauf. „Das war seine Welt; für den Verein hat er gelebt“, sagt Heinzel.

Bodenständig, bescheiden und unvoreingenommen

Was Sigi Schullian so sympathisch machte, war seine bodenständige Art und seine Bescheidenheit. „Er hat nie sein Amt nach außen getragen. Er empfand sich nie als Chef, sondern als einer unter vielen“, sagt Joachim Heinzel, der Schullian als modernen, mit der Zeit gehenden Menschen beschreibt. Die Aufnahme von Frauen in den Narrenrat habe dessen Unterstützung gefunden und er habe Vereinsmitglieder zur aktiven Mitarbeit im Vorstand animiert.

Gerade jungen Menschen wollte er bei den Fürstenberglern eine Heimat bieten. Voreingenommenheit sei ein Fremdwort für Schullian gewesen. „Leben und leben lassen war sein Leitmotiv. Er war kein Mensch, der dauernd alles hinterfragt hat. Er hat das Leben genossen“, so Heinzel.

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Die Zuschauer der Fürstenbergler Saalfasnacht werden sich an unvergessliche Abende im Gasthaus Linde und zahlreiche Paraderollen von Sigi Schullian erinnern. Das Erzählen von Witzen prägte seine Solo-Nummern und in Couplets – viele Jahre gemeinsam mit Jürgen Greis, später mit Andy Engler – ging er aus sich heraus. Mal mimte er den gestrengen Verkehrspolizisten, mal das unschuldige Kleinkind, ein anderes Mal gab er sich ganz als Dame.

Überzeugend schlüfte Sigi Schullian im Jahr 2005 in die Rolle eines gestrengen Verkehrspolizisten. (Archivbild)
Überzeugend schlüfte Sigi Schullian im Jahr 2005 in die Rolle eines gestrengen Verkehrspolizisten. (Archivbild) | Bild: Scherrer, Aurelia

Sigi Schullian wusste mit dem Publikum zu spielen und gemeinsam mit allen anderen die Zuschauer mit einem speziellen Programm zu unterhalten. Der mittlerweile verstorbene Erzfasnachter Alfred Heizmann charakterisierte die Fürstenbergler in seiner kess formulierten Laudatio zum 50-jährigen Vereinsbestehen anno 2008 folgerdermaßen: Dieser Verein sei eine Art „Subkultur“, sein Markenzeichen „der besondere Humor, den man in der Altstadt so nicht kennt“, denn, so Heizmann: „Die Fürstenbergler sind dafür bekannt, hier wird ein Seckel noch Seckel genannt.“

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Von Schullians unvergleichlichem Unschuldsblick können auch alle anderen Bühnenakteure und vor allem die Spielleiter ein Liedchen singen. Frühzeitig mit der Erarbeitung seines Textes zu beginnen und diesen rechtzeitig auswendig zu lernen, das war nicht wirklich Sigi Schullians Ding.

„Mit verschmitztem Lachen und Unschuldsmine“

„Seine Texte hat er auf den letzten Drücker gekonnt“, berichtet Joachim Heinzel. „Letzter Drücker“ konnte dann durchaus die Premiere bedeuten. Heinzel erinnert sich noch gut an den Moment einer Hauptprobe, bei der bei Schullians Auftritt „alle den Angstschweiß auf der Stirn hatten“, wie Joachim Heinzel äußerst lebhaft erzählt. „Mit verschmitztem Lachen und Unschuldsmine“ habe Schullian dann beruhigend gemeint, er könne den Text bis zur Premiere, was ihm letztlich tatsächlich gelang.

„Sigi hatte viele Paraderollen, die ihm gelegen sind, und er war ein guter Sänger. Er hat einen einfachen Humor gehabt, gerne Witze erzählt und das ist gut so“, betont Joachim Heinzel.

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