Wer am Konstanzer Bahnhof ein Ticket vom Hauptbahnhof nach Italien, beispielsweise nach Pisa, lösen will, wird am Schalter der Deutschen Bahn (DB) erst einmal überrascht. Denn ein derartiges Ticket kann man dort nicht erwerben, die Schweizerische Bundesbahnen AG drei Meter nebenan ist dafür zuständig. Das Problem: Im Normalfall sind die Tickets der Schweizer teurer.

Preise bei SBB und DB unterschiedlich

Ein Selbstversuch zeigt: Am Schalter der DB am Konstanzer Bahnhof kann man tatsächlich kein Ticket nach Pisa erwerben, der Mitarbeiter verweist auf die Kollegen von der SBB. Dort kostet ein Ticket zu einem bestimmten Datum 264 Franken, heißt 245 Euro nach aktuellem Wechselkurs.

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Das Kuriose: Über den Kundenservice der DB beziehungsweise über das Internet lässt sich dasselbe Ticket für die selbe Verbindung am gleichen Tag ebenfalls kaufen – für 212 Euro, also deutlich günstiger als beim Schweizer Unternehmen. Doch warum kann man denn nun am Konstanzer DB Schalter ein solches Ticket nicht kaufen? Laut einem Sprecher der Bahn geht diese Regelung auf einen Staatsvertrag aus dem 19. Jahrhundert zurück.

Seit 1852 vertraglich geregelt

Genauer gesagt handelt es um den „Staatsvertrag zwischen der Schweizerischen Eidgenossenschaft und dem Großherzogtum Baden betreffend die Weiterführung der badischen Eisenbahnen über schweizerisches Gebiet“ von 1852 und folgenden Verträgen. Gemäß dieser Verträge sei Konstanz ein Gemeinschaftsbahnhof und Grenzbahnhof und somit ein spezieller Fall.

„Konkret verkauft die SBB hier Tickets Richtung Süden, also in die Schweiz und durch die Schweiz„, sagt der Bahnsprecher. „Die DB verkauft Tickets in Richtung Norden nach Deutschland und über Deutschland hinaus.“ Dies entspreche den Regelungen der jeweiligen Binnentarife beziehungsweise dem „Gemeinsamen Internationalen Tarif für die Beförderung von Personen“ bei länderübergreifenden Fahrten.

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Zusätzlich verfüge der Bahnhof Konstanz über eine Verkaufsstelle der DB, sowie der SBB, gibt Olivier Dischoe von der SBB an. Dies mache den Bahnhof nochmals zu einem Sonderfall. „Deshalb wurde vor einigen Jahren die gemeinsame Mobilitätszentrale geschaffen“, sagt SBB-Mediensprecher Dischoe. Der Vertrag zwischen den beiden Parteien gilt seit Juni 2010.

Laut dem Sprecher der DB sei in Konstanz außerdem darin speziell, dass unterschiedliche Währungen und Wechselkurse ins Spiel kämen. Tarife würden allerdings nicht nach den jeweiligen Wechselkursen festgelegt, sondern übergeordnet geregelt. Diese Handhabung habe darüber hinaus nichts mit Konkurrenzausschluss, sondern mit der „Anwendung unterschiedlicher Tarife in unterschiedlichen Währungen“ zu tun.

Benachteiligung für Konstanzer?

Für Oliver Buttler von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg ist dennoch nicht richtig nachvollziehbar, wie dieses Verfahren aus dem Staatsvertrag abgeleitet wird. „Der Grund, warum das so gemacht wird, ist für mich nicht auf den Staatsvertrag zurückzuführen“, so Buttler.

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Der nächste Bahnhof mit Schalter in Radolfzell ist von dieser Regelung nicht mehr betroffen. Dort kann man ein Ticket nach Pisa beim DB-Schalter kaufen, schließlich existiert dort auch kein SBB-Schalter. Für Buttler stellt das eine Ungleichbehandlung der Konstanzer Bürger gegenüber den Radolfzeller Bürgern dar. In diesem Punkt seien Konstanzer klar benachteiligt.

Angebot wird künstlich getrennt

Stefan Buhl vom Fahrgastverband Pro Bahn Baden-Württemberg findet es absurd, dass nicht einfach dieselben Tickets bei beiden Unternehmen verkauft werden. „Es kaufen so oder so nicht viele Menschen ein solches Ticket“, sagt er. „Wer da die Provision bekommt, ist doch egal. Das könnte man ansonsten auch einfach aufteilen.“ Für ihn wird hier das Angebot künstlich verknappt und getrennt. Und das zum Nachteil des Kunden.

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Letztendlich gibt es für Konstanzer aber doch mehrere Möglichkeiten, an ein günstigeres Ticket nach Italien zu kommen. Entweder man weicht auf einen anderen Bahnhof mit Schalter, beispielsweise eben Radolfzell aus, oder man bucht über das Internet oder über den telefonischen Kundenservice. Egal wie, wirklich durchdacht, geschweige denn durchschaubar, scheint diese vertragliche Regelung nicht zu sein, findet auch Verbraucherschützer Oliver Buttler.

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