Der Bodensee Campus bietet sonst Exkursionen zu Verbänden und Vereinen sowie Praxisgespräche mit Spitzensportlern wie Skispringer Martin Schmitt. Doch jetzt, beim zehnten Jubiläum, ist alles anders: Exkursionen fallen aus, die meisten Veranstaltungen finden online statt – genau wie das Gespräch mit dem SÜDKURIER.

Doch das hat auch Vorteile: Beim Online-Vortrag von Nick Martin, einem Weltenbummler, der seit sechs Jahren von Land zu Land reist, konnten alle Studenten teilnehmen – mehr als normal in den kleinen Räumen auf dem Campus. Denn Nick Martin hatte Interessantes zu erzählen – zum Beispiel, wie er auf den Fidschis angeschossen wurde, in Las Vegas gestrippt hat und warum er nackt durch Seattle geradelt ist. Und das ist nicht alles.

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Beim Blick auf die vergangenen zehn Jahre fallen Michael Steinbach und seiner Frau Eva Schmidt-Steinbach, die sich um das Marketing des Bodensee Campus kümmert, noch viele weitere Highlights ein. Vor allem in die Welt des Sports bekommen die Studenten viele Einblicke – auch in die Bundesliga. Ausflüge zum SC Freiburg finden regelmäßig statt.

Einblicke in die Bundesliga

Zum Beispiel habe Sportjournalist Mario Harter die Studenten mal mit ins Eurosport-Studio genommen, berichtet Steinbach. „Damals hatte Eurosport noch Rechte an der Bundesliga. Unsere Studenten durften dann eine Folge des Bundesligamagazins produzieren.“

Und dann konnte auch noch Willi Lemke, der ehemalige Manager des SV Werder Bremen und UN-Sonderbotschafter für Sport, als Dozent für das Studienzentrum gewonnen werden. Wie es dazu kam?

Michael Steinbach, Geschäftsführer des Bodensee Campus.
Michael Steinbach, Geschäftsführer des Bodensee Campus. | Bild: Eva Schmidt-Steinbach / Bodensee-Campus

Michael Steinbach lacht – und erzählt: „Über einen ehemaligen FIFA-Mitarbeiter konnten wir Willi Lemke als Hauptredner für unsere Masterfeier gewinnen.“ Dort habe es ihm so gefallen, dass er abends zuerst gar nicht in sein Hotel nach Zürich fahren wollte. „Eine Woche später hat er selbst bei uns angerufen und angeboten, als Dozent zu arbeiten.“

Generell seien die Praxisdialoge und Exkursionen die Höhepunkte der vergangenen zehn Jahre gewesen. Michael Steinbach erinnert sich an einige besondere Momente. „Der Präsident des Weltbasketballverbandes hat unsere Studenten einmal zum Abendessen eingeladen – in der Schweiz, auf dem teuersten Pflaster, das man sich vorstellen kann. Das war natürlich toll.“

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Studenten – zumindest die Mutigen unter ihnen – durften beim Besuch des Weltradsportverbandes, die Bahnradstrecke ausprobieren. „Radfahren ohne Bremsen in 45-Grad-Kurven – das erlebt man nicht alltäglich“, sagt Olympiasieger Steinbach lachend. Zudem gebe es eine fünftägige Exkursion in die Schweiz. „Dort besuchen wir die FIFA-Zentrale in Zürich und das Internationale Olympische Komitee in Lausanne.“

Exkursion nach Kitzbühel

Seine Frau Eva Schmidt-Steinbach berichtet von einem weiteren besonderen Moment: „Mit unserem Sportmaster waren wir in Österreich bei der Einkleidung von Skisportlern wie Marcel Hirscher. Das ist ein Riesenevent.“

Eigentlich dürften dort nur Sportler und Funktionäre rein, nicht einmal die Presse sei zugelassen. „Aber unsere Studenten waren dabei. Solche Dinge bekommt man normalerweise nicht zu Gesicht – aber wir bieten das“, sagt sie.

Eva Schmidt-Steinbach, Marketing am Bodensee Campus.
Eva Schmidt-Steinbach, Marketing am Bodensee Campus. | Bild: Eva Schmidt-Steinbach / Bodensee-Campus

„Am Tag danach waren wir in Kitzbühel auf der Streif – eine der härtesten Abfahrtsstrecken der Welt“, ergänzt Michael Steinbach. „Der Chef der Hahnenkammrennen, Michael Huber, ist mit uns hoch ins Starthaus und hat von den Rennen erzählt. Er sagte uns, so etwas mache er normal nicht – nicht einmal als es ein Millionenangebot aus China dafür gab.“

Doch wie gewinnt man all die prominenten Sportler und Experten als Dozenten? „Sportler untereinander kommen immer gut ins Gespräch und finden einen gemeinsamen Draht“, weiß Michael Steinbach. Zum Beispiel gebe es ein ungeschriebenes Gesetz: „Wenn man als Olympiasieger das IOC-Gebäude in Lausanne betritt, dann wird man von Präsident Thomas Bach immer persönlich begrüßt.“ So ein Titel öffne viele Türen. „So baut man nach und nach ein Netzwerk auf, von dem dann die Studenten profitieren können.“

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Und genau das wolle man denen nun beibringen, wirft Eva Schmidt-Steinbach ein. „Wenn da einer ist mit guten Kontakten, dann vernetz dich mit ihm!“ Die Exkursionen seien dafür da, einen Blick hinter die Kulissen zu erlangen und schon früh im Studium Netzwerke aufbauen zu können. „Unsere Absolventen können danach in Betriebe gehen, die sie schon aus dem Studium kennen.“

Kleine Gruppen mit Praxisbezug

Was zeichnet den Bodensee Campus sonst noch aus? „Die Studenten sind für uns hier nicht nur eine Matrikelnummer, sondern Menschen“, sagt der Olympiasieger. „Bei uns kennt jeder jeden beim Namen.“ Man arbeite in kleinen Gruppen, biete eine individuelle Betreuung und persönliche Gespräche. Ein Großteil des Unterrichts bestehe aus interaktiven Angeboten mit Gruppenarbeit und hohem Praxisbezug.

„Wer in die große weite Welt gehen und tausend Leute um sich haben will, ist hier natürlich falsch. Wir haben eine Wohnzimmeratmosphäre“, erklärt Michael Steinbach. „Unsere Bürotüren sind im wahrsten Sinne des Wortes immer offen.“ Denn es gibt keine festen Sprechzeiten.

„Das hat mich in meiner Studentenzeit so gestört, dass ich es anders machen wollte“, sagt er. Und das soll auch in den nächsten Jahren so bleiben, für die die beiden bereits Ziele haben: „Wir wollen weitere Studiengänge anbieten – zum Beispiel Digitalisierung im Gesundheitswesen. Und es ist natürlich ein Ziel, irgendwann 300 Studenten hier zu haben.“

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