Bärbel Haller wirkt schon auf den ersten Blick sympathisch. Sie trägt ihre Haare kurz und rot gefärbt. Dazu ein gepunktetes Kleid und eine bunte Kette um ihren Hals. Schon nach wenigen Minuten wird deutlich, warum sich dieser Frau viele Eltern mit ihren Sorgen und Ängsten anvertrauen. Sie strahlt von Grund auf eine Warmherzigkeit aus. Ein offenes Lächeln verstärkt den Eindruck. Die 59-Jährige arbeitet als Elternberaterin beim Albert-Schweitzer Kinderhaus in Wollmatingen.

 

Dafür hat sie eine pädagogische Ausbildung absolviert. Doch darüber hinaus ist sie auch einfach Mutter. Ihre Töchter sind mittlerweile 30 und 27 Jahre alt. Deshalb kann sie gut nachvollziehen, wie es vielen Eltern beim Einkauf mit Kindern geht. Auch ihre große Tochter habe beim Einkauf "viel gebockt und geschrien", erinnert sich Haller.

Gemeinsamer Einkauf im Supermarkt

Das Ziel ist auch heute ein Supermarkt. Worauf können Eltern beim Einkauf achten? Und wie viele Süßigkeiten dürfen am Ende im Korb landen? Der Weg führt zunächst durch die Obst- und Gemüseabteilung. Die erste Falle lauert dann im Kühlregal bei den Joghurts. Genau auf Kinderhöhe sind dort viele bunte und süße Joghurts platziert.

Die Joghurts für Kinder sind auf deren Kopfhöhe platziert.
Die Joghurts für Kinder sind auf deren Kopfhöhe platziert. | Bild: Wetschera, Wiebke

Dass Kinder Lust am Süßen verspüren würden, sei völlig normal: "Das ist logisch, wenn sie es überall sehen", sagt Haller. Kinder wüssten meist, wo die Produkte zu finden seien. "Das sind in ihren Augen natürlich schöne, bunte Sachen", sagt Haller. Eltern könnten so einen Joghurt auch mal kaufen, wenn das nicht alltäglich passiere.

Im Süßigkeitenregal wartet die große Verführung

Die nächste Station bedeutet für Kinder Verführung pur: das Süßigkeitenregal. Hier macht Haller Halt. Jetzt geht es daran, zwei Körbe vollzupacken. Den einen aus Kindersicht, den anderen aus Elternsicht. Im Kinderkorb sind viele Süßigkeiten zu finden: darunter Kaugummi, Fruchtgummi und Brausetabletten – alles bunt und ansprechend verpackt.

Bild: Wetschera, Wiebke

"Wenn zusätzlich kleine Geschenke dabei sind, ist es für Kinder natürlich doppelt spannend", sagt Haller. So verkauft Haribo eine Gummibärchen-Tüte mit einer Tasse dazu. Zu dem gepackten Korb sagt Haller: "Wenn eine große Packung dabei ist, sollte diese gut eingeteilt werden. Die Packung mit der Tasse kann eher als Geschenk dienen."

Dann packt Haller den gleichen Korb mit dem Elternblick. Plötzlich sind dort auch Butterkekse und Salzbrezeln zu finden. Aber – auch sie tut Süßigkeiten in den Korb.

Bild: Wetschera, Wiebke

"Gummibären sind in Maßen absolut in Ordnung", sagt Haller. Wert sollten Eltern auf die Verpackung der Süßigkeiten legen. Daher hat Haller Schokobons und Smarties gewählt – "Sie sind gut einteilbar", sagt Haller. Wenn sie schon in der Verpackung eingeteilt sind, habe das eine andere Wirkung, als wenn die Eltern sie selbst portionieren. "So habe ich dann die Kontrolle darüber", sagt Haller.

6 Einkaufs-Tipps für Eltern

  1. Entspannt bleiben: Bärbel Haller hört bei einem Supermarktbesuch schon von Weitem das Schreien eines Kindes. Als sie am Regal vorbeischaut, sieht sie dort das Kind mit seinem Vater. "Er hat das richtig toll gemacht", sagt sie rückblickend. Der Vater sei selbst ganz entspannt geblieben und habe so versucht, das Kind zu beruhigen. "Eltern müssen in solchen Situationen gelassen bleiben", sagt Haller. Die anderen Besucher des Marktes würden oft dazu führen, dass die Eltern sich zusätzlich stressen ließen. Das muss nicht sein: Eltern sollten in der Situation "einfach ein bisschen gechillt und mit sich selbst nicht so streng sein", sagt Haller.
  2. Verständnis zeigen: Allgemein gibt es die Seite der Eltern und die Seite der Kinder. Sich das zu verdeutlichen sei auch beim Streit um den Einkauf wichtig. Eltern sollen möglichst Verständnis für ihr Kind zeigen: "Ich verstehe, dass du sauer bist" könnten Eltern sagen. "Dann fühlt sich das Kind ernst genommen", sagt Haller.
  3. Diskussion zu Hause: "In der Situation zu kämpfen, ist aussichtslos", sagt Haller deutlich. Die Diskussion solle lieber zu Hause stattfinden. Dann dürfen Eltern auch sagen "Das stresst mich, wenn wir uns im Supermarkt immer streiten" und gemeinsam eine Lösung finden. Eine Möglichkeit sei beispielsweise Regeln für den Einkauf festzulegen. "So kann dieser in Zukunft stressfrei bleiben", sagt Haller.
  4. Konsequent sein: Kinder testen die Grenzen der Eltern aus, das ist ganz normal. Um den Kindern beim Einkauf eine Orientierung zu bieten, ist es wichtig, konsequent zu bleiben. "Kinder brauchen klare Richtlinien und Grenzen", sagt Haller. Wenn Eltern sich immer wieder weich werden würden, dann führe das langfristig zu Verwirrung: "Eltern müssen zuverlässig sein, wenn es eine klare Linie gibt, dann akzeptieren Kinder das auch", sagt Haller.
  5. Ausnahmen erlauben: Trotzdem, so Haller, seien Ausnahmen absolut erlaubt und auch erwünscht. Wenn diese als Ausnahmen definiert werden, können Kinder das auch verstehen. "Dann gibt es Süßigkeiten mal als Nachtisch oder für später", sagt Haller.
  6. Kinder einbeziehen: Ab einem gewissen Alter können Kinder auch in den Einkauf mit einbezogen werden. Sie können Produkte für die Eltern aus den Regalen holen und sich damit am Familieneinkauf beteiligen. "Dann hat das Kind auch eine Aufgabe und ist beschäftigt", sagt Haller.

Süßigkeitenecke am Kassenband

Die harte Probe kommt meist erst beim Ende des Einkaufs. Am Kassenband warten lauter kleine Süßigkeiten auf die Kinder. "Umso länger man an der Kasse wartet, desto gefährlicher wird es", sagt Haller. Überraschungseier, Schokoriegel und das Eis in der Gefriertruhe stellen Eltern und ihre Kinder dann gegen Ende des Einkaufs nochmal vor eine Herausforderung.

Beim Süßigkeitenregal an der Kasse wartet noch einmal die Verführung auf die Kinder.
Beim Süßigkeitenregal an der Kasse wartet noch einmal die Verführung auf die Kinder. | Bild: Wetschera, Wiebke

Wer als Eltern den gesamten Einkauf über die Kontrolle behält, der hat gute Chancen, auch am Kassenband weniger Probleme zu bekommen. Dafür brauchen Kinder "das Gefühl, dass sie auch mithelfen durften" – das könne helfen. "Aber der Hang zum Süßen ist natürlich da", sagt Haller. Und da müssen Eltern – und das betont die Elternberaterin immer wieder – einfach Ruhe bewahren. Auch wenn das Kind mal fast den ganzen Supermarkt zusammenschreit.