Die Schuldnerberatung der Caritas Konstanz bereitet sich auf einen Ansturm von Nachfragen vor. Joachim Trautner, Leiter der sozialen Dienste, geht davon aus, dass die wirtschaftlichen Verwerfungen durch die Corona-Krise viele Privathaushalte in Finanzierungsnöte bringen werden, und erweitert die Sprechzeiten.

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„Wir sind jetzt jeden Vormittag erreichbar, über Telefon, E-Mail und Videochat“. Am Haus der Caritas in der Uhlandstraße sei ein gesonderter Briefkasten aufgestellt worden, nur für Unterlagen, die an die Schuldnerberatung gehen. Die Beratung ist kostenfrei.

Weniger Geld für viele Arbeitnehmer

Viele Arbeitnehmer müssen jetzt mit weniger Geld auskommen, weil ihre Betriebe etwa Kurzarbeit fahren. Doch es bleiben Verpflichtungen durch Ratenkredite und laufende Kosten. „Wer das Gefühl hat, es wird eng, soll anrufen“, ermuntert Trautner.

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Die Schuldnerberatung helfe, die Finanzen zu ordnen, einen Haushaltsplan für die Krise aufzustellen, und mit Gläubigern individuell zu verhandeln. Wer zur Schuldnerberatung komme, müsse allerdings alle Karten auf den Tisch legen. „Die Beratung hat nur Sinn, wenn wir den vollen Überblick über die Einnahmen und Ausgaben haben.“ Idealerweise komme ein Ratsuchender, bevor sich nennenswerte

Gar nicht erst tief ins Minus kommen

„Wir wollen präventiv wirken, sodass einer gar nicht ins Minus kommt“, sagt Joachim Trautner. Vielfach beherzigten dies Schuldner aber nicht. Im Jahr 2019 hatten von den 287 Personen, die umfangreich beraten und deren Finanzen saniert wurden, 13 sogar mehr als 100.000 Euro an Schulden, bei 30 Anfragenden lagen sie in der Höhe zwischen 50.000 und 100.000 Euro.

Joachim Trautner nennt die goldenen Regeln für Menschen, die nun plötzlich mit weniger Geld auskommen müssen:

  • Der gute Überblick: Es gelte erst einmal einen Haushaltsplan aufzustellen, bei dem alle Einnahmen und alle Ausgaben gegenüber gestellt werden. Diese Auflistung erleichtert es, Posten zu finden, die sich leicht einsparen lassen.
  • Bares ist Wahres: Auch wenn in Zeiten der Corona-Krise immer wieder dazu aufgefordert wird, mit der Karte zu zahlen, rät Joachim Trautner davon ab. Wer bar zahle, behalte leichter den Überblick zu den Ausgaben.
  • Der kluge Einkauf: Nur nicht mit knurrendem Magen in ein Lebensmittelgeschäft gehen, rät Joachim Trautner. Denn die Versuchung sei dann groß, zu viel einzukaufen. Wer das verhindern wolle, gehe satt und mit einer Liste in den Laden, auf der alles verzeichnet sei, was im Haushalt benötigt werde. Wer dann tatsächlich nur das kaufe, was auf der Liste stehe, habe die volle Kontrolle über die Ausgaben.
  • Mit den Gläubigern sprechen: Wer Ratenkredite oder andere Zahlungsverpflichtungen nicht mehr bedienen könne, sollte sofort mit dem Gläubiger sprechen, sagt Joachim Trautner. In der Regel gebe es Möglichkeiten zum Aufschub. Das Team der Schuldnerberatung sei geübt in solchen Verhandlungen. Wer sich selbst so ein Gespräch nicht zutraue, bekomme dort Hilfe. Manchmal seien Gläubiger froh, wenn wenigstens ein Teil der Schulden beglichen werde, so die Erfahrung des Beratungsteams. Bei hohen Schulden sei nicht immer die Privatinsolvenz die Lösung. Manchmal gebe es auch außergerichtlich Möglichkeiten für eine Einigung.
  • Zur Monatszahlung übergehen: Vielfach werden Beiträge und Gebühren für ein Quartal oder ein halbes Jahr abgebucht. Die dann recht hohe Summe bringt Haushalte gern finanziell in Schwierigkeiten. Denn oft wurde vergessen, für diese Beträge Geld zurück zu legen. Joachim Trautner rät, die Zahlungen auf monatlich umzustellen, auch wenn die Einzugsstelle oftmals behaupte, dies sei nicht möglich. Dies sei so nicht richtig.
  • Die Wohnung retten: Wer Probleme habe, die Miete zu bezahlen, sollte unverzüglich mit seinem Vermieter ins Gespräch kommen, sagt Joachim Trautner. Auch hier helfe die Schuldnerberatung auf Wunsch. Das Team sei geübt, solche Verhandlungen zu führen. „Viele Mieter tauchen ab.“ Dies aber sei die schlechteste Möglichkeit, dem Problem zu begegnen. Trautner weist darauf hin, dass in manchen Fällen ein Antrag auf Hartz IV sinnvoll sein könne. Denn für drei bis sechs Monate könne das Amt auch Mietzahlungen übernehmen, die über den Sätzen liegen, die für die angemessene Miete festgelegt wurden.

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