Kaum ein Wassersport ist in so kurzer Zeit so gewachsen wie das Stand-up-Paddling.

Martin Malchus freut es, dass diesen Sommer mehr Menschen als je zuvor den Bodensee mit Brett und Paddel erkunden. Malchus ist Stehpaddler der ersten Stunde, er leitet die SUP-Abteilung beim Kanu-Club Konstanz.

Bild: Lukas Ondreka

Der SUP-Ausbilder liebt seinen Sport und er ist froh um jeden neuen Stehpaddler. „Es ist ein toller Wassersport, der einfach zu lernen ist.“

Doch der Trend habe auch Schattenseiten, betont Malchus. Aus Unwissenheit und Rücksichtslosigkeit habe die Zahl der Regelverstöße und Unfälle zugenommen. „Mich macht das wütend, denn das gefährdet Menschenleben und den Ruf unseres Sports.“

Martin Malchus erklärt, worauf es ankommt, damit der Paddel-Spaß nicht zur Paddel-Katastrophe wird.

1. Das gehört zum sicheren Stehpaddeln dazu

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Zum Stand-up-Paddling gehören nicht nur Brett und Paddel, erklärt Malchus. Eine Schwimmweste sollte zur Sicherheit in jedem Fall auf dem Brett mitgeführt werden.

Laut Bodensee-Schifffahrtsordnung ist das Mitführen einer Schwimmweste ab 300 Metern Entfernung vom Ufer Pflicht. Bei einem Verstoß drohen 75 Euro Bußgeld.

Eine mögliche Alternative zur Rettungsweste stellt laut Malchus das Tragen einer Rettungsboje vom Hersteller Restube dar.

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Für Fahrten auf dem See sollte das Board mit einer Halteleine – genannt Leash – am Körper befestigt werden. Bei einem Sturz ins Wasser kann das Brett so nicht davontreiben.

Auf Fließgewässern wie dem Seerhein sollte die Leash mit Vorsicht gebraucht werden, rät Malchus. Die Leine könne sich auf dem Gewässergrund verhaken, dabei seien schon Stehpaddler ums Leben gekommen.

Der Profi rät dazu, die Leash nicht am Knöchel, sondern auf Höhe unterhalb des Knies anzubringen, so lasse sich die Leine im Notfall schneller lösen.

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Das eigene Board muss mit Namen und Kontaktdaten des Eigentümers versehen werden, erklärt Malchus.

Denn wenn ein herrenloses Board aufgefunden werde, könnten die Rettungskräfte nur so klären, ob sich der Stehpaddler in Not befinde oder nicht.

Die Kennzeichnung ist Pflicht am Bodensee, ein Verstoß dagegen kann mit 60 Euro geahndet werden.

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Auf längeren Touren sollten Stehpaddler zudem einen wasserdichten Packsack mit Trinkwasser, Handy und Erste-Hilfe-Set mitführen, erklärt Malchus.

Gegen die Sonneneinstrahlung seien Sonnencreme und Kopfbedeckung empfehlenswert.

Zur besseren Sichtbarkeit auf dem Wasser empfiehlt der Experte Kleidung in auffälligen Warnfarben.

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Auch bei der Wahl des richtigen Stand-up-Boards weiß der Profi Rat. Einsteiger sollten sich nicht gleich ein Brett kaufen und den Wassersport stattdessen zunächst mit einem Leihboard testen.

Wer Spaß am Stehpaddeln hat und sich ein eigenes Brett zulegen möchte, sollte statt eines sehr breiten Einsteigerbretts gleich ein schnittiges Board kaufen, erklärt Malchus. Dies sei nachhaltiger, weil der Paddler länger etwas von seiner Investition habe.

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Stand-up-Boards sollten außerdem nie für längere Zeit der Sonne oder heißem Asphalt ausgesetzt werden, vor allem im aufgeblasenen Zustand. Dabei könne schnell Überdruck entstehen und das Brett platzen. „Ich habe schon mehrfach beobachtet, das Leuten Boards geplatzt sind.“

2. Wetter, Wind und Fähigkeiten richtig einschätzen

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Vor Fahrtantritt sollten Stehpaddler immer die Wetterbedingungen überprüfen, erklärt Marin Malchus. Bei Nebel, Sturm oder Gewitter sollte nicht gepaddelt werden.

Gerade am Bodensee könne das Wetter aufgrund des großen Wasserkörpers und der Nähe zu den Bergen sehr schnell umschlagen. Eine Brise entwickle sich dann schnell zu einem Sturm, der Wassersportler überrascht. Auf dem See sollten die Signalleuchten für Sturm- und Starkwindwarnung im Blick behalten werden.

Auch sollten Einsteiger ihre körperliche Verfassung nicht überschätzen, betont der SUP-Ausbilder. Eine Tour sollte immer so geplant werden, dass genügend Kraft für die Rückfahrt bleibe.

„Unfälle passieren vor allem, weil Stehpaddler die Wetterverhältnisse und ihre eigenen Fähigkeiten falsch einschätzen“, sagt der SUP-Experte Malchus.

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Sollte es dennoch einmal zu einem Notfall auf dem Wasser kommen, helfen folgende Regeln, erklärt Malchus: Ruhe bewahren. Immer beim Board bleiben. Bei Wind auf den Knien, sitzend oder liegend weiterpaddeln.

Wenn das Ufer oder ein rettendes Boot aus eigener Kraft nicht erreicht werden können: Die Arme über Kopf kreuzen und um Hilfe winken. Und zu guter Letzt: Mit dem Handy die internationale Notrufnummer 112 anrufen.

3. So verhalten sich Stehpaddler auf dem Wasser richtig

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Mit der Zunahme der Stand-up-Paddler sei auch die Zahl der Regelverstöße explodiert, erklärt Malchus. „Im schlimmsten Fall führt das zu neuen Auflagen und Restriktionen.“

Gegenseitige Rücksichtnahme und das beachten der Regeln auf dem Bodensee sollten eigentlich selbstverständlich sein, sagt der Experte.

Ein generelles Fahrverbot gelte in Bereichen, die durch rot-weiß-rote Bojen oder Schilder gekennzeichnet sind, zum Beispiel für Badezonen.

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Der Aufenthalt in Hafeneinfahrten ist streng untersagt und kann mit bis zu 100 Euro Bußgeld bestraft werden. Müssen Hafeneinfahrten oder Landestellen gequert werden, sollte dies zügig und mit sicherem Abstand geschehen.

Auf dem Bodensee gelten zudem Vorfahrtsregeln, erklärt Malchus: Vorrangschiffe wie Linienschiffe und Fahrzeuge im Noteinsatz haben grundsätzlich Vorfahrt. Der Bremsweg bei Fahrgastschiffen könne 100 Meter und länger sein.

Darüber hinaus könnten sich Stehpaddler am Bodensee an der Faustregel orientieren: Windkraft vor Muskelkraft vor Motorkraft. Stehpaddler müssen etwa Seglern Vorfahrt gewähren, haben aber Vorrang vor Motorbooten.

Malchus betont aber: „Im Zweifelsfall sollte man als Stehpaddler nicht auf sein Vorfahrtsrecht gegenüber Motorbooten pochen, sondern sich lieber defensiv verhalten und vorausschauend ausweichen.“

4. Naturschutz statt Stand-up-Egoismus

Bild: Lukas Ondreka

Stand-up-Paddling verspricht Freiheit. Damit die Freiheit nicht auf Kosten der Umwelt geht, sollten Stehpaddler auf die Tier- und Pflanzenwelt Acht geben.

„Das Thema liegt mir sehr am Herzen“, sagt Malchus. „Ich beobachte immer wieder wie SUP-Fahrer in Naturschutzgebiete fahren, das geht überhaupt nicht.“

Ausgewiesene Naturschutzgebiete und Sperrzonen seien unbedingt zu meiden, das Einfahren und Rasten ist hier grundsätzlich nicht erlaubt.

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Zu Bereichen mit Schilf sei ein Mindestabstand von 25 Metern zu halten, da dort Fische brüten. Das Bewegen und Lagern von SUPs könne zudem die empfindliche Vegetation schädigen.

Auch Wasservögeln sollten Stehpaddler nicht zu nahe kommen, vor allem während der Brutzeit im Frühjahr oder zur Zeit der Mauser (Juli bis September).

„Ich würde mir wünschen, dass die Leute ihren gesunden Menschenverstand einsetzen und sich so verhalten“, sagt Malchus. „Dann können wir auch noch in zehn Jahren ohne Einschränkungen am See paddeln.“