Georg Geiger besucht seine 99-jährige Mutter jeden Tag im Haus Urisberg, unterhält sich mit ihr und liest ihr aus der Zeitung vor. Seit vergangener Woche schon hat das Land die Regeln verschärft. Die Altenheime lassen nur noch ein, wer einen negativen Text vorweisen kann. „Als ich das hörte, machte ich mir sofort einen Termin beim Labor Brunner aus“, erinnert sich Geiger, der auch für die FDP im Kreistag sitzt. Mit dem negativen Testergebnis durfte er drei Tage lang zu seiner Mutter.

Land hat schnell nachgebessert

Was ihn ärgert: Dass er und alle anderen dieses Einlassticket selbst zahlen mussten, beziehungsweise die jeweilige Krankenversicherung.

Georg Geiger und Luise Mitsch vorm Haus Urisberg der Spitalstiftung Konstanz. Hinter ihnen hängt die Verordnung des Sozialministeriums. Die Heime bieten mittlerweile selbst Schnelltests an, das Land kommt für die (meisten) Kosten auf. Bild: Privat
Georg Geiger und Luise Mitsch vorm Haus Urisberg der Spitalstiftung Konstanz. Hinter ihnen hängt die Verordnung des Sozialministeriums. Die Heime bieten mittlerweile selbst Schnelltests an, das Land kommt für die (meisten) Kosten auf. | Bild: privat

Auf den massiven öffentlichen Druck von Heimen und Altenverbänden hin hat die Landesregierung schnell nachgebessert. Seit dieser Woche sollen Senioreneinrichtungen Schnelltests für Besucher anbieten, das Land übernimmt die Kosten.

Wie läuft das?

„Unsere Häuser bieten an drei Tagen die Woche zu festgelegten Zeiten die Schnelltests an“, sagt Andreas Voß, Stiftungsdirektor der Spitalstiftung. Besucher, die die Möglichkeit nutzen wollen, müssen sich vorher anmelden. Um diese Arbeit zu stemmen, hat die Spitalstiftung ihr Personal aufgestockt. „Pro Haus eine Person, die Schnelltests durchführt“, sagt Voß. Und: „Wir werden jetzt wohl noch einmal nachlegen.“

Bild vom Testraum im Haus Urisberg.
Bild vom Testraum im Haus Urisberg. | Bild: (privat)

Die Kosten für die Tests übernehme das Land und auch einen Teil für das Personal. „Ein Teil wird sicher auch mit uns heimgehen, dann ist das eben so“, sagt Voß, „aber ich denke, es ist unsere Aufgabe, dass die Bewohner nicht allein gelassen werden.“

Zunächst Tests in Eigenregie

Schon bevor das Land umschwenkte, bot die Spitalstiftung Besuchern Tests an. „Wir haben uns in der Pflicht gefühlt und gesagt, wir bieten es kostenlos an“, sagt Voß. So hätten dann vergangene Woche bereits die ersten Tests durchgeführt werden können. Diese Initiative begeistert Angehörige wie Georg Geiger. „Ganz klasse, dass sich die Spitalstiftung so kümmert“, sagt er.

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Auch im Margarete-Blarer-Haus hatte das Team um Einrichtungsleiterin Erika Fuchs entschieden, in Eigenregie die Tests anzubieten, bevor sie seit dieser Woche zur Verpflichtung geworden sind. „Weil uns das wichtig ist, dass wir den Bewohnern gerade nach dem schlimmen Corona-Ausbruch vor ein paar Wochen die Möglichkeit geben, Besuch zu empfangen.“ Und zwar jeweils dienstags und freitags mit Voranmeldung. Fuchs: „Ich versuche, es zu kanalisieren, sonst steht jeden Tag jemand da, und ich muss von morgens bis abends eine geschulte Kraft bereitstellen.“

„Es wird auf unserem Rücken ausgetragen“

Auch das Blarerhaus hat nun aufgestockt und eine Krankenschwester für die Besuchertestung eingestellt. Unterdessen müssen sich Mitarbeiter verpflichtend dreimal die Woche einem Schnelltest unterziehen. Wie ist die Akzeptanz? Fuchs: „Bisher haben mich zwei Mitarbeiter angesprochen, ob das denn sein muss.“ Insgesamt erlebt sie die Zeit als Wahnsinn, „Es ist heftig für alle Senioreneinrichtungen, es wird alles auf unserem Rücken ausgetragen.“

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Die Begeisterung über die Kommunikation des Landes hält sich allgemein in Grenzen. Andreas Voß dazu: „Wenn nicht genug Impfstoff da ist, kann das Land auch nichts ändern. Aber: Baden-Württemberg ist das Land mit einer der schlechtesten Impfquoten in Deutschland. Die Senioren warten. Schade ist, dass man so im Ungewissen gelassen wird.“

Hoffnung auf ein Impfzentrum in Konstanz

Eine Kritik, die Luise Mitsch teilt. Sie ist die erste Vorsitzende des Altenhilfevereins Konstanz und seit 21 Jahren die Heimfürsprecherin des Hauses Talgarten. „Alles auf die Heime abzuwälzen in diesen Corona-Zeiten, ist schlimm. Was sind das für Leute, die diese Verordnungen erarbeiten?“

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Sie hatte vergangene Woche, als das Land die Schnelltests in Seniorenheimen noch nicht verpflichtend angeboten und die Kosten übernommen hatte, deshalb an Landrat Zeno Danner (parteilos) und Oberbürgermeister Uli Burchardt geschrieben. Was wünscht sich Mitsch? „Ich verstehe, dass nicht genügend Impfstoff da ist. Dann sollen Land und Bund das aber nicht in die Welt hinausposaunen, sondern erst organisieren – und dann posaunen.“ Von Landrat und Oberbürgermeister erhofft sie sich, dass sie weiter für ein Impfzentrum in Konstanz kämpfen.

Landrat dankt Heimen

Zeno Danner (parteilos) sagt: „Ich habe höchsten Respekt vor den Leistungen der Pflegeheime, die mit großem Aufwand versuchen, Angehörigenbesuche zu ermöglichen und ein Infektionsrisiko dabei möglichst auszuschließen. Auch wir arbeiten hart daran, möglichst schnell möglichst vielen Pflegeheimen Impftermine anbieten zu können. Das ist allerdings schwierig mit der geringen Menge an Impfstoff, die wir bekommen.“ Die Bundesländer haben verschiedene Impf-Strategien. Während Bayern alles an Impfstoff verimpft, hält Baden-Württemberg 50 Prozent für die zweite Impfung zurück. Ein Grund für die niedrige Impfquote.