Über vieles kann man sich streiten, auch über die Schreibweise eines Begriffs. Die Veranstalter schreiben das beliebte Konstanzer Großeregnis schlicht und einfach Seenachtfest. Konstanzer aber nutzen gerne das Fugen-S und sagen „Seenachtsfest“.

Hat das etwas mit der alemannischen Sprache am Bodensee zu tun? Nein, sagt Alexandra Rehn, Sprachwissenschaftlerin und wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Universität Konstanz. Der Dialekt, wobei, wie Rehn sagt, Alemannisch eine Sprache sei, ist dieses Mal nicht schuld.

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Was ist denn nun richtig?

„Es gibt kein Richtig oder Falsch“, sagt Alexandra Rehn. Bei Seenacht- oder Seenacht-s-fest handle es sich um einen linguistischen Zweifelsfall in Sachen Fugenlaut. „Fugenelemente gibt es verschiedene“, so Rehn. Sie kommen bei Wortzusammensetzungen an der Nahtstelle (Fuge) zum Einsatz. „Ihre Funktion: Sie erleichtern die Aussprache“, erklärt Rehn. Sie markierten aber gleichzeitig auch die Wortgrenze.

Natürlich hat sie Beispiele für Fugenlaute auf Lager: Kalb-s-leber, Arbeit-s-zeit, Mitternacht-s-snack. Die Essen-s-marke zähle ebenso wie das Seenacht-s-fest zu den linguistischen Zweifelsfällen. Und derer gebe es viele. „Es gibt eine Publikation über Zweifelsfälle“, berichtet Alexandra Rehn.

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Die Aussprache von Seenacht-fest falle nicht allzu schwer. Es handle sich um einen phonologischen Prozess, denn das „t“ könne zusammen mit „fest“ ausgesprochen werden und klinge flüssig. Auch bei Hebamme handle es sich um ein solches Kompositum. Allerdings ohne Fugenlaut. Hier verändere sich die Aussprache: Eigentlich heiße es Heb-amme, werde zwischenzeitlich von vielen als He-bamme ausgesprochen.

Ob Seenacht-fest oder Seenacht-s-fest: beides geht – laut Alexandra Rehn – also. Aber nicht nur die Konstanzer diskutieren über Sprache, denn auch unter den Linguisten gebe es „einen uralten Streit um die Fugenelemente, die dazu eine Regel herauskitzeln wollen“. Das Reizvolle an Sprache sei eben, dass sie sich im Laufe der Zeit verändere.

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Und was bringt die Zukunft?

„Früher hat man ‚größer denn‘ gesagt“, berichtet Alexandra Rehn. Im Duden steht heute „größer als“, auch wenn viele mittlerweile „größer wie“ sagten. Vielleicht setzt sich ja letztgenannte Variante irgendwann durch? Die Alemannen würden sich freuen, denn sie sagen ja ohnehin „größer wie“. Das wäre eigentlich nur mit „größer als wie“ zu toppen.