Als Sarah Borowik-Frank das Foto ihrer Oma sieht, lacht sie laut auf. „Ihre Kleidung, wie großartig, sie ist im Tigerlook“, freut sie sich und deutet auf das Display ihres Handys.

Darauf zu sehen ist ein Screenshot, der ihr soeben von einer Freundin geschickt wurde – vom letzten großen Interview ihrer Großmutter, der verstorbenen jüdischen Intellektuellen und Lyrikerin Lia Frank. In lila Bluse mit Tigerprint.

Lia Frank.
Lia Frank. | Bild: ZDF

„Und ich“, sagt die Enkelin und zupft an ihrem schwarz-weißen Cardigan, „bin heute im Leopardenlook.“

Sarah Borowik-Frank.
Sarah Borowik-Frank. | Bild: Eva Marie Stegmann

Metapher für die Beziehung

Wenn man so will, kann diese Szene als Metapher stehen für die Beziehung von Großmutter und Enkelin. Sarah Borowik-Frank ist in der modernen Medienwelt eine Influencerin, sie bloggt über jüdisches Leben, beantwortet Fragen zu koscherem Wein oder dem Unterschied zwischen den 10 Geboten und den 613 Regeln im orthodoxen Judentum.

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Sie macht mit bei Poetry-Slams oder erklärt Schülern die jüdische Kultur. Fragt man sie, wer sie beeinflusst, wer sie dazu gebracht hat, ihr Leben dem Sichtbarmachen des modernen Judentums zu widmen, sagt sie: ihre Großmutter.

Gesicht der Kampagne Generation Grenzenlos

Die 28-Jährige ist erfolgreich mit dem, was sie tut. Erst vor kurzem wurde sie von der Hertie-Stiftung als ein Gesicht der Kampagne Generation Grenzenlos ausgezeichnet, als eine von 30 Personen unter 30, die sich für den sozialen Zusammenhalt im Land engagieren. Und sie hat nun ein neues Projekt. Sie will einen Podcast von und mit jüdischen Protagonisten machen. „Nice to meet Jew“. Gemeinsam mit dem Friedrichshafener Frank Labitzke.

„Die meisten denken bei Judentum an Tote.“

Warum? „Die meisten Menschen denken bei Judentum sofort an Antisemitismus und Tote. Viele sagen, ich sei die erste lebendige Jüdin, die sie kennen lernen.“ Sie will Klischees abbauen und die ganze Vielfalt des jüdischen Lebens in Deutschland darstellen – von der Rabbinerin bis zum queeren orthodoxen Juden.

Hörprobe gewünscht? Dann hier einfach auf „Play“ drücken und mal reinhören.

Video: Sarah Borowik-Frank

Deshalb hat sie die Podcast-Idee beim Wettbewerb „Originals gesucht“ vom Musikstreamingdienst Deezer und der Medienkonferenz Republica eingereicht. Und ist als eine von fünf im Finale, mitgemacht haben knapp 200.

Erster Preis: 3000 Euro und ein Coaching

Der erste Preis sind 3000 Euro Startgeld und ein Podcast-Coaching. Denn, wie Borowik-Frank betont: „Das Thema ist mir so wichtig, dass ich nicht einfach einen Podcast ins Blaue hinein machen will.“

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Alles soll professionell sein, vom technischen Equipment bis zur Entlohnung der Gäste, Fakten will sie von Experten checken lassen. Für die fünf Finalisten kann man ab heute online abstimmen auf der Webseite.

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