Waltraud Silberhorn steht die Empörung ins Gesicht geschrieben. Seit 50 Jahren lebt sie in der Schwaketenstraße. Seit Jahrzehnten wünscht sie sich weniger Verkehrslärm – bisher vergeblich. Doch statt endlich entlastet zu werden, fürchtet sie jetzt, dass die Anwohner nochmal was auf die Ohren bekommen: den Lärm von quakenden Fröschen. Sie schimpft: „Das ist ein Unding in einem Wohngebiet.“

Waltraud Silberhorn gehört zu den Anwohnern der Schwaketenstraße. Sie fürchtet, dass zum Verkehrslärm das laute Quaken von Fröschen kommt.
Waltraud Silberhorn gehört zu den Anwohnern der Schwaketenstraße. Sie fürchtet, dass zum Verkehrslärm das laute Quaken von Fröschen kommt. Denn auf dem ehemaligen Bolzplatz an der Schwaketenstraße wurden Laichtümpel ausgehoben. | Bild: Claudia Rindt

So abwegig ist ihre Furcht nicht. Denn der frühere Sportplatz an der Schwaketenstraße wurde renaturiert. Auf der ehemaligen Kickfläche haben die Technischen Betriebe Mulden für Tümpel ausgehoben. Diese werden sich nach Angaben der Stadt Konstanz durch Niederschläge oder übers hohe Grundwasser füllen. „Es sollen sich hier verschiedene Tierarten ansiedeln, in erster Linie Insekten und Amphibien, also auch Frösche“, schreibt Stadtsprecher Walter Rügert auf Anfragen.

Das könnte Sie auch interessieren

Lärmender Verkehr und quakende Frösche?

Waltraud Silberhorn beklagt, die Anwohner seien über die einzelnen Maßnahmen der Renaturierung nicht informiert worden. Sie habe erst davon erfahren, als sie bei einem der Baggerfahrer nachfragte, was denn da geschehe. Sie fürchtet zusätzlichen Lärm für die Anwohner und hat Bedenken, ob denn Frösche, wenn sie sich ansiedeln, wegen der stark befahrenen Schwaketenstraße überhaupt Überlebenschancen haben.

Dass auch für mehrere Jahre Container mit Klassenzimmern für die Grundschule Wollmatingen auf den ehemaligen Bolzplatz kommen, sieht sie mit den Zielen der Renaturierung nicht vereinbar. Zudem merkt sie an, dass sich in den 50 Jahren, in denen sie nun in der Schwaketenstraße wohne, nie ein Frosch habe blicken lassen.

Nur die Männchen machen Lärm

Die Stadtverwaltung sieht das anders. Walter Rügert schreibt: „Das Feuchtgebiet im Schwaketental mit dem Schwaketengraben existierte schon lange, bevor es hier eine Bebauung gab.“ Der Bereich sei als Biotop nach dem Bundesnaturschutzgesetz geschützt und beherberge „eine Vielzahl von geschützten Tieren und Pflanzen“. Ein wesentlicher Bestandteil seien die Amphibien. Sie seien auf den mit Schilf, Gehölzen und Wildstauden bewachsenen Fläche im Tal zu finden, auch bis an die Schwaketenstraße.

Dass nun die ehemalige Bolzplatzfläche zum neuen Lebensraum für Flora und Fauna ausgewiesen werde, stelle „keine zusätzliche Belastung für die Anwohner dar“. Die Amphibien würden aus dem bestehenden Feuchtgebiet in der unmittelbaren Umgebung zuwandern. Sie benötigten Laichgewässer, die von der Sonne bestrahlt werden, wie die neu angelegten Tümpel.

Pressesprecher Walter Rügert
Pressesprecher Walter Rügert | Bild: Larissa Hamann | SK-Archiv

Die Stadt geht davon aus, dass die Amphibien nicht in größerer Zahl über die Schwaketenstraße wandern werden, sondern in die Waldflächen des Taborberges. „Es ist nicht damit zu rechnen, dass mit den neuen Gewässern eine neue Wanderbewegung über die Straße nach Süden entsteht, da hier keine geeigneten Lebensräume für die Tiere bestehen“, heißt es von der Pressestelle.

Das könnte Sie auch interessieren

Auch eine Kollision mit den Schulcontainern sieht man bei der Stadt nicht. „Die Gewässer sind im östlichen Teil der Fläche angelegt und die Container werden im westlichen Teil stehen. Die Amphibien können sich also parallel zum Schulbetrieb ansiedeln.“ Die Container sollen wenig Platz beanspruchen, sodass die Laichgewässer für die Amphibien erhalten bleiben und nur einer der Sandhäufen versetzt werden muss, der für bodenbrütende Insekten aufgeschüttet wurde.