Gerda Kronentaler ist traurig und auch nicht ganz einverstanden mit den Entscheidungen, die die Bischöfe getroffen haben

Die Konstanzerin ist gläubige Katholikin, die Teilnahme am Gottesdienst und der Empfang der Eucharistie ist wesentlich für sie. Seit wegen Covid-19 in den Kirchen keine Gottesdienste mehr stattfinden, ist das nicht mehr möglich.

Eine Gläubige wünscht sich Werktagsmessen

„Ich bin nicht ganz einverstanden, wie die Bischöfe auf die Forderung der Politik reagiert haben. Ich wünsche mir, dass Werktagsmessen stattfinden könnten – in den größeren Kirchen mit viel Abstand zwischen den Menschen“, sagt sie.

Nun geht es aber noch um ein größeres Ereignis: Es wird keine Ostermesse in Deutschland geben, an der die Christen physisch teilnehmen können. Das ist ziemlich einzigartig in der jüngeren Geschichte des Christentums.

Eucharistie nur noch live im Fernsehen

„Mir standen die Tränen in den Augen“, erinnert sich Gerda Kronentaler an den Moment, als sie erfuhr, dass Gottesdienste bis auf Weiteres nicht mehr stattfinden. Sie sei froh, dass es die Möglichkeit gebe, die heilige Messe am Fernsehen live mitzuverfolgen. „Ich kann bei der Kommunion dann Jesus bitten, in mein Herz zu kommen“.

Bild: Wagner, Claudia

Manche leiden unter dem spirituellen Verzicht

Pfarrer Mitzkus, seit Dezember Leiter der Seelsorgeeinheit Petershausen, sieht die Problematik der fehlenden Gottesdienste, der fehlenden Zusammenkünfte für die Gemeindemitglieder. „Ich kann die spirituelle Verzweiflung, wenn ein gläubiger Christ nicht an der Eucharistie teilnehmen kann, verstehen“, sagt er. Nur lösen kann er das Problem eben nicht.

Trotz allem, die Pfarrei setzt auf innovative Ideen – wie so viele in diesen Zeiten. Gemeinsam mit der Nachbarpfarrei Allensbach-Wollmatingen haben die beiden Pfarrer die ersten Gottesdienste aufnehmen lassen und auf Youtube hochgeladen. „Drei Oberministranten haben das möglich gemacht, sie hatten das technische Verständnis dazu“, erklärt Mitzkus und ist dabei ein wenig stolz auf sein Gemeindeteam.

So haben die Gottesdienstbesucher nun zumindest die Möglichkeit, die eigene Kirche während eines Passionsgottesdienstes zu sehen. Wenn auch nicht live, sondern zeitversetzt – ein Grund, warum Gerda Kronentaler das Angebot zwar nutzt, aber darin keinen Ersatz für die Messen des Vatikans sieht.

Weihwasser darf im Moment wegen der Ansteckungsgefahr nicht genutzt werden.
Weihwasser darf im Moment wegen der Ansteckungsgefahr nicht genutzt werden. | Bild: Wagner, Claudia

Viele andere Gläubige – und auch Gerda Kronentaler – freuen sich über das Angebot, das das Feiern des christlichen Glaubens in indirekter Weise möglich macht. „Es hat mich gefreut, dass diese Form so wahrgenommen wird“, sagt Mitzkus. Nicht einmal auf die Musik müssen die Gläubigen verzichten, die Organistin spielt.

Das könnte Sie auch interessieren

Seelsorge statt Sakrament

Aber was macht ein Pfarrer, dessen Hauptaufgaben – Gottesdienste, Taufen, Hochzeiten mit den Gemeindemitgliedern zu feiern – im Moment nicht umsetzbar sind? Seelsorgerisch gibt es vieles zu tun. Wenn es die Umstände erfordern, dann übernimmt Thomas Mitzkus Hausbesuche, das sei bisher jedoch nur einmal der Fall gewesen. „Die Tradition der Krankenkommunion wollen wir aufrecht erhalten, das geht auch mit Abstand“, erläutert Mitzkus.

Das Ritual der Krankensalbung – mit Schutzmaske und Handschuhen

Komplizierter werde es bei der Krankensalbung. Jüngst seien er und die Krankenhausseelsorger dazu im Klinikum geschult worden. Unter normalen Umständen spricht der Priester Gebete, legt dem Schwerkranken die Hand auf und nimmt eine Salbung an Stirn und Händen vor. Jetzt mussten die Pfarrer lernen, das Ritual mit Schutzmaske, Umhang und verschiedenen Handschuhen umzusetzen. Keiner weiß im Moment, ob es hohen Bedarf an Krankensalbungen am Klinikum geben wird. Aber sicher ist sicher.

Das könnte Sie auch interessieren

Bei den Älteren ruft Pfarrer Collantes öfter an

Da Ältere besonders von der Krise betroffen sind und zu den treuesten Gottesdienstbesuchern zählen, versucht das Seelsorgeteam, sich verstärkt um sie zu kümmern. Kooperator Luis Collantes rufe bei vielen Gemeindemitgliedern persönlich an. Thomas Mitzkus ist seit wenigen Monaten verantwortlich für die Pfarrei – zu wenig, um jeden Gläubigen gut zu kennen.

Ostern nun wird in jedem Fall anders als alle Gläubigen es kennen. „Wir nehmen auch die Ostergottesdienste auf“, verspricht Mitzkus. Die evangelische und die katholische Kirche wollen die Kirchenglocken zur selben Zeit läuten lassen. „Die Osterfreude wird sich nicht ganz aufhalten lassen“.

Keine Osternacht und leere Kirchen

Dennoch, es wird nicht dasselbe sein. Die Osternacht wird es nicht geben. „Das Osterlicht in eine leere Kirche zu tragen, ist traurig“, findet Mitzkus. Er hat eine klare Haltung dazu entwickelt – dieser Verzicht sei eine Zumutung, die die Christen dieses Jahr hier erleben. In anderen Teilen der Welt erlebten Christen Ähnliches weitaus häufiger. „Ihr dürft das gemeinsame Feiern sehr vermissen“, sagt Mitzkus.

Ein Licht darf jeder Gläubige in der Kirche nach wie vor anzünden. Nur Ansammlungen von Menschen sind wie draußen auch verboten.
Ein Licht darf jeder Gläubige in der Kirche nach wie vor anzünden. Nur Ansammlungen von Menschen sind wie draußen auch verboten. | Bild: Wagner, Claudia

Gerda Kronentalers Plan für die Ostertage steht jedenfalls fest: Sie wird hören, was Radio Vatikan überträgt und ihr Osterfest entsprechend vom Wohnzimmer aus gestalten. Wichtig ist ihr, dass die Messe live ist. Es erleichtert sie, dass es erlaubt ist, zur Anbetung in die Bruder-Klaus-Kirche zu gehen. „Das ist für mich ein Geschenk“.

Was der Pfarrer am meisten fürchtet? „Dass Menschen innerlich verkümmern und verzweifeln, die Hoffnung verlieren“, sagt Mitzkus. Dass dies passiert, kann er nicht ausschließen – wohl aber glauben und hoffen, es zu verhindern.