Ida Meßmer gilt in der katholischen Kirchengemeinde Sankt Georg-Maria Hilf als optimistisch, fröhlich und hilfsbereit. Und treu! Seit sage und schreibe 85 Jahren ist sie aktives Mitglied im Kirchenchor.

Erst vor wenigen Jahren hat sie als Mesnerin von Sankt Georg ihren Dienst nach 25 Jahren beendet. Regelmäßige Teilnehmerin am Gottesdienst ist sie auch, berichtet Pfarrer Georg Matt. Am Sonntag wird Ida Meßmer 100 Jahre alt.

Zwei Schwestern starben früh

Die Staaderin stammt aus einer Fischersfamilie. Als Nachzüglerin und sechstes Kind wurde sie am 31. Mai 1920 im Wöchnerinnenheim am Schnetztor geboren. Zwei ihrer Schwestern starben noch während des Ersten Weltkriegs, erzählt sie.

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Den Weg in die Stadt legten ihre Mutter und ihr Vater zu Fuß zurück. Nach der Geburt durfte ihre Mutter mit dem Schiff heimkehren. Ihre Großmutter schob sie zu Fuß in einer alten Chaise – so nannten sie damals den Kinderwagen – nach Hause.

Längere Wege lieber mit dem Gehstock

Acht schwere Operationen habe sie in ihrem Leben erfahren, berichtet Ida Meßmer. Erst jüngst musste sie wegen einer fast tödlichen Infektion ins Klinikum – nein, nicht wegen Corona. Die Ärzte hätten sie schon fast aufgeben wollen, sagt sie rückblickend ohne Zorn. Aber eine Woche lang Antibiotika, und sie fühlte sich wieder fit genug, um nach Hause zurückzukehren.

„Meine Beine sind zwar schwächer als vorher, aber zuhause laufe ich ohne Stock. Den nehme ich nur für längere Strecken“, erzählt sie. Fit genug sei sie auch, um in ihrem geliebten Garten kleinere Pflegearbeiten ausführen zu können. Hilfe erhalte sie von einer Nichte. Zum Rasen mähen komme ein junger Mann.

Ihre Liebe galt immer der Schule

Geheiratet hat Ida Meßner nie. Männerbekanntschaften kommen in den Erzählungen über ihr Leben nicht vor. Dafür sei sie Ururgroßtante, sagt sie. Ihre Liebe galt der Schule, die sie nach der achten Klasse traurig verließ. Als die katholische Bücherei aufmachte, entdeckte sie ihre Leidenschaft fürs Lesen. Eine Ausbildung konnte und wollte ihre Familie für sie als Mädchen nicht finanzieren.

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Erst nach dem Krieg konnte Ida Meßmer sich weiterbilden. Als Arbeiterin in der Rüstungsindustrie hatte sie sich etwas Geld gespart. Sie meldete sich im Marianum in Hegne an, um Hauswirtschaft zu lernen. „Eigentlich wollte ich nur ein halbes Jahr bleiben, aber es gefiel mir so gut, dass ich auf ein Jahre verlängerte“, erzählt sie.

„Ich bewundere sie“

Schließlich erhielt sie von ihrer früheren Lehrerin und Rektorin der Allmannsdorfer Schule, Hilda Mayer, das Angebot, ihr den Haushalt zu führen. 30 Jahre lang betreute und pflegte sie ihre Lehrerin, mit der sie schon immer gut ausgekommen war. Heute lebt sie in dem Haus, das ihr das „Fräulein Mayer„ vererbt hat.

Margret Zimmermann, die mit Ida Meßmer befreundet ist, sagt über sie: „Ich bewundere sie, wie sie die Schicksalsschläge überwunden hat. Sie ist immer positiv, immer interessiert und jammert eigentlich nie“.

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