Im E-Center mit seinen verschiedenen Geschäften sieht man nicht mehr viele Gesichter. Man sieht viele halbe Gesichter. Die Konstanzer nehmen die Maskenpflicht, die seit heute landesweit im Einzelhandel und im öffentlichen Nahverkehr gilt, ernst.

Kein Einkauf ohne Schutzmaske

Für die Kunden bedeutet das: Kein Einkauf ohne Schutzmaske oder mindestens Schal vor Mund und Nase. Für Verkäuferinnen ist die Umsetzung der Maskenpflicht schwieriger: Sie müssen während ihrer ganzen Schicht die Maske tragen. „Es ist noch anstrengend, weil wir keine Routine haben“, sagt Christine Maxim, Verkäuferin bei Edeka Baur. „Aber man kann die Masken ja wechseln. Man muss etwas lauter sprechen.“

Christine Maxim, Verkäuferin bei Edeka Baur, sitzt nun den ganzen Tag mit Maske an der Kasse. Kunde Marvin Kandziora findet die neue Maskenpflicht noch gewöhnungsbedürftig, aber okay. Bild: Claudia Wagner
Christine Maxim, Verkäuferin bei Edeka Baur, sitzt nun den ganzen Tag mit Maske an der Kasse. Kunde Marvin Kandziora findet die neue Maskenpflicht noch gewöhnungsbedürftig, aber okay. Bild: Claudia Wagner | Bild: -Claudia Wagner

Die meisten halten sich an die Pflicht

Fast alle Kunden seien an diesem Vormittag mit Mund- und Nasenschutz zu ihr an die Kasse gekommen, nur zwei hätten keinen gehabt. Diese beiden habe sie zurückgeschickt und darauf hingewiesen, dass man die Masken an der Information kaufen könne.

Pamela Baumhardt, Sprecherin bei Edeka Baur, bestätigt, dass für Spontaneinkäufe Masken zu geringem Preis am Markteingang erhältlich seien. „Die Einführung der Maskenpflicht beim Einkauf im Supermarkt begrüßen wir sehr“, schreibt sie auf Anfrage. Die Überwachung der Maskenpflicht aber sei eine hoheitliche Aufgabe, die vom Einzelhandel nur mit dem Hinweis an die Kunden unterstützt werden könne.

Marvin Kandziora hat seinen Einkauf bei Christine Maxim per Smartphone bezahlt. Die Maskenpflicht sei für ihn „okay“, sagt er. „Man muss sich daran gewöhnen“, ergänzt er, aber es machten offenbar alle mit. „Ich halte mich einfach dran“, sagt er.

Theresa Oster, die im E-Center in einer Werbeagentur arbeitet und hier ihre Mittagspause verbringt, findet die Maskenpflicht sinnvoll. „Man hätte sie viel früher einführen sollen“, glaubt sie. Zuvor hätten die meisten Menschen Hemmungen gehabt, eine Maske zu tragen, eine Pflicht hätte es ihnen erleichtert. Sie fühle sich dadurch kaum gestört.

Theresa Oster stimmt der Maskenpflicht zu.
Theresa Oster stimmt der Maskenpflicht zu. | Bild: Wagner, Claudia

Das Thema begleitet die Apotheken der Stadt seit geraumer Zeit. Die Nachfrage nach Schutzmasken sei seit Mitte vergangener Woche hoch, bestätigt Silvia Petri, Mitinhaberin der Mohren-Apotheke. Die Masken seien gut lieferbar, es gebe verschiedene Modelle, wiederverwendbare und Einwegmasken.

Inzwischen sind die Masken viel teurer

„Erheblich teurer sind sie allerdings geworden“, sagt sie. Eine waschbare Maske könne man für etwa zehn Euro kaufen, FFP-Masken seien etwas günstiger, aber im Prinzip nur einmal verwendbar.

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Silvia Petri ist selbst nicht sonderlich von der Maskenpflicht überzeugt. „Ich denke, dass wir die kritischste Phase inzwischen überstanden haben. Ich hätte die Pflicht nicht eingeführt“, sagt sie. Die Abstandsregeln hält sie für deutlich wirksamer. Auch ihre Kundin Doris Fischer ist skeptisch. „Ich bekomme schlecht Luft unter der Maske“ sagt sie, „deshalb nehme ich sie häufig ab. Auf diese Weise schützt sie natürlich nicht besonders wirksam.“

Silvia Petri, Mitinhaberin der Mohren-Apotheke, sieht die Maskenpflicht kritisch. Auch Kundin Doris Fischer tut sich eher schwer damit.
Silvia Petri, Mitinhaberin der Mohren-Apotheke, sieht die Maskenpflicht kritisch. Auch Kundin Doris Fischer tut sich eher schwer damit. | Bild: Wagner, Claudia

An anderer Stelle wird die Maskenpflicht allerdings schlicht ignoriert: An der Eisdiele Nicoletti tragen nur wenige Kunden den Mundschutz. „Bis jetzt habe ich kaum jemanden mit Maske bedient“, sagt Chefin Gracia Belfanti, die selbst seit der Wiedereröffnung Maske und Handschuhe trägt, ebenso wie ihr Personal. „Die meisten Kunden meinen, eine Maske sei im Straßenverkauf nicht nötig.“

Eisdielen-Betreiberin Gracia Belfanti mit ihren Mitarbeitern Kaliane und Gustavo
Eisdielen-Betreiberin Gracia Belfanti mit ihren Mitarbeitern Kaliane und Gustavo | Bild: Wagner, Claudia

Belfanti erkennt das Dilemma: Weise sie die Kunden auf die Maskenpflicht hin, reagierten viele unfreundlich – und sie wandern zur Konkurrenz ab. In der jetzigen Krise aber ist jeder Kunde wertvoll.

Doch noch der schnelle Griff zur Maske

Charlotte Weishaupt setzt dann doch rasch eine FFP-2-Maske auf, bevor sie ihrem Enkel ein Eis kauft. Allerdings eher widerwillig. „Ich hasse es“, formuliert sie ihre Meinung deutlich. „Die Maske ist unbequem und die Infektionszahlen klingen allmählich ab. Es ist absolut unnötig.“

Auch im öffentlichen Nahverkehr ist das Tragen von Schutzmasken ab sofort Pflicht. Lena Rückgauer und Samira Goudar, beide Studentinnen, warten am Zähringerplatz auf den Bus und sehen die Sache eher sportlich. „Ich fühle mich mit Maske nicht so wohl“, sagt Lena Rückgauer.

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Skurrile Szenen im Bus

„Die Busfahrt war gerade ein Erlebnis“, ergänzt ihre Freundin Samira, „alle mit Masken oder Schals, es sah aus wie eine Szene aus Asien„. Goudar kann der Skurrilität der Situation durchaus etwas abgewinnen, auch dem Verkaufsgespräch im Bekleidungsgeschäft, das sie gerade erlebt hat, bei dem Kundin und Verkäuferin das Gesicht verhüllten. Beide Studentinnen hoffen, dass die Maskenpflicht die Bürger nochmals an die Abstandsregeln erinnert.

Lena Rückgauer und Samira Goudar, beide Studentinnen, warten am Zähringerplatz auf den Bus. Die Maskenpflicht finden sie sinnvoll.
Lena Rückgauer und Samira Goudar, beide Studentinnen, warten am Zähringerplatz auf den Bus. Die Maskenpflicht finden sie sinnvoll. | Bild: Wagner, Claudia

 

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