Wie passend doch die Bezeichnung Paradies für den Konstanzer Stadtteil ist, offenbart sich spätestens ganz hinten in der Grießeggstraße, bevor der Saubach die Grenze zur Schweiz ausmacht.

Bild: Schuler, Andreas

Wenn sich der Besucher hier zwischen Wohnhäusern und Carports hindurchschlängelt, offenbart sich im nächsten Augenblick ein Anblick, den man hier nicht erwartet: mehrere Gärten ergeben in ihrer zaunfreien Gesamtheit eine himmlische Oase, in der Mensch, Pflanzen- und Tierwelt zu einer Einheit verschmelzen. So muss es im Garten Eden aussehen. Ganz bestimmt.

Das ist das Paradies der Konstanzer Familie Ellegast

Hier wohnt unter anderem die alteingesessene Familie Martin, eine feste Institution im Paradies. Und seit sieben Jahren auch Familie Ellegast, Tino, seine Ehefrau Tanja und die gemeinsamen Kinder Leni (9), Jano (7) und Felix (3).

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Auch ihre Namen gehört zu denen, die (fast) jeder in Konstanz kennt. Weinhändler, Konzernvorstand, Wirtschaftsmanager, Architekt, Kommunalpolitiker – das Netzwerk der Familie ist immens.

Tino und seine Frau Tanja zusammen mit den Kindern (vorne von links:) Felix, Jano und Leni. Der Name Nacki-Schlappi Hof kommt vom ersten Hasen von Jano.
Tino und seine Frau Tanja zusammen mit den Kindern (vorne von links:) Felix, Jano und Leni. Der Name Nacki-Schlappi Hof kommt vom ersten Hasen von Jano. | Bild: Schuler, Andreas

Tino war im Segeln weltweit eine Nummer, 2010 wurde er Weltmeister im X99, 2014 holte er den nationalen Titel im Match Race. Er startete auf Regatten rund um den Globus. Mittlerweile hat er die große, weite Welt gegen die kleine, heile vor der eigenen Haustür – im wahrsten Sinne des Wortes.

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„Das war eigentlich gar nicht so geplant“, sagt er schmunzelnd über den privaten Zoo im eigenen Garten. „Das hat sich Stück für Stück so ergeben.“

Felix steigt über den Zaun und besucht seine Schweine.
Felix steigt über den Zaun und besucht seine Schweine. | Bild: Schuler, Andreas

Ziegen, verschiedene Hühner, Wachteln, Schildkröten, Katzen und Mini- oder Hausschweine wohnen hier teils freilaufend, teils in großzügigen Ställen. Die neueste Attraktion ist zweifelsohne Rudi Rüssel, das wenige Tage junge Ferkel.

Tino Ellegast mit Rudi Rüssel.
Tino Ellegast mit Rudi Rüssel. | Bild: Schuler, Andreas

Rudi Rüssel ist der Sohn von Miss Piggy. Da der Säugling nicht ausreichend von der Mutter versorgt werden konnte, zogen die Ellegasts das kleine Tier an den ersten Tagen mit der Flasche hoch. Da war er kaum so groß wie eine Handfläche.

„Rudi ist fast gestorben“, erzählt Tino und die Kinder nimmt das offensichtlich immer noch mit.

Video: Tino Ellegast

„Zum Glück hat er es geschafft“, sagt Leni freudestrahlend und liebkost ihren kleinen Freund.

Leni mit ihrem Lieblingsschwein. Die Neunjährige hat tatkräftig mitgeholfen, dass Rudi Rüssel nach anfänglichen gesundheitlichen Problemen überlebte.
Leni mit ihrem Lieblingsschwein. Die Neunjährige hat tatkräftig mitgeholfen, dass Rudi Rüssel nach anfänglichen gesundheitlichen Problemen überlebte. | Bild: Schuler, Andreas

Rudi Rüssel ist das erklärte Liebling der Kinder, das Mini-Hausschwein folgt seinen menschlichen Spielkameraden auf Schritt und Tritt.

Jano beobachtet Rudi Rüssel auf der Wiese im Garten. Das Minischwein-Ferkel ist der Star der Nachbarschaft.
Jano beobachtet Rudi Rüssel auf der Wiese im Garten. Das Minischwein-Ferkel ist der Star der Nachbarschaft. | Bild: Schuler, Andreas

Nachbarn, die weder durch Zaun noch eine Blockade im Kopf von dem privaten Zoo getrennt sind, kommen oft vorbei, um die Tiere zu beobachten oder zu streicheln.

Video: Schuler, Andreas

Die 30 Hühner, darunter so seltene und alte Rassen wie Pavlov Hühner oder Seidenhühner, versorgen die Nachbarschaft täglich mit frischen Eiern.

„Viel Wertschätzung und Liebe zu Natur und Tieren“

Zwischen zwei Ställen wird reichlich Gemüse, Obst und Früchte angebaut. „Diese natürliche biologische Ernährung ist ein Teilaspekt“, erklärt Tino Ellegast. „Die Kinder lernen mit den Tieren und der selbst angebauten Nahrung viel Wertschätzung und Liebe zu Natur und Tieren.“

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Die Tiere und die Kinder sind ein eingespieltes Teams. Wenn die Zweibeiner beispielsweise den Ziegenstall betreten, hüpfen die Tiere vor Freude und bespringen die Kinder.

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Legen die sich dann auf die Brücke hinauf ins das Häuschen, laufen die Tiere über sie hinweg. Stellen sich die Kinder im nach vorne gebeugt daneben, klettern die Ziegen auf den Rücken und springen von dort auf den Boden.

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Hier in der Grießeggstraße bei den Ellegasts scheint die Welt noch in Ordnung. Ein echter Garten Eden mitten im Paradies.

Rudi Rüssel trinkt eine spezielle Milch für Minischwein-Ferkel.
Rudi Rüssel trinkt eine spezielle Milch für Minischwein-Ferkel. | Bild: Schuler, Andreas