Brückenbauer müsste man sein. Da gilt man im übertragenden Sinne als Mensch des Ausgleichs, als Mediator, als Person, die zwei Pole miteinander verbindet. Ein Brückenbauer ist ein Vermittler, ein Zuhörer, ein Bindeglied, und, ja, ein wenig auch ein weiser Mensch mit Sinn für Gerechtigkeit.

Ausufernde Kosten: Der Steuersäckel ist ja gut gefüllt

Brückenbauer in Konstanz jedoch haben einen zweifelhaften Ruf. Zumindest die, die beruflich mit dem Bau von Brücken zu tun haben. Die Kosten ufern nicht selten aus und die Zeit scheint irgendwann keine Rolle mehr zu spielen. Koste es, was es wolle. Das Steuersäckel ist ja gut gefüllt. Zweimal wuchsen die Preise Konstanzer Brücken sehr zum Verdruss der Bürger deutlich über sich hinaus – ein drittes Mal wollen die Gemeinderäte, immerhin die vom Volk gewählten Vertreter der öffentlichen Interessen, dies verhindern.

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Die Fußgängerbrücke am Bahnhof und die Z-Brücke in Petershausen sind zwei Beispiele aus der jüngeren Vergangenheit, die gewiss einen hohen Anteil an dem Glauben haben, mit öffentlichen Geldern könne man es ja machen.

Die Fußgängerbrücke am Bahnhof im Jahr 2011.
Die Fußgängerbrücke am Bahnhof im Jahr 2011. | Bild: Oliver Hanser

Die 106 Tonnen schwere Konstruktion am Bahnhof kostete im Jahr 2010 mehr als drei Millionen Euro – geplant waren im Jahr 2004 1,8 Millionen. Je ein Drittel der Kosten trugen Bund, Bahn und Stadt, der städtische Anteil wurde mit 80 Prozent vom Regierungspräsidium bezuschusst.

310.00 Euro – alleine fürs Einheben der Brücke

Geklärt werden konnten auch die damals äußerst strittigen Kosten zum Einheben der Stahlbrücke: In einem Schlichtungsverfahren reduzierte sich der städtische Anteil für diesen Akt von 310 000 Euro auf 100 000 Euro. Die Mehrkosten für das Objekt wurden damals mit einer allgemeinen Preissteigerung und zu geringen Kostenansätzen des beauftragen Büros sowie notwendiger Änderungen erklärt.

Die Z-Brücke in Petershausen.
Die Z-Brücke in Petershausen. | Bild: Rau, Jörg-Peter

Die wegen ihrer Form so bezeichnete Z-Brücke in Petershausen entpuppte sich ebenfalls als ein kostspieliges und Zeit fressendes Vergnügen: Das 2009 mit einem Volumen von 2,6 Millionen Euro beschlossene Vorhaben soll am Ende bis zu 6,2 Millionen gekostet haben – Eröffnung war 2018 mit einem Jahr Verspätung.

Wie sich die Gründe ähneln: Kostensteigerung wurde als Faktor genannt, Planungskosten seien damals nicht eingerechnet gewesen und dann mehrfach gestiegen. Außerdem habe die Baufirma zahlreiche zusätzliche, in der Planung vergessene Leistungen in Rechnung gestellt.

Unterhalb des Geländer hinterlässt der Rost seine Spuren.
Unterhalb des Geländer hinterlässt der Rost seine Spuren. | Bild: Oliver Hanser
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Und nun also die Lago-Brücke, die von Klein Venedig zum Einkaufszentrum über die Bahngleise führt. Die Konstruktion steht zwar erst seit 2004, soll aber große Schäden aufweisen – die Renovierung und Sanierung soll laut Stadtverwaltung rund drei Millionen Euro schlucken. Stand jetzt.

Wenig vertrauenswürdig: Der Rost frisst sich durch die Konstruktion.
Wenig vertrauenswürdig: Der Rost frisst sich durch die Konstruktion. | Bild: Oliver Hanser

1,9 Millionen müsste die Stadt zahlen. Stand jetzt

Das Lago wolle sich mit 300 000 Euro an den Kosten beteiligen. Nach Abzug weiterer Zuschüsse müsse die Stadt rund 1,9 Millionen Euro übernehmen. Die Stadt hat im Jahre 2001 mit der Grundstücksgesellschaft einen Vertrag abgeschlossen, der die Stadt bei Sanierungen in der Pflicht sieht. „Das ist die Rechtslage, so ist die Situation“, sagte Oberbürgemeister Uli Burchardt in der jüngsten Gemeinderatssitzung. „Der Vertrag ist lange vor unserer Amtszeit abgeschlossen worden. Wir haben auch Bauchschmerzen dabei.“

Die Mitglieder des Gemeinderats hatten nicht nur Bauchschmerzen, als sie über den Planungsbeschluss zur Sanierung der Lago-Brücke debattieren und abstimmen sollten. Sie begegneten dem Ansinnen der Stadtverwaltung vielmehr mit einer herzerfrischende Mischung aus feiner Ironie, beißendem Sarkasmus und trockenem Humor.

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Ein Potpourri der besten Sprüche

„Da bekommen wir ja Schluckbeschwerden“, sagte Heiner Fuchs (CDU). „150 Meter daneben steht eine andere Brücke und wir sollen drei Millionen ausgeben.“ Matthias Schäfer vom Jungen Forum sieht Konstanz im Fokus bundesweiten Interesses: „Ich sehe uns schon bei der NDR-Sendung Extra Drei beim Irsinn der Woche. Wir machen uns ja lächerlich.“

Die Brücke als Kunstwerk?

Ewald Weisschedel von den Freien Wählern hat eine Idee für die Brücke: „Stehenlassen, sperren, zum Kunstwerk machen. Offenbar wurde nicht geprüft, ob die Brücke hält. Vielleicht sollten wir den damaligen Bauherren verantwortlich machen?“ Holger Reile von der Linken Liste: „In Krisenzeiten könnten wir in der Stadt zwei Millionen Euro besser gebrauchen. Denn wer profitiert denn von der Brücke? Das Einkaufswunderland.“ Für Konstanzer Verhältnisse sei die kalkulierte Preissteigerung von 2,5 Prozent ja „geradezu ein Schnäppchen“.

Das Ende vom Lied: Angesichts des heftigen Gegenwindes sah sich die Verwaltung gezwungen, den Antrag zurückzunehmen. „Unsere Diskussion gibt uns Rückendeckung für weitere Gespräche“, so Uli Burchardt, „wir werden uns juristisch beraten lassen.“

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