Konstanz – „Am liebsten hätte ich ein Volksfest veranstaltet“, sagte Herbert Werber, Vorsitzender des Deutschen Mieterbundes Bodensee, während der Einweihungsfeier der neuen Geschäftsstelle am Zähringerplatz 19 in Konstanz. Aufgrund der Corona-Restriktionen fiel das Fest mit einer überschaubaren Zahl geladener Gäste klein aus. Weber bedauerte diesen Umstand zutiefst, schließlich ist er ein Mann des Volkes der sich engagiert für das Recht der Mitglieder des Mieterbundes einsetzt, und zwar sehr erfolgreich.

„Der Mieterbund ist eine Institution“, würdigte beispielsweise der Konstanzer Baubürgermeister Karl Langensteiner-Schönborn. „Er ist ein enger Mitstreiter im Wohnungsbau.“ In Konstanz seien in Sachen Handlungsprogramm Wohnen Stadtverwaltung, die städtische Wohnbaugenossenschaft Wobak, der Spar- und Bauverein und der Mieterbund eng verzahnt, mit dem Ziel, bezahlbaren Wohnraum zu schaffen. Diese Allianz sei dringend vonnöten, schließlich zähle Konstanz zu den Schwarmstädten, wodurch der Wohnungsmarkt überaus angespannt sei.

„Der Mieterbund ist eine Institution. Man hört auf ihn“, stellte Karl Langensteiner-Schönborn fest. Das Konstanzer Team um Herbert Weber grenzt sein Engagement nämlich nicht auf die Wahrung der Interessen der Mitglieder ein, sondern sieht sich im positiven Sinn der Lobbyarbeit verpflichtet. „Die politische Aufgabe ist die zweite Säule unseres Portfolios“, so Weber. Eben dieses politische Engagement werde immer notwendiger. Die Philosophie des Mieterbundes: „Wir wollen, dass jeder ein Dach über dem Kopf hat; eine Wohnung, die bezahlbar ist“, so Winfried Kropp, Pressesprecher des Mieterbundes Bodensee, der auf die Missverhältnisse hinweist. „Das große Thema sind Aktiengesellschaften“, so Kropp. „Sie gehen rigoros den Zielen der Gewinnmaximierung nach. Wichtig ist ihnen lediglich, dass die Dividenden für die Aktionäre stimmen.“

Weber und Kropp greifen diesbezüglich ein aktuelles Konstanzer Beispiel auf. „Vonovia. Die Frage der Modernisierung war sehr problematisch“, formuliert Winfried Kropp vorsichtig und erläutert: „Nach altem Recht konnten die Eigentümer die Modernisierungskosten in voller Höhe auf die Mieter umlegen. Das war die Einladung, teuer zu modernisieren.“ Der Mieterbund hat sich für die Mieter stark gemacht, Politiker nach Konstanz zu Vor-Ort-Terminen geholt, auf die Missstände aufmerksam gemacht – und war erfolgreich. „Wir haben dazu beigetragen, dass auf Bundesebene die Regelung in zwei Punkten angepasst wurde.“ Die Regelungen findet der Mieterbund zwar nicht als ausreichend, freut sich aber gleichwohl, dass er einen Teilerfolg erzielen konnte. „Hier ist Vonovia in bestimmten Punkten in die Knie gezwungen worden“, konstatierte Lukas Siebenkotten, Präsident des Deutschen Mieterbundes, mit Zufriedenheit. Das Konstanzer Mieterbund-Team habe sich vorbildlich eingemischt und eingebracht und habe letztlich zur Reform des Umlagesystems bei Modernisierungsmaßnahmen beigetragen. „Das ist ein Schritt in die richtige Richtung“, so Siebenkotten, der bezüglich derartig agierender Immobilienbesitzer sagte: „Denen muss das Handwerk gelegt werden.“

Baubürgermeister Karl Langensteiner-Schönborn ist dieses erfolgreiche Engagement unvergessen, hebt aber noch weitere Erfolge des Mieterbundes Bodensees hervor. Er habe unermüdlich für die Zweckentfremdungssatzung und den Mietspiegel gekämpft und sich für das Konstanzer Neubaugebiet Hafner engagiert. Zu letztem Punkt fügte Langensteiner-Schönborn an: „Da war Herbert Weber immer ein Treiber.“

„Für den Bodenseeraum hat der Mieterbund als Partner der Kommunen Zeichen gesetzt“, stellt Karl Langensteiner-Schönborn fest. Er weiß auch, dass die Arbeit des Vereins in Kürze noch dringlicher und notwendiger werden wird. „Der Shutdown wird uns sicher noch Jahre lang beschäftigen“, meint er. Steigende Arbeitslosigkeit und damit verbunden finanzielle Engpässe bei gleichzeitig steigender Wohnungsnachfrage: Durch Corona werde auch der Mieterbund vor weitere Herausforderungen gestellt, ist Karl Langensteiner-Schönborn überzeugt.

Alle Informationen über den Deutschen Mieterbund Bodenseeunter: http://www.mieterbund-bodensee.de

Rückblick

„108 Jahre Mieterbund“, sagt Herbert Weber, Vorsitzender des Mieterbundes Bodensee, und erinnert an die Raumsituation des Vereins in Konstanz. „Die ersten Beratungen fanden in Wohnzimmern und an Küchentischen, dann in den Hinterzimmern von Kneipen statt.“ Die ersten Geschäftsräume waren in der Ellenrieder-Straße, später an der Oberen Laube. Im Jahr 2003 kaufte der Mieterbund Geschäftsräume am Zähringerplatz und zog jetzt nur zwei Häuser weiter.

Mehr Raum – mehr Möglichkeiten

„Wir sind die einzige Geschäftsstelle mit eigenem Tresor im Keller“, schmunzelt Herbert Weber, Vorsitzender des Deutschen Mieterbundes Bodensee. Der Grund: Die Räumlichekiten der jetzigen Mieterbund-Geschäftsstelle wurde zuvor als Bankfiliale.
„Wir sind die einzige Geschäftsstelle mit eigenem Tresor im Keller“, schmunzelt Herbert Weber, Vorsitzender des Deutschen Mieterbundes Bodensee. Der Grund: Die Räumlichekiten der jetzigen Mieterbund-Geschäftsstelle wurde zuvor als Bankfiliale.

Konstanz – „Es war ein Kraftakt, aber es war die richtige Entscheidung, denn so können wir unabhängig sein und sind in unserer Substanz nicht gefährdet“, stellt Herbert Weber, Vorsitzender des Deutschen Mieterbundes Bodensee e.V., fest. Im Jahr 2003 erwarb der Verein die Geschäftsräume am Zähringerplatz 15. Längst sind die Platzverhältnisse zu beengt geworden. Nun ergab sich die große Chance, in die Räume der vormaligen BBBank am Zähringerplatz 19 zu ziehen, welche der Vorstand nicht ungenutzt verstreichen ließ. Das bisherige Domizil wurde verkauft und die neue, wesentlich attraktivere und großzügigere Geschäftsstelle erworben und bedarfsgerecht umgebaut.

„Als wir 2003 in die alte Geschäftsstelle einzogen, hatten wir noch keine 6000 Mitglieder, jetzt haben wir knapp 8000“, sagt Winfried Kropp, zuständig für die Öffentlichkeitsarbeit des Mieterbundes Bodensee. „Ein Drittel mehr Beratungsleistung, 5000 Besucher pro Jahr, ein Großteil davon in Konstanz“, skizziert er und erläutert: „Wir hatten nur einen einzigen Raum für die Beratung zur Verfügung.“ Die bisherigen Räume des Mieterbundes waren lediglich 120 Quadratmeter groß. Mit dem Umzug vergrößerte sich die Bürofläche auf 160 Quadratmeter; die 60 Quadratmeter Nebenräume kommen auch gelegen. „Jetzt haben wir eine Entwicklungsperspektive für die nächsten Jahre und Jahrzehnte“, ist Winfried Kropp überzeugt.

Blickfang im Entree ist die farbenfrohe Theke, die Architektin und Vorstandsmitglied Claudia Büchelmaier ehrenamtlich geplant hat. Praktische Funktionalität und Ästhetik hat sie in diesem Stück vereint. Die „bunte Mischung“ war ihr wichtig, denn „die meisten Geschäftsräume sind weiß und grau; Farbe dagegen ist ein positives Element“, schildert Büchelmaier. „Freundlichkeit in den Räumen ist uns wichtig. Die meisten Mitglieder kommen zu uns, weil sie Ärger haben oder Angst wegen einer existenzbedrohlichen Situation, beispielsweise aufgrund Eigenbedarfskündigungen“, schildert Winfried Kropp. Freundlich und optimistisch sei die Ansprache seitens der kompetenten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, und eben dies solle sich in der Innenarchitektur widerspiegeln.

Empathie und Konfliktfähigkeit zeichneten das Team mitsamt Rechtsanwälten aus; der Mieterbund insgesamt wolle unabhängig sein und bleiben, um sich gezielt für den Mieter- und Verbraucherschutz engagieren zu können, schildert Winfried Kropp. Finanziell getragen werde der einstmalige Mieterverein, der vor etwa zehn Jahren in Mieterbund umfirmierte, ausschließlich durch die Mitgliedsbeiträge. „Im Prinzip sind wir kein Verein, sondern eine große Non-Profit-Organisation“, formuliert Winfried Kropp und fügt an: „Wir sind einer der größten Verbände in der Region. Wir bieten unseren Mitgliedern umfangreiche Dienstleistungen und bringen uns in die Wohnungspolitik ein.“ In Anbetracht der „Großwetterlage“ mit zunehmender Wohnungsnot geht er davon aus, dass der Mieterbund in den kommenden Jahren einen Mitglieder- und Arbeitszuwachs haben werde.

Genügend separate Beratungsräume stehen in der neuen Geschäftsstelle zur Verfügung. Ein weiteres Plus ist der vom Empfang abgetrennte Warteraum für Besucher. „Das war uns gerade bezüglich des Datenschutzes wichtig“, so Kropp.

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