Angefangen hat er als Indianer und der Knirps ahnt nicht, dass er es dereinst bis zum Burgherrn bringen wird. „Ich habe nie einem Narrenverein angehört“, wundert sich Manfred Hölzl noch heute über die Ehrung, die in der närrischen Gesellschaft von Konstanz auf immer und ewig gilt.

Immerhin, mitgemacht beim Mummenschanz hat er von jeher gern, wobei er irgendwann ins Häs eines Clowns schlüpft. Es ist ein Glücksfall, denn auf diese Weise lernt Manfred Hölzl seine Frau Ulrike bei einem der einstmals legendären Turnerbälle kennen. Die Optimisten spielen zum vorletzten Tanz, so erinnert sich der heute 64-Jährige, sein Blick schweift durch den Saal und da entdeckt er sie: Beide tanzen gern und ein Augenzwinkern genügt als Aufforderung. Man dreht ein paar Runden, dann geht es in die Bar. Es ist der Beginn einer lebenslangen Partnerschaft – und Ulrike Hölzl wird später übrigens Standesbeamtin bei der Stadt Konstanz.

Zu einer Mitgliedschaft in einem Narrenverein hat es nie gereicht, den Narren hat Manfred Hölzl gleichwohl viel zu verdanken. Als Clown lernt er seine Frau Ulrike kennen.
Zu einer Mitgliedschaft in einem Narrenverein hat es nie gereicht, den Narren hat Manfred Hölzl gleichwohl viel zu verdanken. Als Clown lernt er seine Frau Ulrike kennen. | Bild: Manfred Hölzl

Zu mehr als einem närrischen Mitläufer hat es jedoch nicht gereicht. „Vom Beruf her hatte ich keine Chance zum Mitmachen in einer Zunft“, sagt der Konzil-Wirt, dem andererseits gerade wegen dieser Funktion die Adelung zum Burgherrn quasi in den Schoß fällt. Denn es Manfred Hölzl, der den Narren ein neues Zuhause verschafft, nachdem zum Beispiel die Niederburg durch den einstigen Verkauf von St. Johann einen ihrer Veranstaltungsort verliert. Hinzu kommt vor rund einem Vierteljahrhundert eine interne Palastrevolution, durch die die Konstanzer Fasnacht eine neue Ausrichtung erfährt. Die Veränderung dürfte aus historischer Sicht aller Wahrscheinlichkeit nach vermutlich nicht zuletzt mit dem Beginn der Fernseh-Fasnacht verbunden werden.

Kutteln als Herausforderung

Sie ist untrennbar mit dem Konzil verbunden, einen Plan dafür gibt es freilich nicht. Überhaupt steht Manfred Hölzl der Sinn nach ganz anderem, als er vor knapp 40 Jahren in den Betrieb einsteigt. Er ist Mitte 20, ein junger Koch, der im Schwarzwald die Zubereitung von Schnecken, Froschschenkeln oder diversen Fischen perfektioniert – es ist die feine badische Küche. Klar, die Kompetenz zum feinen Essen bringt der junge Mann mit ins Konzil ein, aber daneben soll er nun Leberle, Kutteln und dunkle Mehlschwitze servieren.

Das kann er nicht und also bringt es ihm Alfred Wiedemann bei – wie dieser überhaupt in der jüngeren Konzil-Geschichte eine nicht unwesentliche Rolle spielt. Wie Manfred Hölzl sagt, ist es er, der die Eltern damals zur Pacht des Konzils überredet. Der Vater führt das Haus ganz im Stil eines gastronomischen Patrons, bevor Manfred Hölzl im Jahr 2003 die Geschäftsführung übernimmt, mit dabei sind während vieler Jahre die Mutter, der Bruder, die Schwester. Ein Familienbetrieb also, die in der Fasnacht die Chance für die Entwicklung des Konzils zu einer überregional wahrgenommenen Marke der Stadt Konstanz erahnt.

Der Stolz der Konstanzer

Denn was ist das Haus bis zur Ära Hölzl? Manfred Hölzl beschreibt das frühere Image als begehrtes Ziel für Touristen und als „Apotheke„. Soll heißen: Hier sitzen Leute, die den See als Kulisse nutzen und für Kaffee und Kuchen tief in die Tasche zu greifen bereit sind. Daran mag noch immer etwas Wahres sein, zumindest was die Gäste von auswärts betrifft. Zugleich aber ist das Konzil heute ein Ort für die Einheimischen: „Die Konstanzer sind wieder stolz auf ihr Konzil„, beschreibt Manfred Hölzl den Wandel von der verrufenen Touristen-Destination zum angesehenen Ruf als „gute Stube der Stadt“.

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Die Familie hat dabei den Narren ebenso viel zu verdanken wie die Fasnacht dem Konzil. So finden Kinderbälle statt, die aus betriebswirtschaftlicher kaum etwas einbringen, auch andere Veranstaltungen der Zünfte lassen sich laut Manfred Hölzl „ökonomisch nur schwer abbilden“. Verzichtet wird beispielsweise auf die Saalmiete und außerhalb des Gastraumes dürfen die Narren Getränke auf eigene Rechnung verkaufen.

Gleichzeitig macht die Wirtsfamilie den Schabernack mit: Man lässt sich auf die Motti der Narren ein, serviert Sterntalersalat, wenn es um ein Märchen-Thema geht, oder marschiert mit Wunderkerzen in den Saal, wenn die Narren sich aufs Traumschiff verlegen. Für Neues aufgeschlossen zeigt sich das Konzil, wenn es um neue Veranstaltungsformate beziehungsweise Einbindung jüngerer Menschen in die Fasnacht geht. Manfred Hölzl schwärmt von den Discos am Fasnachtssamstag mit bis zu 1500 Besuchern – wobei ihm bewusst ist, wie schnell sich die Formate ändern. „Heute käme vermutlich eine Raver-Party besser an.“

Die Bedeutung der TV-Fasnacht

Nichts aber lässt sie die Allianz zwischen Konzil und Fasnacht deutlicher zutage treten wie die TV-Fasnacht. Das ergibt sich allein wegen der Reichweite, zugleich betritt ein weiterer Spieler die Bühne – es ist die Stadt selbst. Im Rückblick des zum Monatsende in den Ruhestand gehenden Manfred Hölzl rundet sich damit ein Marketing ab, das so zu Beginn nicht absehbar war. Konzil, Fasnacht, Konstanz werden in der Außenwahrnehmung eins, wobei der Wirt bei seiner Rolle im Zusammenspiel gern bescheiden gibt. Die Narren wissen es offensichtlich schon länger besser und erheben ihn vor rund zehn Jahren in den Stand des Burgherren.