Die Geschichte des 30er-Jollenkreuzers „Bazi“ beginnt für Familie Birkle aus Staad im Jahr 1966. Damals entdeckte Vater Walter Birkle, heute 87 Jahre alt, neben der Bodenseewerft in Wallhausen ein hölzernes Wrack – die Überreste eines einst stolzen Schiffes, das er aus besseren Tagen kannte.

Jürgen Birkle ist stolz auf das Familienmitglied „Bazi“, sein etwa 90 Jahre altes Segelboot aus Holz. Die hier sichtbaren Planken sind noch die originalen. Derzeit muss der Jollenkreuzer saniert werden.
Jürgen Birkle ist stolz auf das Familienmitglied „Bazi“, sein etwa 90 Jahre altes Segelboot aus Holz. Die hier sichtbaren Planken sind noch die originalen. Derzeit muss der Jollenkreuzer saniert werden. | Bild: Kirsten Astor

Der Anblick schmerzte Walter Birkle so sehr, dass er das Boot für 750 D-Mark kaufte. Doch dann begann harte Arbeit, wie sein Sohn Jürgen erzählt: „Mein Vater und ein Freund verbrachten drei Jahre lang damit, das alte Schiff wieder herzurichten. Sie erneuerten Planke für Planke, bis das Boot 1969 wieder ins Wasser konnte.“

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Er selbst war damals „ein kleiner Pimpf“, wie Jürgen Birkle es formuliert. Mit dem Boot erkundete er die Heimat. „Segeln war das Urlaubsmedium für Handwerker, denn Italien konnte man sich nicht leisten.“

Doch ein Holzboot benötigt viel Aufmerksamkeit. So versiegelte die Familie den Rumpf in den 1970er-Jahren mit glasfaserverstärktem Kunststoff, versah das Boot mit einem Deck aus Teakholz, vergrößerte die Kajüte und schenkte ihm in den 80ern ein neues Ruderblatt. „Bazi“ segelte seither mit Walter, Jürgen, dessen Brüdern und Kindern so manche Regatta, auch bei der Bodenseewoche.

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Einmal durfte das Schiff sogar auf den Genfer See, Urlaub machen. „Bazi ist ein richtiges Familienmitglied, das umsorgt wird“, sagt Jürgen Birkle, 57 Jahre. Auch seine beiden Söhne, inzwischen über 20 Jahre alt, wuchsen auf dem Boot auf. Und als Jürgen Birkle vor drei Jahren das zweite Mal heiratete, fand die standesamtliche Trauung auf dem Bodensee statt – natürlich auf „Bazi“.

Jürgen Birkle und sein Sohn Sebastian auf „Bazi“ vor der Insel Mainau, ein Bild aus dem Jahr 2012.
Jürgen Birkle und sein Sohn Sebastian auf „Bazi“ vor der Insel Mainau, ein Bild aus dem Jahr 2012. | Bild: privat

Aber woher kommt eigentlich dieser eigentümliche Name für ein Segelboot? Jürgen Birkle schmunzelt: „Mein Vater hatte mal eine Freundin aus Bayern. Alle zogen ihn mit einem bayerischen Ausdruck auf und nannten ihn Saubazi, daraus wurde dann Bazi.“ Das bedeutet so viel wie Schlingel oder Gauner. Jürgen Birkle lacht: „Dabei sind Schiffe ja vom Namen her eigentlich immer Mädchen.“

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Die Familie geht davon aus, dass „Bazi“ in den 1930er-Jahren erbaut wurde. Nun nagt erneut der Zahn der Zeit am neun Meter langen Jollenkreuzer. „Wir richten Bazi momentan wieder her“, sagt Bootssattler Jürgen Birkle und deutet in einer Lagerhalle im Industriegebiet auf ein Schiff, das aufgebockt auf dem Bauch liegt.

Gemeinsam mit seinem Bruder, einem Holzingenieur, seinem Sohn als Schreinermeister und einem Bootsbauer hat er die Außenhaut am Rumpf heruntergenommen. Nun zeigt „Bazi“ wieder seine nackten Planken, die unten noch die originalen sind. „Das Kielschwein und der Schwertkasten faulen“, sagt Jürgen Birkle. „Wir machen Bazi fit für die kommenden 50 Jahre.“ Und vielleicht auch für die übernächste Generation.

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