Ein Griff in die Jackentasche, und plötzlich macht sich Panik breit. Wo eigentlich das Handy sein sollte, findet sich auf einmal nur noch gähnende Leere. Auch in der anderen Jackentasche, den Hosentaschen und in der Handtasche ist keine Spur von dem Gerät.

Irgendwo muss man das Ding verloren haben. Nun bleibt nur noch eine letzte Hoffnung: Ein ehrlicher Finder. Verlorene Gegenstände und ihre rechtmäßigen Eigentümer wieder zusammenzubringen, ist die Aufgabe des Fundbüros.

Bierkästen und ein Gebiss

Zwischen 2500 und 3000 Gegenstände landen dort jedes Jahr. Auch wenn oft Alltagsgegenstände darunter seien, gebe es nicht das klassische Fundstück, so Sachbearbeiterin Julia Hübler.

Im vergangenen Jahr landeten unter vielem anderen auch ein Hoverboard, ein selbst balancierendes, elektrisches Rollbrett und zwei Kästen Bier in der Sammlung. Für beides habe sich bislang noch nicht der Eigentümer gemeldet, so Hübler.

Vor einigen Jahren wurde auch mal ein Gebiss vorbei gebracht, erinnert sie sich. Es sei in einem Restaurant gefunden worden, der ursprüngliche Eigentümer habe sich aber nie gemeldet und habe auch nicht ermittelt werden können.

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Abgegeben werden die Fundstücke sowohl von Findern als auch von der Polizei, die etwa einmal pro Woche mit verloren gegangenen Gegenständen vorbeikommt. Sechs Monate lang bleiben die Fundstücke im Lager. Falls sich bis dahin der Eigentümer nicht gemeldet hat und der Finder einen Rückgabeanspruch geltend gemacht hatte, wird der Gegenstand für eine Verwaltungsgebühr an den Finder übergeben.

Gut erhaltende Kleidung und Gegenstände gehen ansonsten an gemeinnützige Einrichtungen wie das Kleiderwerk oder auch an Obdachlosenunterkünfte. Elektronische Gegenstände werden über eine externe Firma versteigert.

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Alles, was nicht abgeholt wurde und auch sonst nicht mehr zu gebrauchen ist, wird am Ende vernichtet. Auch das Gebiss existiert deshalb heute nicht mehr.

Verluste digital melden

  • Neuerdings können Verlustanzeigen auch direkt online auf der Internetseite der Stadt aufgegeben werden. 20 Kategorien stehen zur Auswahl, von Ausweisen über Elektronik, Kameras und Handys bis zu Spielzeug ist alles dabei.
  • In den nächsten Schritten gilt es, den Gegenstand so genau zu beschreiben wie möglich, etwa ob es sich beim verloren Spielzeug um ein ferngesteuertes Fahrzeug oder ein Stofftier handelt, wie es aussieht, welche Farbe es hat und wann und wo es verloren wurde.
  • Am Ende wird die Verlustanzeige automatisch mit der Datenbank der im Fundbüro abgegebenen Gegenstände abgeglichen. Wer die Verlustanzeige eingestellt hat, wird bei einem Treffer automatisch kontaktiert.
  • Zudem wird von den Mitarbeitern im Fundbüro noch einmal manuell überprüft, ob der Algorithmus auch wirklich den korrekten Gegenstand identifiziert hat. Um abzuklären, ob der vermeintliche Besitzer auch der tatsächliche Eigentümer des Fundstückes ist, wird bei Schlüsseln ein Vergleichsschlüssel verlangt oder es wird nach bestimmten Merkmalen des Gegenstandes gefragt.
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Während sich Julia Hübler um die Verwaltung der abgegebenen Gegenstände kümmert, sind grundsätzlich sämtliche Mitarbeiter des Bürgerbüros für die Annahme und Herausgabe von Fundsachen zuständig.

Fundsachen in den Briefkasten

“Im Moment haben wir durch die Pandemie deutlich weniger Fundsachen“, erklärt Sabine Stöckler, Abteilungsleiterin des Bürgerbüros, am Telefon. Besonders die fehlenden Veranstaltungen machten sich hier bemerkbar, sagt sie. Gerade einmal 1700 Fundstücke landeten so im vergangenen Jahr im Konstanzer Fundbüro.

Bürgerbüro-Leiterin Sabine Stöckler
Bürgerbüro-Leiterin Sabine Stöckler | Bild: Scherrer, Aurelia

Auch wenn das Bürgerbüro derzeit für den allgemeinen Besucherverkehr geschlossen ist, können Fundgegenstände weiterhin mit Angabe von Fundort und Fundzeitpunkt in den Amtsbriefkasten beim Bürgerbüro geworfen werden.

Von 142 abgegebenen Fundgegenständen seit Ende November habe man bislang 48 wieder an die glücklichen Eigentümer zurückgeben können, erklärt das Konstanzer Bürgeramt. Bei zehn dieser Gegenstände war bereits die Online-Verlustanzeige bei der Rückführung behilflich, die Tendenz sei steigend.

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So erklärt Sabine Stöckler: “Wir hoffen, dass die Kundschaft diese Möglichkeit jetzt auch fleißig nutzt.“ Am Ende bleibt von der ersten Panik so hoffentlich nur noch die Erleichterung, wenn man das verloren gegangene Handy im Bürgerbüro wieder in Empfang nehmen darf.