Diesen Samstag soll sich entlang des Bodensees die längste je in Deutschland geformte Menschenkette bilden. Auf der Internetseite der Aktion werden als Unterstützer unter anderem Querdenker-Initiativen aus Konstanz, Stuttgart, Überlingen und Ravensburg genannt, die sich gegen Auflagen zur Eindämmung der Corona-Pandemie positionieren. Doch gegen diesen Plan regt sich Widerstand. Eine kleine Gruppe versucht seit rund einer Woche, die Aktion zum Scheitern zu bringen.

Initiiert hat das Ganze Oliver, der in Wahrheit anders heißt. In einer E-Mail hat er sich an den SÜDKURIER gewandt: „Wir wollten uns nicht früher an die Öffentlichkeit wenden, weil die Menschenketten-Organisatoren sonst entsprechend reagiert hätten.“

Das könnte Sie auch interessieren

Oliver wohnt in Kreuzlingen, fühlt sich aber als Konstanzer, wie er sagt. Der junge Mann will seinen echten Namen in der Zeitung nicht lesen, weil er sich vor einer möglichen Reaktion der Querdenker fürchtet: „Konstanz ist so eine kleine Stadt, und ich weiß überhaupt nicht, wie die Querdenker hier vernetzt sind.“ Er habe zum Beispiel gesehen, dass zwei Freunde von ihm in solchen Gruppen aktiv seien, von denen er dies nie gedacht hätte.

Der Plan: „Anmelden und nicht hingehen“

Doch wie genau will Oliver nun die Querdenker-Menschenkette zu Fall bringen? Oliver vergleicht seine Taktik mit einer Kampagne in den sozialen Netzwerken, bei der im Juni US-Amerikaner dazu aufgerufen wurden, Tickets für einen Wahlkampfauftritt von Donald Trump zu reservieren – und dann nicht hinzugehen, damit der US-Präsident vor möglichst vielen leeren Plätzen steht.

Das könnte Sie auch interessieren

„Genau so machen wir es auch: Für die Menschenkette anmelden und dann nicht hingehen“, erklärt Oliver. Die Organisatoren der Kette rufen nämlich dazu auf, dass sich die Teilnehmer der Aktion auf der Internetseite „Friedenskette Bodensee„ registrieren, damit sie sich möglichst gleichmäßig auf die einzelnen Abschnitte der Kette entlang des Bodensees verteilen. Laut Organisatoren hatten sich bis Dienstag bereits rund 15.000 Personen für die Kette angemeldet.

Die Menschenkette und die Reaktion darauf

„Ich habe mich dann auch mal angemeldet und gesehen, dass es keine nachträgliche Prüfung gibt. Wie sie auch selbst schreiben, können sie aus administrativen Gründen nicht einmal eine Bestätigungsmail verschicken“, so Oliver. Er habe sich dann noch dreimal angemeldet, mit anderem Namen. Als auch das ohne Probleme möglich war, habe er einige Freunde dazu aufgefordert, es ihm gleichzutun. Derzeit wisse er von circa zehn Leuten, die mitmachten, sagt Oliver.

Das Ziel: „Möglichst viele Lücken“

Er allein habe inzwischen rund 400 Anmeldungen für die Menschenkette abgeschickt. Über den Text- und Sprachnachrichtendienst Telegram habe er sich zudem Gruppen von Querdenkern angeschlossen. Telegram gilt als sicherer als vergleichbare Applikationen wie Whats-App. „In diesen Chats habe ich herausgefunden, wie viele Menschen sich in der Regel auf einmal anmelden, nämlich jeweils drei bis vier. Wir haben das dann nachgemacht, damit wir nicht auffallen“, erklärt Oliver.

Das könnte Sie auch interessieren

Ziel der ganzen Aktion sei es, dass die geplante Menschenkette möglichst viele Lücken erhält. Damit würde auch der erhoffte Eintrag ins Guinnessbuch der Rekorde als längste je dagewesene Menschenkette in Deutschland verhindert werden. Dass mit der Kette ein Rekord angestrebt werden solle, hatte Gerry Mayr von der Konstanzer Querdenker-Initiative gegenüber dem SÜDKURIER mehrfach betont.

Das Warum: „Kette passt nicht hierher“

Doch warum ist es Oliver und seinen Freunden so wichtig, die Querdenker-Menschenkette zu sabotieren? Eigentlich sei er politisch „sehr inaktiv“, sagt der junge Mann von sich. „Aber ich kann die Art und Weise, wie diese Corona-Gegner agieren, überhaupt nicht nachvollziehen.“ Ihn selbst hätten der im Frühjahr verhängte Stillstand und die Grenzschließungen auch hart getroffen, da sein Sohn in Konstanz lebe. „Dennoch kann ich die bisher getroffenen Maßnahmen nachvollziehen.“

Nicht nachvollziehbar sei für ihn vielmehr, warum man zum Beispiel so strikt gegen die Masken-Tragepflicht sei. „Die Einschränkungen sind so marginal, dass sie aus meiner Sicht keine Demonstration in dieser Form rechtfertigen“, findet Oliver. „Und eine Aktion mit geplanten 60.000 Teilnehmern oder mehr passt einfach nicht hierher.“

Das könnte Sie auch interessieren

Es sei in der jetzigen Zeit einfach nicht verantwortbar, dass so viele Menschen, die sich an keine Corona-Auflagen halten würden, in die Bodenseeregion strömten. „Viel werden tagsüber nach Konstanz, Lindau oder Meersburg gehen und sich dann dort so verhalten, als ob es kein Corona gäbe.“ Deshalb sei er nun mit seiner Aktion auch an die Öffentlichkeit getreten: „Je mehr Menschen es uns gleichtun und sich für die Kette anmelden und dann nicht hingehen, desto besser.“

Unser bestes Angebot ist wieder da: die Digitale Zeitung + das neuste iPad für 0 €