Der Bürgersaal der Stadt Konstanz ist für alle da, doch deswegen muss die Verwaltungshoheit nicht von verschiedenen Stellen innerhalb des Rathauses wahrgenommen werden. Diese Ansicht vertritt die Freie Grüne Liste (FGL) im Gemeinderat und forderte deswegen klare Verhältnisse. Doch es blieb beim Versuch: Entsprechende Anträge sowohl im zuständigen Ausschuss wie im Plenum scheiterten an einer knappen Mehrheit, die bei der Verwaltung des Bürgersaals alles beim Alten lassen möchte.

„Der Bürgersaal sollte komplett beim Kulturamt angesiedelt werden.“Mohamed Badawi, FGL
„Der Bürgersaal sollte komplett beim Kulturamt angesiedelt werden.“Mohamed Badawi, FGL | Bild: SK

Nach Ansicht der FGL sollte die Verwaltung komplett dem Kulturamt übertragen werden. Der derzeitige Zustand gleiche einem Zuständigkeitswirrwarr, bei dem laut FGL-Stadtrat Mohamed Badawi vom Oberbürgermeister bis zum Hausmeister eine „nicht nachvollziehbare Verwaltungsstruktur“ vorherrsche. Nach seiner Darstellung hat beispielsweise OB Uli Burchardt bei der Terminvergabe das letzte Wort, für die Technik sei der Hausmeister zuständig, die Reinigung wiederum übernehme das Gebäudemanagement.

Mohamed Badawi ging es aber längst nicht nur um die Ertüchtigung der nach Meinung der FGL diffusen Organisationsstruktur. Seine Schilderung der Mängelliste bei der Ausstattung des Bürgersaals verdeutlichte, worum es im Kern des Antrags ging: Die sanitären Anlagen lassen demnach zu wünschen übrig, bei Bühnenstücken steht den Künstlern lediglich eine Gerümpelkammer für die Umkleide zur Verfügung, der Saal ließe sich durch eine kleine Küche aufwerten und der Einbau einer Belüftungsanlage wäre auch nicht schlecht. Das alles ließe sich besser bewerkstelligen, wenn der Bürgersaal in den Zuständigkeitsbereich des Kulturamts falle. Hier – so jedenfalls sieht es die FGL – liege das Gros des Kundenpotenzials.

Bürgermeister Osner sieht keinen Handlungsbedarf

Der für die sozialen und kulturellen Belange zuständige Bürgermeister Andreas Osner ließ offen, ob er das genauso sieht – für ihn spielt es allerdings auch nicht die entscheidende Rolle. Der Charakter des Bürgersaals ergibt sich nach seiner Meinung aus der Multifunktionalität: Mal gibt‘s Kultur, dann wieder wird der Saal von Vereinen genutzt und bei Bedarf finden hier gewerbliche Veranstaltungen statt. Wirklich wichtig erscheint dem Bürgermeister, dass der Bürgersaal funktioniert und es innerhalb der Verwaltungsressorts keine Probleme mit der Koordination gibt. Einen Bedarf klarer Zuständigkeit im Zusammenhang mit der Behebung der baulichen Mängel sieht ebenfalls nicht. Für eine umfassende Sanierung fehlt es zurzeit an Geld, allfällige Reparaturen beziehungsweise Verschönerungen ließen sich auch ohne einen Neuzuschnitt der Verwaltungsaufgaben vornehmen.

„Zu schade für Lederhosenverkauf“

Die Einschätzung wird von der Mehrheit der Stadträte inklusive Oberbürgermeister Uli Burchardt geteilt. Für Jürgen Ruff (SPD) gehört es zum Wesen des Bürgersaals, dass er für alle Bürger der Stadt nutzbar gemacht werden könne und über die Buchung nicht in der Entscheidungsbefugnis des Kulturamts liege. Eben das passt Holger Reile von der Linken Liste Konstanz nicht: Er plädierte für eine hochwertige Nutzung des Bürgersaals, was sich nicht mit einer „Verkaufsveranstaltung für Lederhosen“ vereinbaren lasse.