Kamiran Sulaiman lebt erst seit 2018 in Deutschland, er spricht aber schon fast wie einer, der vor langem hier Wurzeln geschlagen hat. Der 20-Jährige sagt, es falle ihm leicht zu lernen, und das habe er auch gemacht, als sich die fünfköpfige Familie zwei Zimmer teilen musste. „Es war richtig eng.“ Er schloss dennoch die Berufsfachschule mit der Spitzennote 1,5 ab und beginnt eine Ausbildung als Elektriker. Er sagt: „Ich habe gelernt, um nicht weiter nachzudenken.“

Gewalt und Übergriffe

Das Problem: Die erste Station der syrischen Familie in Europa war Bulgarien, ein Land, in dem Flüchtlinge oftmals schlechte Erfahrungen machen, wie Organisationen wie Pro Asyl berichten. Auch die Sulaimans wollen dort Gewalt und Übergriffe erlebt haben.

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Trotzdem drohten Kamiran Sulaiman und seiner ebenfalls erwachsenen Schwester die Abschiebung genau dorthin. Erst ein Härtefallantrag, bei dem die Konstanzer Organisation Save me half, endete für Kamiran Sulaiman positiv. Die Eltern dürfen wegen eines behinderten Kinds bleiben. Die Schwester aber saß schon in Frankfurt am Main im Abschiebeflugzeug. Sie wäre gar nicht mehr in Deutschland, hätte sie sich nicht geweigert mitzufliegen. Der Pilot lehnte unter diesen Umständen den Transport durch die Luft ab.

„Wenn mich was frustriert, dann ist es die Bürokratie, nicht die Menschen.“

Dabei hätte die Schwester ebenso gute Aussichten, ihr Leben in Deutschland zu meistern, wie Bruder Kamiran. Auch sie hatte Spitzenergebnisse bei Deutschkursen. Das Basiswissen erwarb sie in Kursen von Save me, aktuell absolviert sie den C1-Kurs an der Universität, der das weit fortgeschrittene Sprachniveau zum Inhalt hat, wie es in einem Studium benötigt wird.

Sie hätte eine Ausbildungsstelle als Restaurantfachkaft, wenn sie sie antreten dürfte. Ein Arbeitsverbot verdamme die Frau jedoch zur Untätigkeit, stellt Hildegard Gumpp von Save me fest. Sie setzt sich dafür ein, dass die begabte junge Frau in Deutschland bleiben kann. Gumpp sagt: „Wenn mich was frustriert, dann ist es die Bürokratie, nicht die Menschen.“

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Obwohl Kamiran Sulaiman nie genau wusste, ob er im Land bleiben darf, und obwohl das Deutsche neu war für ihn, lernte er. Seine Motivation: Endlich in Frieden leben. In Syrien seien junge Menschen in Gefahr gewesen, von einer der kämpfenden Armeen eingezogen zu werden, berichtet er. Dort habe er von einem Handyladen geträumt und von einem Studium, doch der Krieg habe alles zerschlagen. Er erzählt von der Flucht, erst von Stadt zu Stadt in Syrien, immer auf der Suche nach Sicherheit – bis er das Land ganz verließ. Kamiran Sulaiman und seine Schwester berichten, wie sehr die Familie den Flüchtlingen Halt gab. Dass sie getrennt werden sollten, verstehen weder sie noch die Helfer.