Abdul Valizade kann nur lachen über Diskussionen hierzulande, dass alles teurer werde. Er sagt: In Afghanistan habe das Wort Inflation eine ganz andere Bedeutung. Da könne es sein, dass über Nacht die Brotpreise ums Dreifache steigen. Der 36-jährige Flüchtling muss hart arbeiten, um seine Familie in der Heimat unterstützen zu können. Dort haben jetzt die Taliban das Sagen, die radikalen Islamisten.

Er blickt mit Sorge nach Afghanistan

„Jeder Afghane blickt mit Sorge nach Afghanistan“, sagt Abdul Valizade. Seine Frau und seine beiden Kinder leben noch in dem Land, dem der 36-Jährige vor Jahren den Rücken kehrte. Manchmal gelinge es ihm, mit ihnen zu telefonieren, manchmal aber auch nicht. Als er damals in Afghanistan aus dem Haus ging, habe er noch nicht geahnt, dass ihm eine Odyssee durch halb Europa bevorsteht. „Ich habe gedacht, ich gehe ein oder zwei Jahre in den Iran.“

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Deutschland sei sehr weit weg gewesen. Doch dann sei er doch dort gelandet nach Stationen im Iran und der Türkei. Er erreichte 2015 Deutschland. Er lebte in den Unterkünften der Zeppelinschule und der Schwaketenhalle und dann noch kurze Zeit im ehemaligen Gebäude des Transportunternehmens Transco.

Nach wenigen Tagen in Konstanz habe er einen Sprachkurs des Flüchtlingsnetzwerkes Save me besucht. Viele Engagierte hätten ihm geholfen, sich hier zurechtzufinden. Was ihm am meisten im neuen Land auffällt: „Man kann hier überall hinfahren. Alles ist ruhig. Man kann machen, was man will.“ Von seiner Heimat kenne er vor allem den Kriegszustand.

Geld auf abenteuerlichen Wegen in die Heimat

Valizade sagt, er könne es sich nicht leisten, eine Ausbildung zu machen. Seine Familie sei auf seine Unterstützung angewiesen. Er sagt: „Die Familie hat ihr eigenes Einkommen. Aber das reicht nicht. Lebensmittel sind so teuer geworden.“ Und so schicke er auf abenteuerlichen Wegen Geld, das über Mittelsmänner in einem der Nachbarländer zu seinen Verwandten komme.

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Es werde aber immer schwerer, die Grenzen zu überwinden, sagt er. Seine Familie zu unterstützen, ist für den 36-Jährigen selbstverständlich, dabei verdient er selbst nicht so viel. Er arbeitete zuerst bei einem Gemüsebauern und ist seit April 2018 als Hausdiener im Inselhotel beschäftigt. Er sorgt dort vor allem dafür, dass die Wäsche immer frisch ist. Und er hat noch einen Minijob im Service eines Restaurants.

In Afghanistan, so Valizade, habe er sechs Jahre lang die Schule besucht. „Ich habe da Lesen und Schreiben gelernt.“ Doch der Fußweg zur Schule sei gefährlich gewesen. „Damals war auch Krieg. In der Schule war keine Ordnung.“ Schließlich sei er mit seinem Vater allein gewesen und statt weiter zu lernen, habe er auf dem Bau gearbeitet.