Als Alexander Kurtz an der Bodensee-Arena ankommt, ist er von oben bis unten durchnässt. Eigentlich sind es mit dem Fahrrad von ihm zuhause nur knappe zehn Minuten bis nach Kreuzlingen. Einmal über die Fahrradbrücke, durch den Stadtgarten und über den Hafen bis hin zur Eissporthalle, direkt hinter der grünen Grenze.

Doch der starke Regen reicht, um nach diesem kurzen Weg patschnass zu sein. Würde man es im Nachhinein nicht besser wissen, könnte man meinen, dass das bereits ein Omen für das Spiel der deutschen Nationalmannschaft gewesen sei, das Kurtz gleich mit seinen Freunden in der Kreuzlinger Bodensee-Arena anschauen wird.

Nach und nach füllt sich die Bodensee Arena. Die Stimmung steigt.
Nach und nach füllt sich die Bodensee Arena. Die Stimmung steigt. | Bild: Jannik Höntsch

Direkt in der Eishalle sind etliche Biertische und zwei große Leinwände aufgebaut, auf denen parallel zum Deutschland-Spiel auch das Spiel von Frankreich gegen Portugal gezeigt wurde. Bis zu 300 Gäste finden hier während den EM-Spielen Platz, im Voraus ist aber eine Reservierung notwendig.

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Kurtz und seine Freunde haben gleich zwei Tische reserviert. Neben dem überdachten Platz war dafür auch die einzigartige Atmosphäre für ihren Besuch in der Bodensee-Arena verantwortlich. „Das war hier der Wahnsinn. So eine geile Stimmung! Die Leute waren alle außer Rand und Band“, erklärt Kurtz nach dem Spiel.

Tatsächlich – doch schon vor dem Anpfiff, war die Marschroute klar: Heute geht es um alles. Es musste ein Unentschieden her. Für die Fans also die Aufgabe, von Beginn an anzufeuern. Schon vor dem Spiel stimmten Fans ihre Gesänge lauthals an, polterten im Takt. Auf mitgebrachten Trommeln oder auf Bierbänken – Arena Stimmung eben.

Selbst mit Maske ist das Grinsen zu erkennen: Alexander Kurtz (links) und Marcel Geist.
Selbst mit Maske ist das Grinsen zu erkennen: Alexander Kurtz (links) und Marcel Geist. | Bild: Jannik Höntsch

Eines dieser Public-Viewing-Spiele, an denen auch die Kommentatoren locker übertönt wurden. Wo Emotionen endlich wieder gemeinsam gelebt werden können. „Da gehst du nicht nur selber ab, wenn ein Tor fällt, sondern auch noch 300 Leute um dich herum“, erklärt Kurtz. Trotz oder gerade wegen des dramatischen Spiels, denn lange Zeit lief die deutsche Elf dem Rückstand hinterher.

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Die Nervosität, die Joachim Löw ins Gesicht geschrieben war, machte sich allmählich auch in der Bodensee Arena breit. Auch das vermeintlich rettende Tor durch Havertz sollte daran nichts ändern. Ekstase, auf die ein schnelles Erwachen folgte. Als Ungarn nur Sekunden später wieder traf, wurde es dramatisch – passend zum nicht enden wollenden Gewitter, das von draußen aus mitzuspielen schien.

Parallel zum Deutschland-Spiel wurde auch das Spiel zwischen Frankreich und Portugal gezeigt.
Parallel zum Deutschland-Spiel wurde auch das Spiel zwischen Frankreich und Portugal gezeigt. | Bild: Jannik Höntsch

„Es war wirklich sehr spannend, weil es dann doch sehr unsicher war“, erzählt Geist schmunzelnd. Er selbst ist normalerweise gar kein großer Fußball-Fan. Doch als schließlich Musialas Pass in den Strafraum kam und Goretzka zum entscheidenden 2:2 einnetzte, gab es auch für ihn kein Halten mehr: „Das war krass. Man hat zusammen getrunken, gefeiert, rumgeschrien. Wahnsinn!“

Für die Nationalelf war es das ersehnte Ticket für das Achtelfinale. „Wenn sie dort gewinnen, kommen sie Minimum ins Halbfinale“, vermutet Kurtz. Wo Geist und er das Spiel verfolgen werden, steht für sie bereits fest: „Ich glaube, das Beste, was man an Public Viewing dieses Jahr erleben kann, bekommt man hier.“

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