Viele Abweichungen gibt es nicht, und eben darin liegt eine der Besonderheiten des Konstanzer Ergebnisses bei der Landtagswahl vom Sonntag. Man kann die Daten nach Belieben drehen und wenden, am Ende führen alle Wege zu der Erkenntnis, dass die Grünen mit ihrer Kandidatin Nese Erikli die Wahl in jedem Winkel der Stadt klar für sich entschieden haben. Ähnlich sieht es bei den anderen Parteien beziehungsweise Bewerbern aus: Große Schwankungen in den Orts- beziehungsweise Stadtteilen lassen sich nicht entdecken.

  • Die Ortsteile: Für die Ortsteile Dettingen-Wallhausen, Dingelsdorf und Litzelstetten (siehe Grafiken) sieht das wie folgt aus: Klar vorne liegen die Grünen mit einem Wert von jeweils nur geringer Abweichung (zwischen 42,6 und 44,3 Prozent). Als klarer Vize geht in den Ortsteilen die CDU über die Ziellinie, wobei sie mit 20 Prozent in Litzelstetten, 20,6 Prozent in Dettingen-Wallhausen und 25,9 Prozent in Dingelsdorf deutlich unter den Zielen der Partei zurückbleibt. Dahinter tummeln sich die Kleinen: SPD und FDP sind gleichauf, wobei die FDP in Litzelstetten mit 12 Prozent deutlich auf Abstand zur SPD (8,3) gehen konnte. Knapp über die Fünf-Prozent-Hürde geschafft hat es in den Ortsteilen die AfD, die Linken dagegen blieben unter dieser Marke.

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  • Die Stadtteile: Jeder zweite Wähler in der Konstanzer Altstadt und im Paradies gab am Sonntag seine Stimme den Grünen, es sind die besten Werte für die Partei von Nese Erikli im Wahlkreis Konstanz/Radolfzell. Bei der Auswertung (siehe Tabelle) fällt ferner auf, dass in den beiden Quartieren auch die Linken punkten konnten – nur in Petershausen/West schaffte es die Partei mit ihrer Kandidatin Antje Behler noch auf einen Stimmenanteil von mehr als 8 Prozent. Es sind übrigens auch die drei Wahlbezirke, in denen Levin Eisenmann stellvertretend für die CDU ein Waterloo erlebte. Die Partei, die für sich den Anspruch einer Volkspartei erhebt, kam hier auf 12 bis 14 Prozent. Mehr noch als aus den Tiefstwerten geht das Desaster der CDU aber womöglich aus den Höchstwerten hervor. Lediglich in Allmannsdorf/Staad schaffte es die Partei gerade so über die 20-Prozent-Marke, in allen anderen Stadtteilen blieb sie darunter. Nur ein schwacher Trost dürfte es dabei sein, dass immerhin noch ein deutlicher Abstand zur SPD und FDP besteht, die sich in den meisten Quartieren mit Werten knapp unter 10 Prozent ein Kopf-an-Kopf-Rennen lieferten. Schlusslicht bei den relevanten Parteien bildet in den Stadtteilen die AfD. In der Altstadt und im Paradies blieb sie klar unter 5 Prozent, am ehesten auf Sympathien stößt sie in Fürstenberg mit 7,3 Prozent.
  • Die Hierarchie: Außergewöhnlich für die Wahl am Sonntag sind die klaren Machtverhältnisse. Sowohl für die Gesamtstadt wie für die Ortsteile und die Stadtbezirke nehmen die Grünen den ersten Platz ein, danach kommt lange nichts. Auf Platz zwei rangiert die CDU, bei ihr ist der Abstand zu den weiteren Mitbewerbern allerdings nicht mehr so groß. SPD und FDP bewegen sich in der Gunst der Wähler auf Augenhöhe, was – auf nochmals niedrigerem Niveau – auch für die Linke und die AfD zutrifft. In der Summe liegt die Partei der Linken in der Stadt Konstanz mit 6,8 Prozent um 1,8 Punkte über dem Ergebnis der rechtsextremen Partei. Nicht ganz beim Blick auf das Wahlergebnis für Konstanz zu vernachlässigen ist der Anteil der Wählerstimmen, die auf sonstige Parteien entfielen. Ihr Anteil ist im Vergleich zur Landtagswahl vor fünf Jahren von 3,1 auf 7,3 Prozent gestiegen – was Interpretationsspielraum in mehrerer Hinsicht erlaubt. Zum Ausdruck kommen kann darin ebenso grundsätzliche Unzufriedenheit wie die Entwicklung der Zivilgesellschaft zu weiterer Pluralität. Landesweit wird Letzteres zum Beispiel durch die wachsende Bedeutung der Freien Wähler Partei sichtbar, die es in Bayern bereits bis zum Juniorpartner in der Landesregierung gebracht hat.
  • Die Wahlbeteiligung: Eine Unwägbarkeit bei der Bewertung der politischen Gemengelage ergibt sich aus der Wahlbeteiligung. Streng genommen handelt es sich bei den Nichtwählern um eine Fraktion, deren quantitative Stärke jener der Grünen entspricht. Von fünf Wahlberechtigten machten in Konstanz zwei keinen Gebrauch von ihrem Stimmrecht – damit sank das Interesse an der Politik im Vergleich zur Landtagswahl 2016 deutlich um 10 Punkte. Über die Ursachen dieser Schwankungen wird immer wieder diskutiert, der Spielraum für Spekulationen ist relativ groß. Vor fünf Jahren beispielsweise wurde die hohe Wahlbeteiligung auf die Kritik an der Flüchtlingspolitik zurückgeführt, was bei der AfD für etliche Proteststimmen gesorgt haben dürfte. Daraus aufgrund der diesmaligen AfD-Verluste Rückschlüsse über die politische Neigung des erhöhten Nichtwähler-Potenzials bei der Wahl am Sonntag abzuleiten, würde die Diskussion allerdings verkürzen. Denn Protest gibt es auch derzeit zur Genüge – das zeigen die allgegenwärtigen Bekundungen gegen die Corona-Schutzverordnungen und die Unzufriedenheit mit dem Krisenmanagement.