Endlich dürfen wieder alle Kinder in ihre Einrichtungen, doch dem Jubel wich schnell die Ernüchterung: Freunde sind in unterschiedlichen Gruppen und dürfen sich nicht treffen, zum Geburtstag darf mancherorts kein Kuchen mehr mitgebracht werden, und überall fehlt Personal, sodass Öffnungszeiten eingeschränkt wurden. Grund genug für den Gesamtelternbeirat (GEB) der Konstanzer Kitas, sich unter den Eltern umzuhören, wie es seit Anfang Juli im „Regelbetrieb unter Pandemiebedingungen“ läuft.

Wunsch nach einer lokalen Arbeitsgruppe

Das Resultat nennt Sarah Seidel vom GEB-Vorstand: „Wir hatten eine große Spannweite von positiven Aussagen über gemischte Gefühle bis hin zu sehr negativen Erfahrungen.“ Ein ähnliches Bild ergab sich bei einer Videokonferenz am Montagabend, bei der 17 Elternbeiräte Konstanzer Kitas ihre Erfahrungen austauschten. Eines der Ergebnisse war der Wunsch nach einer lokalen Arbeitsgruppe, in der sich Eltern, Stadtverwaltung, Kitas und Kinderärzte beraten und schnell reagieren, wenn sich vor Ort eine zweite Welle ankündigt.

Diese Konstanzer Elternbeiräte trafen sich zur Videokonferenz, um ihre Erfahrungen, Sorgen und Wünsche auszutauschen.
Diese Konstanzer Elternbeiräte trafen sich zur Videokonferenz, um ihre Erfahrungen, Sorgen und Wünsche auszutauschen. | Bild: Nikolas Geisler

„Was machen wir bei einer zweiten Welle?“

Die Eltern möchten, dass das Infektionsgeschehen regional betrachtet wird und nicht wie bisher landesweit. Elternbeirätin Siggy Gies stellte in der Videokonferenz die entscheidende Frage: „Was machen wir bei einer zweiten Welle? Da muss einiges anders laufen als beim ersten Mal. Zum Beispiel fand ich die Festlegung, welche Berufe systemrelevant sind und welche nicht, schwierig.“ Sarah Seidel stimmte zu: „Diese Ausdifferenzierung war nicht gut. Alle Kinder sind systemrelevant! Und niemand kann mit kleinen Kindern im Homeoffice arbeiten.“

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Überhaupt wollen sich die Eltern einen zweiten Lockdown mit Schließung der Einrichtungen nicht mehr gefallen lassen. „Das hat der Landeselternbeirat schon klar kommuniziert“, sagte Heike Kempe, Vorsitzende des Kita-GEB in Konstanz.

Wunsch nach einheitlichem Vorgehen bei Auslegung der Verordnungen

Auch die ungleiche Auslegung der für alle gleichen Corona-Verordnung sorgt für Verwirrung und Ärger unter den Eltern. In einigen Einrichtungen müssen Kinder mit leicht laufender Nase sowie ihre Geschwister sofort nach Hause gehen, in anderen nicht. In manchen wurden sehr schnell wieder alle Kinder in die Kitas geholt, sobald es möglich war; in anderen erst nach und nach.

Heike Kempe wies auf die unterschiedliche räumliche und personelle Ausstattung in den Häusern hin, forderte aber klar: „Wir wollen mehr Transparenz in der Kommunikation, damit alle nachvollziehen können, warum was in den einzelnen Einrichtungen nicht geht.“ Zudem müssten die Regelungen bei Kindern mit leichtem Schnupfen überall dieselben sein.

Bianca Eblen, ebenfalls GEB-Vorsitzende, wünscht sich auch eine Lösung „für Kinder, die nur dreimal kurz husten“. Denn manche Kinderärzte bescheinigten nach einer Untersuchung und dem entsprechenden Ergebnis, dass die Kinder gesund seien. Andere Ärzte verweigerten schon die Untersuchung. „Wir brauchen ein einheitliches Vorgehen für die Zeit nach den Sommerferien“, so Eblen.

Mit Tischen vollgestellte Räume

Die strenge Vorgabe, Gruppen untereinander nicht zu mischen, beschäftigt die Eltern ebenfalls sehr. Während die einen meinen, auf den Spielplätzen und in den Sport- und Musikkursen träfen sich alle Kinder ohnehin gemeinsam, fürchten andere, dass bei einer Mischung der Gruppen eine zweite Welle riskiert werde. V

iele wünschen sich aber das offene Konzept zurück, bei dem Kinder die Räume frei wählen können. Momentan werden feste Gruppen immer in denselben Zimmern betreut, die oft mit Tischen und Stühlen für die Mahlzeiten vollgestellt sind. „Das kann so nicht bis nächsten Sommer weitergehen!“, sagte Heike Kempe.

Geschlossene Gruppen statt offenes Konzept

Genauso sieht es auch Sabine Haag, Abteilungsleiterin Kindertagesbetreuung bei der Stadt Konstanz: „Für die städtischen Einrichtungen bedeutet es eine massive konzeptionelle Umstellung vom offenen Konzept hin zu geschlossenen Gruppen. Für das pädagogische Personal ist das eine zusätzliche Herausforderung.“ Mit Sorge blicken die Eltern und Einrichtungen auf Herbst und Winter, wenn sich der Kita-Alltag noch mehr drinnen abspielt. „Hier hoffen wir auf die Einsicht der politischen Entscheidungsträger“, sagt Haag.

Stadt weist auf Belastung des Personals hin

Denn das Konzept der festen Gruppen, die sich nicht mischen dürfen, benötigt auch viel mehr Personal. So müssen Erzieher in Teilzeit nun mehr arbeiten als gewollt, außerdem wurden Öffnungszeiten in manchen Einrichtungen reduziert.Besonders betroffen ist das städtische Kinderhaus Urisberg. Hier wurden bei Familien, die verlängerte Öffnungszeit gebucht haben, die beiden zusätzlichen Nachmittage gestrichen. Dazu sagt Sabine Haag: „Uns ist bewusst, dass dies eine große Belastung für die Eltern darstellt. Doch wir müssen als verantwortlich handelnder Arbeitgeber auch die Belastungsfähigkeit der Erzieher im Auge behalten.“

Bei all ihrem Frust lobten die Elternvertreter aber ausdrücklich die Kita-Leitungen und Erzieher für ihre gute Arbeit. Der Kita-GEB gab die Ergebnisse der Konstanzer Videokonferenz an den Landeselternbeirat weiter, außerdem wird er ein Gespräch mit der Grünen-Landtagsabgeordneten Nese Erikli führen. „Wir wollen nicht, dass die Rechte der Kinder weiter so missachtet werden“, sagte Sarah Seidel.